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Aus der F.A.Z. „Fußball ist Leiden“

14.06.2002 ·  Cesare Maldini wird mit Paraguay nicht warm. Der alte Trainer und das reife Team kämpfen auf italienisch.

Von Thomas Klemm, Frankfurter Allgemeine Zeitung
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JEONJU. Er tritt auf wie ein Feldherr, seine Mannschaft behandelt er wie eine Truppe. Wenn er seinen Videorecorder abgeschaltet und die Kassetten beiseite gelegt hat, auf denen die Strategien des Gegners aufgezeichnet sind, dann stimmt er seine Spieler mit markigen Worten ein.

Er wählt dann nicht so wohlfeile Formulierungen wie Herbergers „das nächste Spiel ist immer das schwerste“, sondern bei ihm heißt es dann: „Jedes Spiel ist wie ein Krieg.“ Eine wohlüberlegte Defensivtaktik, Kampf bis zur letzten Minute, erfolgreiche Schüsse auf das gegnerische Tor - das macht für Cesare Maldini jenen Sport aus, dem er sein Leben gewidmet hat.

Wenn er die Brauen über seinen streng blickenden Augen zusammenzieht und die tiefen Ränder darunter noch sichtbarer werden, dann vermittelt er auch äußerlich seine Grundhaltung: „Fußball ist Leiden.“

Anhänger des Catenaccio

Daran ändert auch die Freude wenig, bei der WM das Achtelfinale erreicht zu haben, in dem der Trainer mit Paraguays Nationalelf an diesem Samstag auf Deutschland trifft. Paraguay und der Italiener Maldini - das scheint vorzüglich zusammenzupassen.

Die Südamerikaner um den gefürchteten Innenverteidiger Carlos Gamarra und den beliebten Flankengeber Francisco Arce sind berühmt für „la Garra“, ihre Kampfkraft; der Trainer ist mit dem Catenaccio groß geworden, dem einst unüberwindbar erscheinenden Bollwerk des italienischen Fußballs.

Daß der junge Stürmer Nelson Cuevas wegen einer Wadenverletzung zunächst nur auf der Bank sitzen wird, stört den Coach deshalb nicht weiter. Er komme aus jener Schule, in der nicht Tore, sondern das Ergebnis das wichtigste sei, doziert Maldini gerne. „Mit unserem sicheren Abwehrriegel sind wir 1982 Weltmeister geworden.“

Erfahrenes Team

So weit mag der mit siebzig Jahren älteste Trainer bei dieser WM-Endrunde vor der Begegnung mit Deutschland noch nicht denken. Aber daß sich Torhüter José Luis Chilavert sowie die Viererkette, die Maldini von seinem im Dezember geschaßten Vorgänger Sergio Markarian übernommen hat, sich im Stellungskampf den deutschen Angreifern mit aller Gewalt entgegenstemmen, das verspricht der Italiener, der als Spielführer 1963 mit dem AC Mailand den Europapokal gewann und als beinharter Verteidiger 12 Länderspiele absolvierte.

In 18 WM-Qualifikationsspielen mußte Paraguay nur dreizehn Tore hinnehmen; in Südkorea sind es nach drei Begegnungen allerdings schon sechs. Mit einem Durchschnittsalter von 29 Jahren stellt Paraguay eines der erfahreneren WM-Teams, wobei der 20 Jahre alte Roque Santa Cruz vom FC Bayern München den Altersschnitt merklich nach unten drückt.

Stockkonservativer Coach

Viele der Profis, von denen nur vier ihr Geld in europäischen Profiligen verdienen, waren schon bei der WM vor vier Jahren in Frankreich gemeinsam aktiv, als sie dem Gastgeber im Achtelfinale 0:1 unterlagen - nach Laurent Blancs “Golden Goal“ in der Verlängerung. Eine Runde später verlor Italien gegen den späteren Weltmeister - trainiert wurde die Squadra Azzurra von Cesare Maldini, dem Vater des italienischen Spielführers Paolo Maldini.

Ein stockkonservativer Coach für die reife Mannschaft, davon mußte die Öffentlichkeit in dem südamerikanischen Staat langsam überzeugt werden. So ganz geschafft hat es nicht einmal der 36 Jahre alte Volksheld Chilavert, ohne dessen Machtwort wenig läuft in Paraguays Fußball und der Maldini den Rücken stärkt - nicht zuletzt, weil er so weiter ein Wörtchen mitreden kann bei der Mannschaftsaufstellung.

Ein „Abzocker“?

Der langjährige Junioren-Nationaltrainer Italiens betonte zwar, wie ihn das Angebot geehrt und daß er “schon immer ein Faible für Südamerika und Paraguay“ gehabt habe. Die Kritiker jedoch mochten nicht verstummen, die dem Italiener „Abzocke“ vorwarfen, weil er selten in ihrem Land sei, aber viel Geld einstreiche. Ein 0:4 in einem WM-Vorbereitungsspiel gegen England stärkte nicht gerade die Position Maldinis, der in seinen ersten zehn Arbeitswochen nur ein Touristenvisum besaß.

Als vor der WM alle das Aufgebot für ein Testspiel gegen Schweden erwarteten, verweigerte sich Maldini mit dem Hinweis auf die noch ausstehenden Ligaspiele in Südamerika, kehrte Land und Leuten endgültig den Rücken und reiste in seine norditalienische Heimat Montecatini, wo er das Team zum Trainingslager versammelte.

Weltmännisch-gelassen

Kein Wunder, daß die Öffentlichkeit dem populären Uruguayer Markarian hinterhertrauerte, der nach zwei Niederlagen in den letzten beiden WM-Qualifikationsspielen von den Funktionären des paraguayischen Fußballverbandes (APF) gefeuert worden war.

Äußerlich begegnet Maldini, der nach der Absage des argentinischen Erfolgstrainers Carlos Bianchi nur die zweite Wahl der APF war, der Medienkritik weltmännisch-gelassen. „Es ist überall dasselbe. Der Unterschied ist, daß ich in Paraguay vor 15 Journalisten Pressekonferenzen gebe, während es in Italien 80 waren“, sagt Cesare Maldini. Obwohl er mittlerweile eine bis September gültige Arbeitserlaubnis besitzt, wird der Lombarde nicht nach Südamerika zurückkehren. Es sei denn, um sich kurz als erfolgreicher Feldherr feiern zu lassen.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Deutschland: Kahn - Rehmer, Linke, Metzelder, Bode - Schneider, Frings, Jeremies, Ballack - Jancker, Klose
Paraguay: Chilavert - Arce, Gamarra, Ayala , Caniza, Caceres- Struway, Acuna, Campos - Cardozo, Santa Cruz
Schiedsrichter:
Batres (Guatemala)

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Jahrgang 1966, Sportredakteur.

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