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Arbeitsprotokoll Schweinsteiger Der Taktgeber des neuen Bayern-Fleißes

 ·  Bastian Schweinsteiger hat sich vom Gestalter zum Schwerarbeiter gewandelt. Beim 3:0-Sieg Mainz zeigt er seine Bedeutung für die starke Defensive des FC Bayern. Wir haben 90 Minuten genau hingeschaut.

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© dpa Vergrößern Taktgeber Schweinsteiger: Er gibt nicht nur Anweisungen, er gratuliert auch Torschützen wie Thomas Müller

Vor dem Auswärtsspiel Mainz 05 hat Bastian Schweinsteiger vor dem Gegner gewarnt. „Sie haben einen Trainer, der unberechenbar ist“, hatte der deutsche Nationalspieler über Thomas Tuchel und dessen stets gute Matchpläne gesagt. In den vergangenen Jahren hatte der Mainzer Trainer auf diese Weise tatsächlich schon dreimal in sieben Spielen gegen die Bayern gewonnen, was für einen Klub wie Mainz 05 eine ungewöhnlich gute Bilanz ist.

Beim 3:0-Sieg kommt nun vor allem dem einzigen Mann in langen Unterhosen (Arjen Robben gesellt sich erst als Einwechselspieler in der Schlussphase zur Fraktion der Wärmebedürftigen) die Aufgabe zu, das „Unberechenbare“ in eine für die Bayern Erfolg bringende Kalkulation zu verwandeln.

Der 28 Jahre alte Chef im zentralen defensiven Mittelfeld, bei dominanten Auftritten der Bayern gegen passive oder deutlich unterlegene Gegner der gelassene und nur selten in Zweikämpfe verwickelte Ballverteiler, ist in Mainz nämlich so etwas wie das Rechenzentrum im Verteidigungssystem seines Klubs. Stets einige Meter tiefer positioniert als Javier Martinez, sein rechter Nebenmann in der Doppel-Sechs, ist er derjenige, der die Mainzer Aktionen voraussieht und entsprechen die Mitspieler im Mittelfeld dirigiert und mit intensiven Laufwegen Lücken stopft – zumindest nach einer ersten kleinen Unaufmerksamkeit in der vierten Minute. Da muss Schweinsteiger den Mainzer Tempodribbler Nicolai Müller wegen schlechten Stellungsspiels ziehen lassen.

Laufstärke statt Spritzigkeit

In dieser Situation wird deutlich, dass Schweinsteiger in den vergangenen Jahren zugunsten neuer Stärke bei intensiven langen Läufen Spritzigkeit auf den ersten Metern eingebüßt hat. Wenn Schweinsteiger in die Verlegenheit eines Sprintduells kommt, sieht man immer wieder, wie er verzweifelt ins Hohlkreuz geht, um wenigstens noch ein oder zwei Prozente an Geschwindigkeit herauszuholen. Auch in der 19. Minute kann er Müller nicht folgen und muss ihn mit einem Foul stoppen.

Doch Schweinsteiger sieht sich offenkundig nur als Opfer mangelnder Defensivarbeit der Kollegen. Nach einem kurzen Blickkontakt mit Trainer Heynckes gibt er jedenfalls deutliche Anweisungen an seine Nebenleute, wieder etwas mehr Aggressivität ins Defensivverhalten zu bringen. Er geht dabei weiter mit bestem Beispiel voran und stopft beim nächsten Konter mal wieder wichtige Löcher. Am Ende des Spiels, das beweist die Analyse, hat er sich deshalb den Bayern-Rekordwert von 11,54 Kilometern erlaufen. Gesprintet ist er dabei lediglich 14 Mal, die meisten Meter macht er indes bei 57 intensiven Läufen.

Besonders beeindruckend ist seine Bereitschaft für die entscheidenden Zweikämpfe, die dem einstigen Offensivspieler früher noch abging. Immer wieder bremst er Mainzer Gegenstöße mit der entscheidenden Gegenwehr im Zentrum. „Die Bayern führen mittlerweile Zweikämpfe, die sie früher nicht geführt haben“, erklärt später der Mainzer Torwart Christian Wetklo aus seiner Sicht den Hauptgrund für die Bayern-Dominanz des aktuellen Jahrgangs. „Ein Schweinsteiger arbeitet mittlerweile defensiv richtig gut.“

Vor des Gegners Tor fehlt die Konzentrationsfähigkeit

Der Einsatz in der Defensive kostet Schweinsteiger indes vermutlich Torgefahr auf der anderen Seite. Nach einer perfekten Vorlage von Franck Ribery verzieht er nach 22 Minuten jedenfalls aus 15 Metern kläglich. Der technische Fehler dürfte eine Folge der intensiven Läufe sein.

Nahezu fehlerlos ist Schweinsteiger indes als Aufbauspieler. Immer wieder lässt er sich aus dem Mittelfeld zwischen die beiden Innenverteidiger Dante und Daniel van Buyten fallen, um die Bayern-Spielzüge wie ein Quarterback im American Football zu eröffnen. Auch deshalb kommt Schweinsteiger am Ende auf stolze 84 Ballkontakte. Vor allem nach den in schneller Folge erzielten Bayern-Toren durch Thomas Müller (41.) und Mario Mandzukic (50./57.) wird der Vize-Kapitän dann immer mehr zum Ruhepol im Bayern-Spiel.

Die Mainzer lassen in ihrer Aggressivität nach, nun können die Münchner ihre Kunst im eleganten Verwalten von Vorsprüngen ausspielen. Die Ballbesitzzeiten steigen, am Ende haben die Gäste 65 Prozent Spielanteile. Schweinsteiger ist dabei mehr und mehr der Spieler der den Takt - sowohl in der Offensive, als auch in der Defensive - des neuen Bayern-Fleißes vorgibt.

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