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Arbeitsprotokoll Diego Dreidimensionaler Ballbeschleuniger

Diego zeigt beim Wolfsburger 1:1 in Mainz sowohl seine Spielkunst als auch die Bereitschaft zum Dienst an der Mannschaft. Dabei geht der Edeltechniker an die Grenzen seiner körperlichen Leistungsfähigkeit. Wir haben 90 Minuten genau hingeschaut.

© dpa Vergrößern Diego in Mainz: Dreidimensionaler Ballbeschleuniger ohne Schnörkel und Fehlpässe

Als Diego zum Spiel seines VfL Wolfsburg bei Mainz 05 auf den Platz läuft, erweckt der 27 Jahre alte Brasilianer den üblichen Eindruck eines etwas unbeteiligten Fußballspielers mit Hang zur Melancholie. Diese Persönlichkeit mag dazu führen, dass der Dreh- und Angelpunkt des Wolfsburger Spiels in manchen Begegnungen kaum wahrzunehmen ist.

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In Mainz ist dies am Samstag ganz anders: Vom Anstoß weg ist Diego als Ballbeschleuniger im Spiel. Und so trägt er mit seinem ersten feinen Kurzpass auch dazu bei, dass Wolfsburg nach nur 20 Sekunden die erste Großchance hat. Nach Marcel Schäfers Flanke verpasst aber zunächst Ivica Olic den Ball, den Schuss von Bas Dost aus spitzem Winkel klärt der Mainzer Verteidiger Junior Diaz kurz vor der Linie.

Hohes Tempo bei Wolfsburg

Die Wolfsburger, die vor allem auch wegen des schnörkellosen und auf Alibi-Traumpässe verzichtenden Auftritts von Diego sehr kompakt mit Kurzpassstaffetten agieren, machen in dem Tempo weiter, obwohl sie nach fünf Minuten nach einem schlimmen Fehlpass von Torwart Diego Benaglio durch den ersten Bundesligatreffer von Niki Zimling in Rückstand geraten. Immer wieder ist im folgenden Sturmlauf der Wolfsburger Diego beteiligt und beweist seine Fähigkeiten als sogenannter dreidimensionaler Spieler: Während Akteuren auf den Außenbahnen oder in der Innenverteidigung, vereinfacht gesagt, beispielsweise allein der Blick in eine Richtung für die Bewältigung ihrer Aufgaben ausreicht, müssen Zentrums-Akteure wie Diego eigentlich auch immer wissen, was gerade im eigenen Rücken passiert.

Zudem muss Diego mit perfekter Technik ständig in der Lage sein, mit eigenen Körperdrehungen am Ball auch dem Spiel seiner Mannschaft die entscheidenden Wendungen und Spielverlagerungen zu ermöglichen. Dank seiner Qualitäten unterlaufen ihm bei 44 Abspielen lediglich fünf Fehlpässe.

Diego als Balldieb

In der ersten Viertelstunde darf Diego zudem einer seiner Lieblingsbeschäftigungen nachgehen: Mit seinem feinen rechten Fuß zirkelt er ein halbes Dutzend an Standards gefährlich in den Mainzer Strafraum. Beim Ausgleich ist er freilich nicht beteiligt: Auch ohne seine Mitwirkung ziehen die Wolfsburger das Spiel so in die Breite, dass die Mainzer Abwehr Lücken aufweist. Die nutzt Polak für eine Maßflanke auf Naldo, der zum Ausgleich einköpft.

Dank des 1:1 können die Wolfsburger nun zu ihrer anfänglichen Taktik zurückkehren: Sie laufen die für den Spielaufbau zuständigen Mainzer Innenverteidiger geballt mit Dost, Olic und eben Diego an, was die drei Offensivakteure derart fleißig tun, dass der ein oder andere frühe Ballgewinn der Lohn ist. Diego betätigt sich zum Beispiel in der 17. Minute als Balldieb, als er ein ungenaues Noveski-Zuspiel auf Julian Baumgartlinger abfängt und den nächsten, allerdings folgenlosen Angriff einleitet.

Verlust an Freiheiten

Nach einer halben Stunde verliert Diego einen Großteil seiner Freiheiten, die Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking seinem „Künstler“ zugesteht. Nach der Roten Karte für Alexander Madlung steht Diego in einem 4-3-1-1-System als Mann hinter der einzigen Spitze Dost noch mehr auch in der Defensivarbeit in der Pflicht. Beachtliche 11,56 Kilometer und die hohe Anzahl von 59 längeren Läufen belegen nach 90 Minuten den Arbeitsfleiß des Spiellenkers, der wegen der Unterzahl indes nur ungewöhnlich seltene 62 Mal seinen Freund, den Ball, berührt.

Infografik / Arbeitsprotokol in Zahlen / Mainz-Wolfsburg Diego © DPA Vergrößern Zeugnis harter Arbeit: Diegos 90 MInuten in Mainz

Weniger mutig geht Diego derweil bei einem gegnerischen Freistoß zu Werke: Als äußerster Spieler in einer Drei-Mann-Mauer versteckt er sich fast hinter seinem Nebenmann, um die möglichen Schmerzen eines Treffers zu vermeiden. Ungeschickt verhält er sich auch in der 37. Minute, als er mit einem theatralischen Sturz das Mainzer Publikum gegen sich aufbringt. Die folgenden Pfiffe bei seinen Ballkontakten mögen dazu beitragen, dass Diego in der 39. Minute nach einem nicht allzu heftigen Rempler gegen Zdenek Pospech die Gelbe Karte sieht.

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Die Verwarnung hätte beinahe böse Konsequenzen für Wolfsburg und seinen Spielmacher: Kurz nach dem Seitenwechsel steigt er gegen Bo Svensson deutlich zu hart ein, Schiedsrichter Peter Sippel lässt aber Gnade walten und droht Diego lediglich unmissverständlich mit der Hinausstellung beim nächsten Fehlverhalten.

Gelungener Auftritt trotz Schwächen am Ende

Das erspart sich Diego freilich, auch weil seine bis dato extreme Einsatz- und Laufbereitschaft ihren Tribut zollt und er kaum noch in Zweikämpfe hineinkommt. Hecking lässt ihn trotz offenkundiger Müdigkeit dennoch auf dem Feld, weil bei Diego immer noch ein spielentscheidender Geniestreich drin ist. In der 68. Minute ist es beinahe so weit: Diego zieht aus 20 Metern ab, der Mainzer Schlussmann Christian Wetklo bekommt nur mit Mühe die Fäuste hinter den Ball und verhindert somit die Krönung des gelungenen Diego-Auftritts.

An dieser Bewertung verändern auch einige leichte Ballverluste in der Schlussphase nichts mehr. In der 87. Minute überlässt der kraftlose Brasilianer dem Mainzer Zimling fast wehrlos den Ball, nach dessen schnellem Pass vergeben Chinedu Ede und Adam Szalai aber die Gelegenheit zum Mainzer Siegtreffer. So darf Wolfsburg sich über den Punktgewinn in Unterzahl freuen, auf dem Weg in die Kabine holt sich Diego dann auch einen verdienten Klaps bei Manager Klaus Allofs ab.

Das Arbeitsprotokoll widmet sich an jedem Spieltag 90 Minuten lang einem Spieler.

Quelle: FAZ.NET

 
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Veröffentlicht: 24.02.2013, 10:28 Uhr