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Armstrong-Kommentar Der heiße Stuhl

Lance Armstrong geht auf Sendung. Der Besuch in einer Talkshow ist eine große Chance für ihn - falls er sie wirklich zum Dopinggeständnis nutzt.

© REUTERS Vergrößern Lance Armstrong: Geständnis in einer Talkshow

Nun wird er also doch sprechen. Lance Armstrong empfängt Amerikas größte Beichtmutter und Trostspenderin, die Talkshow-Ikone Oprah Winfrey. Damit eröffnet sich dem einzigen und einstigen siebenmaligen Gewinner der Tour de France am 17. Januar Zugang zu angeblich 85 Millionen Haushalten, welche „Oprah‘s Next Chapter“ empfangen können, sowie direkt im weltweiten Netz ein heißer Draht zu abermillionen weiteren Zuschauern. Welch eine Chance für Armstrong, der durch seine Disqualifikation sportlich erledigt und existentiell gefährdet ist. Er wird sie sich nicht entgehen lassen.

Michael Reinsch Folgen:  

Wie vor den Auftritten all der deutschen Radprofis in ihren Talkshows werden auch nun Anwälte aushandeln, welche Fragen gestellt werden dürfen und welche nicht, und wie hoch die Vertragsstrafe sein wird, damit die leidenschaftliche Moderatorin sich auch wirklich daran hält.

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Armstrong wird Wert darauf legen, ausführlich daran erinnern zu dürfen, dass er mittels der von ihm gegründeten Stiftung Livestrong 500 Millionen Dollar für die Krebsforschung beschafft und sieben Millionen aus seinem eigenen Vermögen dafür beigesteuert hat. Vielleicht wird er die Narben seiner Krebsoperation zeigen und das Foto in seinem Führerschein, auf dem ihm durch die Chemotherapie seinerzeit die Haare ausgefallen sind.

Blaupause einer Verteidigungsstrategie

Armstrong wird auch über Doping sprechen müssen, denn er wird sich nicht lächerlich machen wollen. Sally Jenkins, die überaus begabte Journalistin und Verfasserin seiner beiden autobiografischen Bücher, hat seit dem tiefen Fall von Armstrong zwei Kolumnen in der „Washington Post“ verfasst, die sich wie die Blaupause einer Verteidigungsstrategie lesen.

Der Profiradsport und die Teams, für die Armstrong fuhr, hingen an der Nadel, lange bevor Armstrong kam. Er stand vor der Wahl mitzumachen oder seinen Beruf aufzugeben. Armstrong entschied sich, fleißiger, entschlossener, schlauer und aggressiver zu trainieren, zu fahren und ja: zu dopen als alle anderen.

Warum wohl, wird er fragen, ist keiner von all denen, die er besiegte, auf Platz eins nachgerückt? Vielleicht muss er die Antwort gar nicht geben, weil sie auf der Hand liegt: Alle dopten. Das ist kein rhetorischer Kniff, sondern die Wahrheit. Dopingkontrollen und das System der Sanktionen, in dem für die Unschuldsvermutung kein Platz ist, dienten nicht dem Schutz, sondern der Disziplinierung der Athleten.

Kämpfer, nicht Opfer

Armstrong wird sich nicht als Opfer darstellen, sondern als Kämpfer, der die Waffen nicht frei wählen durfte. Oprah Winfrey kann sicher sein, dass ihre Sendung spektakulär wird. Ob sie gut wird, hängt davon ab, ob Armstrong verrät, wie er sich das System zu nutze machte und wer seine Komplizen waren.

Wie viel Geld er etwa dem Radsportverband UCI unter Führung von Hein Verbruggen überwies und warum. Und ob er bereut, dass er mit sportlicher Überlegenheit und finanzieller Macht ein Regime etablierte, mit dem er Christophe Bassons und Filippo Simeoni mundtot und arbeitslos machte; Radprofis, die sich gegen Doping aussprachen.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 09.01.2013, 17:09 Uhr

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Von Michael Horeni

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