Home
http://www.faz.net/-gtl-76zrw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Arbeitsprotokoll Roman Neustädter Der antrittsschwache Handlungsschnelle

Roman Neustädter kennt Grund und Boden bestens, auf dem er mit Schalke 04 bei Mainz 05 gespielt hat. Beim 2:2 zeigt er aber auch seine spielerischen Qualitäten – und ein kleines Schnelligkeitsdefizit. Wir haben 90 Minuten hingeschaut.

© dpa Neustädter ist nur rund 500 Meter entfernt am Rande der Äcker, auf denen das neue Mainzer Stadion erbaut wurde, aufgewachsen

Den Grund und Boden, auf dem Schalke 04 beim 2:2-Unentschieden bei Mainz 05 anzutreten hatte, kennt Roman Neustädter besser als jeder andere Spieler auf dem Feld. Neustädter ist schließlich nur rund 500 Meter entfernt am Rande der Äcker aufgewachsen, auf denen das neue Mainzer Stadion erbaut wurde. Damals, als Neustädter bei Mainz 05 von der F-Jugend bis zur ersten Mannschaft alle Teams des Klubs durchlaufen hatte, war das Gelände freilich noch lange kein fußballerisches Bauerwartungsland, sondern eine ganz klassisch zum Kartoffelanbau genutzte Fläche, auf der die Familie Neustädter – Vater Peter spielte von 1994 bis 2003 für Mainz 05 und trainierte anschließend die zweite Mannschaft – den ein oder anderen Wochenendspaziergang unternommen hatte.

Daniel Meuren Folgen:

Gegen Mainz 05 hofft der über die Zwischenstation Mönchengladbach in Gelsenkirchen gelandete Mittelfeldspieler nun mit Schalke 04, dass an diesem Ort nun wenigstens wieder ein zartes Pflänzchen der Zuversicht wachsen möge nach den vielen sportlichen Rückschlägen für „Königsblau“ in den vergangenen Wochen.

Mehr zum Thema

Die Mainzer haben hingegen etwas dagegen und nehmen erst einmal alle verfügbaren Arbeitsgeräte in die Hand, die zum Zerstören des zarten Pflänzchens benötigt werden: Im eigenen Ballbesitz rollen sie oftmals mit der Beharrlichkeit eines Mähdreschers aufs Schalker Tor zu, nach jedem Ballverlust attackieren die Rheinhessen ihre Gegner mit ihrem aggressiven Gegenpressing sensengleich bei nahezu jedem Ballkontakt.

Neustädters Schnelligkeitsdefizit

Das bekommt auch Roman Neustädter nicht sonderlich gut. Immer wieder wirkt er im Zusammenspiel mit seinen Defensivkollegen auf halblinks überfordert gegen den Mainzer Tempofußball, in der 20. Minute kann er einen gefährlichen Konter beispielsweise nur mit einem Foul gegen Andreas Ivanschitz bremsen. Nahezu zwangsläufig trifft Ivanschitz sieben Minuten später nach herausragender Vorarbeit des Flügelflitzers Nicolai Müller zur Mainzer Führung.

Neustädter ist direkt beteiligt an der Entstehungsgeschichte. Mit etwas besserem Antizipationsvermögen und einem schnelleren Antritt hätte er den zuvor Bastos und Fuchs jeweils im „1 gegen 1“ erfolgreichen Tempodribbler Müller womöglich an der Hereingabe hindern können. Genau wegen dieser Defizite an Schnelligkeit haben die Mainzer 2009 ihr Eigengewächs nach Mönchengladbach etwas zu leichtfertig ziehen lassen – was Manager Christian Heidel im Nachhinein aufgrund von Neustädters Entwicklung sicher bereuen dürfte.

Stärken als Stratege

Während Neustädter in der Defensive wie des öfteren in den vergangenen Wochen der Schalker Krise weiter seine Schwierigkeiten hat, zeigt er nämlich im Aufbauspiel immer öfter seine strategische Begabung: In der 37. Minute steckt er beispielsweise mit bemerkenswerter Handlungsschnelligkeit und perfekter Technik einen Ball in die Schnittstelle auf Julian Draxler durch, der von der Mainzer Hintermannschaft nur mit Mühe am Torschuss gehindert werden kann.

Diese Zuspiele sind es, die einen „Sechser“ wie Neustädter im modernen Fußball zum begehrten „Quarterback“ und immerhin schon einmal für die DFB-Auswahl nominierten Nationalspieler machen. Diese Position verlangt auch die Fähigkeit zum öffnenden Pass aus der hintersten Reihe auf die Außen. Diese Qualität weist Neustädter kurz vor der Pause nach, als er einen Flugball auf Höger so genau spielt, dass der Außenverteidiger den Ball bei nahezu vollem Tempo mitnehmen kann.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mainz 05 Okazaki ist reif für die Insel

Steht Mainz 05 vor dem nächsten Millionentransfer? Angeblich verlässt Topstürmer Shinji Okazaki die Rheinhessen und wechselt in die Premier League. Der Mainzer Manager Heidel will den Transfer noch nicht bestätigen – dementiert ihn aber auch nicht. Mehr Von Max Müller

25.06.2015, 18:16 Uhr | Rhein-Main
Schalkes Youngster Ist Max Meyer der nächste Messi?

Max Meyer, 19, gilt als der nächste große Schalker Star. Lange bevor er so weit ist, dreht er internationale Werbespots und wird in das Herz der Nationalelf prophezeit. Wie lebt es sich mit solch hohen Erwartungen, Herr Meyer? Mehr

17.04.2015, 13:14 Uhr | Sport
Fußball in Südamerika Copa America wird zum Bundesliga-Problem

Die Copa America geht mit Beginn der Spiele des Viertelfinals in die heiße Phase. Ein Spieler spricht gar davon, dass es nun um Leben und Tod gehe. Die Klubs aus der Bundesliga sind gar nicht erfreut. Mehr

23.06.2015, 14:27 Uhr | Sport
Mainz-05-Trainer Schmidt Zügellose Leidenschaft

Der neue Mainzer Trainer Martin Schmidt will die 05er in der Bundesliga zügellosen Vollgasfußball spielen lassen. Der Schweizer predigt Emotionalität, Leidenschaft und Feuer. Mehr

17.02.2015, 19:10 Uhr | Sport
Fußball-Transferticker Atlético Madrid greift tief in die Tasche

Madrid findet Mandzukic-Ersatz ++ Porto kauft teuer ein ++ Frankfurt holt Stürmer ++ Götz hat neuen Job ++ Ilicevic bleibt doch beim HSV, Kacar überlegt noch ++ Di Santo bleibt Bremer ++ Alle Infos im Transferticker. Mehr

02.07.2015, 15:45 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.02.2013, 10:52 Uhr