17.02.2012 · Trikots sind die individuellen Trophäen des Fußballspielers. Das von Messi war auch diese Woche heißbegehrt. Und die Trikottausch-Aktionen sorgen für Diskussionen.
Von Jörg HahnAls Pelé nach bald zwei Jahrzehnten beim Heimatverein FC Santos schließlich für New York Cosmos spielte, ging die Begeisterung für den brasilianischen Superstar so weit, dass Cosmos für jeden der staunenden gegnerischen Spieler eines seiner Trikots bereithalten musste: Bis zu dreißig Stück pro Spiel wurden verteilt.
Vom früheren amerikanischen Nationalspieler Jeff Agoos ist bekannt, dass er es in 14 Jahren als Profi auf über vierhundert textile Trophäen gebracht hat. „Der Augenblick, in dem ich auf dem Spielfeld das Trikot tausche, bleibt mir für immer als ein ganz besonderer Moment im Gedächtnis“, sagte er einmal. Bei Weltmeisterschaften waren es Pelé und der Engländer Bobby Moore, die am 7. Juni 1970 in Mexiko das bis dahin noch seltene Ritual populär machten, Brasilien hatte 1:0 gesiegt. Diese Szene war dem Weltverband Fifa gar einen Eintrag in sein Geschichtsbuch wert.
Was die einen als eine wichtige Geste und als Ausdruck des Respekts gegenüber dem gegnerischen Spieler und dessen Mannschaft werten, finden andere lächerlich und eines Profis unwürdig. Vielleicht kommt es auch nur aufs richtige Timing an. Womit wir in Leverkusen gelandet wären. „Ich wollte das Trikot schon in der Halbzeitpause haben, aber Manuel Friedrich war früher da, der hat es mir quasi geklaut. Dann habe ich in der Halbzeitpause ausgemacht, dass wir nach dem Spiel tauschen. Es kommt zu Hause in die Vitrine.“
So, so: Das mühsam ergatterte Messi-Trikot will er in die Vitrine packen, der Leverkusener Fußballprofi Michal Kadlec, die ansonsten sicher recht leer ist, so ohne Pokale. Denn man scheint ja lieber hinter Trikots her zu sein als hinter Siegen. Champions League? Klingt eher nach E-Jugend, wenn sich zwei erwachsene Kerle um ein Trikot des Gegners schon streiten, bevor das Spiel vorüber ist. Die sehr offensichtliche Jagd der Kindsköpfe Kadlec und Friedrich nach dem Trikot des Stars aus Barcelona hat nicht nur Leverkusener Fans aufgebracht: Sportdirektor Rudi Völler will beiden ihre Beute wieder abnehmen und für einen guten Zweck versteigern. Eine weitere Chance auf hübsche Barça- und Messi-Souvenirs gibt es ja im Rückspiel am 7. März.