02.02.2004 · Durch ein 32:29 gegen die Carolina Panthers haben die New England Patriots vor über 70.000 Zuschauern in Houston zum zweiten Mal den Super Bowl gewonnen. Es war eine Partie mit Helden und Skandalen.
Zwei grandiose Quarterbacks und ein handfester Busenskandal standen im Mittelpunkt des 38. Super Bowl, den die New England Patriots mit einem 32:29 gegen die Carolina Panthers zum zweiten Mal nach 2002 gewannen. Matchwinner war Patriots-Kicker Adam Vinatieri, der wie vor zwei Jahren in den Schlußsekunden das entscheidende Fieldgoal für den 7:1-Favoriten erzielte.
„Die meisten Profis kommen nie in ihrem Leben in den Genuß, ein Endspiel zu entscheiden. Ich hatte jetzt zum zweiten Mal die Ehre. Dieses Gefühl ist einfach fantastisch“, schrie Vinatieri nach Spielende in den Konfettiregen. Zuvor hatte er sich aus dem über ihm jubelnden Knäuel seiner Mannschaftskameraden befreien müssen.
Viel hätte allerdings nicht gefehlt, und dem treffsicheren Kicker wäre im mit 71.525 Zuschauern ausverkauften Reliant Stadium von Houston die Rolle des tragischen Helden zuteil geworden. Zweimal hatte Vinatieri in der ersten Halbzeit gepatzt und mit vergebenen Fieldgoals eine mögliche Führung verspielt. Als die Begegnung in der Schlußphase auf des Messers Schneide stand, nutzte er jedoch seine Chance und schoß das Leder-Ei vier Sekunden vor Schluß aus 41 Yards Entfernung zum Sieg durch die Stangen.
Ein viertes Viertel der Extraklasse
Im Duell zwischen zwei der besten Verteidigungsreihen der National Football League (NFL) rührten beide Teams zunächst kräftig Beton an. Es dauerte fast bis zur Halbzeitpause, ehe die Patriots endlich den ersten Touchdown erzielten. Die Panthers-Offensive war bis dahin völlig von der Rolle. Auch Spielmacher Jake Delhomme, der Frankfurt Galaxy 1999 in der NFL Europe zum World-Bowl-Sieg geführt hatte, fand nicht wie gewohnt in die Partie.
Kurz nach dem Rückstand konnte der 29jährige durch einen Paß auf Steve Smith jedoch ausgleichen. Ein weiterer Touchdown der Patriots sowie ein Fieldgoal Carolinas sorgten schließlich für den Halbzeitstand von 14:10 für New England und waren der Appetithappen für das, was in der zweiten Halbzeit folgte: Eine Football-Gala der Extraklasse mit einem vierten Quarter als absolutem Höhepunkt.
Immer wieder im Mittelpunkt: Die Quarterbacks Delhomme und Tom Brady: Delhomme mit deutlich gestiegenem Selbstvertrauen, der erfahrene Brady mit der Klasse des Routiniers, der sich auch sieben Minuten vor Schluß nicht durch die erstmalige und etwas plötzliche Führung Carolinas (22:21) aus dem Konzept bringen ließ. Am Ende hatten beide Spielmacher Spitzenwerte erbracht. Delhommes 323 Yards und drei Touchdowns hätten in jedem anderen Spiel zum Sieg gereicht, doch der zum „wertvollsten Spieler“ (MVP) gekürte Brady setzte mit 32 komplettierten Pässen (354 Yards) und ebenfalls drei Touchdowns noch einen drauf.
Nackte Tatsachen in der Pause
„Carolina war der schwierigste Gegner der Saison, aber wir sind eine verschworene Truppe, die bis zur Schlußsekunde an sich geglaubt hat“, sagte Brady und feierte den 15. Sieg seines Teams nacheinander. Delhomme beschwor derweil mit feuchten Augen die nächste Saison: „Wir waren so nah dran, da schmerzt die Niederlage noch mehr. Nach ein paar Tagen Besinnung werden wir künftig noch härter arbeiten, um im nächsten Jahr auf der anderen Seite zu stehen.“
Gewürzt wurde das in über 200 Länder übertragene Spektakel von nackten Tatsachen, die den Fernsehsender CBS sogar veranlassten, sich bei seinen Zuschauern zu entschuldigen. Zunächst hatte Teenie-Schwarm Justin Timberlake seiner Duettpartnerin Janet Jackson während des gemeinsamen Auftritts in der Pause an die Bluse gegriffen und die rechte Brust der Soul-Königin entblößt. Da sich die NFL zudem über die zum Teil anstößigen Texte einiger Rapstars mokierte, kündigte die Liga ein Ende der Zusammenarbeit mit dem für die Halbzeitshow zuständigen Musiksender MTV an. Den Schlußpunkt des äußerst umstrittenen Pausenfüllers setzte dann ein als Schiedssrichter verkleideter Brite, der auf das Feld stürmte, sich entkleidete und den Wiederbeginn des Spiels verzögerte.