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Andreas Sidon Die Altersstarre eines Boxers

07.02.2012 ·  Zehn Jahre lang war Andreas Sidon deutscher Meister im Schwergewicht. Das klingt gut, ist aber kein Beleg für Leistung. Sidon sollte sich besinnen und seine Gesundheit nicht weiter aufs Spiel setzen.

Von Peter Heß
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Andreas Sidon lässt sich nicht stoppen. Der 49 Jahre alte Berufsboxer aus Gießen hat unmittelbar nach der Urteilsverkündung erklärt, dass er auch noch vor den Bundesgerichtshof ziehen werde. Sidon will sich mit dem Spruch des Oberlandesgerichts Hamburg nicht abfinden, dass sein Verband, der Bund Deutscher Berufsboxer, das Recht besitzt, ihm das Boxen zu verbieten. Er spricht davon, dass das Grundgesetz gebeugt werde.

Vor fast fünf Jahren hatte ihm der Verband die Lizenz entzogen, weil bei einer medizinischen Untersuchung Ablagerungen in der Halsschlagader festgestellt worden waren, die sich bei einem Treffer lösen und einen Schlaganfall auslösen können. Sidon brachte ein Gegengutachten, und die juristische Auseinandersetzung begann. Sie scheint immer noch nicht beendet.

Sidons Zeit ist lange vorbei

Sidon sollte sich besinnen und seine Gesundheit nicht weiter aufs Spiel setzen. Einerlei, ob seine Mediziner richtigliegen oder die des Verbandes, einerlei, ob im Prozess Verfahrensfehler begangen wurden (wie er glaubt) oder nicht. In Sidons Alter und mit dessen boxerischen Fähigkeiten kann jeder weitere Kampf einer zu viel für ihn sein. Per einstweiliger Verfügung stand Sidon bis zuletzt im Ring, durfte sich bis zur Urteilsverkündung deutscher Meister im Schwergewicht nennen. Zehn Jahre lang trug er den Titel. Das klingt gut, ist aber kein Beleg für Leistung.

Denn deutscher Meister im Berufsboxen will niemand mehr werden. In den 14 Gewichtsklassen gibt es nun, da Sidon gesperrt ist, nur noch zwei Titelträger, zwölf nationale Meister werden gesucht. Hätte es einen halbwegs talentierten Herausforderer gegeben, Sidon wäre längst entthront worden. Er gilt mittlerweile als idealer Aufbaugegner für ambitionierte Nachwuchskräfte. Gebucht wurde er aber auch als unverzagter Haudrauf - für Ringschlachten mit jüngeren, aber noch weniger talentierten Boxern als ihm.

Dass der Bund Deutscher Berufsboxer nach der Diagnose von 2007 alles tat, um seiner Sorgfaltspflicht nachzukommen und seinen ältesten Kämpfer vor sich selbst zu schützen, ist nur zu verständlich. Sidon kann das mit seinen 49 Jahren nicht einsehen. Er sagt, er müsse boxen, er sei alt und brauche das Geld. Man muss befürchten, dass er jetzt versucht, woanders eine Lizenz zu bekommen, obwohl er es schriftlich hat, dass seine Zeit vorüber ist. Manche werden auch mit fast 50 nicht erwachsen.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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