Die deutschen Athleten präsentieren sich bei den Olympischen Winterspielen als perfekte Teamworker. Immer dann, wenn es gemeinsam in die Loipe, auf die Schanze oder an den Schießstand geht, wachsen die Sportler der deutschen Olympiamannschaft über sich hinaus. Bei den Goldmedaillen in der 4 x 7,5 km Biathlon-Staffel der Frauen und im Mannschaftsspringen von der Großschanze am zehnten Wettkampftag hat sich der positive Trend des Wochenendes fortgesetzt.
„Die ganze Mannschaft präsentiert sich glänzend, nicht nur sportlich sondern auch menschlich“, sagte der deutsche Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Thomas Bach, der den Triumph des Frauen-Quartetts mit Katrin Apel, Uschi Disl, Andrea Henkel und Kati Wilhelm am Schießstand in Soldier Hollow miterlebte. „Die Kampfkraft zeichnet die Mannschaft aus, es ist ein richtiges Olympiateam.“
Gute Stimmung keine Selbstverständlichkeit
So hatte die 4 x 10 km Langlaufstaffel der Männer mit der Bronzemedaille für die wohl größte Überraschung der Spiele gesorgt. Die Nordischen Kombinierer, die nach dem Mannschaftsspringen noch abgeschlagen auf dem fünften Platz lagen, kämpften sich in der anschließenden Staffel auf den Silberrang nach vorne. Nicht zu vergessen die Eishockey-Mannschaft der Männer, die mit ihrem mitreißenden Einsatz das Viertelfinale erreicht haben.
Die gute Stimmung in der Gesamtmannschaft ist für deutsche Sportler bei Großereignissen keine Selbstverständlichkeit. In Sydney bei den Sommerspielen sorgte der Dauerstreit unter den Schwimmerinnen für Negativschlagzeilen, die auch den Rest des Teams nicht unberührt ließen. „Ich möchte das nicht im Vergleich sehen“, wehrte Bach einen Rückblick auf das Jahr 2000 ab.
„Die wachsen dann über sich hinaus“
Walther Tröger, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees und in Sydney wie in Salt Lake City Chef de Mission, erinnert sich dagegen noch an problematischere Spiele. „Das war nicht überall so“, sagt Tröger zum Teamgeist bei den Winterspielen. „Wenn man von Beginn an gute Leistungen zeigt, dann ist es leicht, gute Stimmung zu haben. Die kann bei einem schlechteren Start auch schnell mal gedrückt sein.“ In Sydney hatte es in den ersten Tagen keine Medaillen gegeben.
Tröger sieht einen direkten Zusammenhang zwischen der Großwetterlage im Team und den Leistungen der Staffeln. „Das ist etwas, was von der Großmannschaft auf die Kleinmannschaften überspringt, und die wachsen dann über sich hinaus“, meinte Tröger.
Im Einzel chancenlos; In der Staffel eine Medaille
Besondere Maßnahmen, um das Zusammengehörigkeitsgefühl der vielen Einzelsportler in den verschiedenen Disziplinen zu fördern, hat das NOK im Vorfeld der Spiele nicht unternommen. „Wir haben gewusst dass wir uns auf die Verbände verlassen können, wie sie sich auf uns verlassen können“, sagte Tröger.
Hintergrund des Erfolges ist auch, dass die deutschen Verbände sich ganz gezielt auf die Staffelrennen konzentrieren. Die Bundestrainer wissen, wie schwer es vielen Nationen fällt ein ausgeglichenes Quartett zusammenzustellen. Und so haben auch Disziplinen wie etwa die Langläufer, die anders als die Skispringer oder Biathleten keine herausragenden Einzelathleten haben, mit vier im Einzel chancenlosen Athleten eine Medaillenchance.