Home
http://www.faz.net/-gtl-76ymv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

„Air“ Jordan wird 50 Die Aura des Erfolgs ist weg

Michael Jordan war einst der beste Basketballprofi der Welt und wertvollster Spieler der NBA. Doch Dreieinhalb Jahre nach seiner Aufnahme in die „Hall of Fame“ hat sich sein Bild in den Vereinigten Staaten gewandelt.

© dpa Vergrößern Michael Jordan

Es ist erst dreieinhalb Jahre her, da reflektierte Michael Jordan vor einem erlesenen Kreis geladener Gäste über sein Leben. Der Anlass: die feierliche Aufnahme in die Ruhmeshalle des Basketballs, die Hall of Fame, in Springfield im Bundesstaat Massachusetts. Die Rede der Legende allerdings traf nicht den Ton jener bescheidenen, selbstironischen Dankesansprachen, die in Amerika bei solchen Gelegenheiten gehalten werden.

Denn er hatte noch ein paar uralte Rechnungen zu begleichen: Mit seinem einstigen High-School-Trainer, der die Unverfrorenheit besessen hatte, ihn nicht aufzustellen. mit dem Manager der Chicago Bulls, der seine eigene Rolle beim Aufbau des Erfolgsteams herausgestrichen hatte. Und so warnte er, ihn nicht noch einmal zu unterschätzen: „Ihr werdet vielleicht eines Tages aufschauen und mich mit 50 spielen sehen“, sagte er und registrierte, dass einige im Publikum grinsten. „Lacht nicht“, sagte er. „Sagt niemals nie.“

60 Millionen Dollar Werbeeinnahmen pro Jahr

Der Mann mit dem Spitznamen Air Jordan, der einst im Flug zum Korb die Schwerkraft zu überwinden schien, wird am 17. Februar 50 Jahre alt. Die Ankündigung, auch in diesem Alter noch auf Korbjagd zu gehen, hat er bisher nicht wahr gemacht. Sein letztes Basketballspiel bestritt er vor fast zehn Jahren am 16. April 2003 mit den Washington Wizards. Es war sein zweites und bisher letztes Comeback, nach einem erfolglosen Ausflug als Baseballprofi von 1993 bis 1995 und der Rückkehr zu den Chicago Bulls.

Mittlerweile ist Jordan Haupteigentümer der Charlotte Bobcats, und er ist wohl gut beraten, nicht aufs Spielfeld zurückzukehren. Der reichste ehemalige Sportler der Welt, der im Jahr 60 Millionen Dollar allein durch die Vermarktung seines Namens über den Sportausrüster Nike verdient, würde dieser Tage auf dem Platz von vielen NBA-Profis sicherlich gnadenlos attackiert. Viele erinnern sich noch daran, dass er bei der letzten Tarifauseinandersetzung zu den Verfechtern einer Aussperrung gehört hatte.

Mehr zum Thema

Weder als Teammanager der Wizards noch mit den Bobcats hat er an seine sportlichen Erfolge anknüpfen können. Das Team aus North Carolina gehört seit Jahren zu den schlechtesten der NBA. Deshalb hat sich das öffentliche Bild Jordans in den Vereinigten Staaten gewandelt.

Sicher, an den überragenden sportlichen Leistungen besteht kein Zweifel, sechs NBA-Titel mit den Chicago Bulls, zwei olympische Goldmedaillen mit dem Team der Vereinigten Staaten (1984, 1992), fünfmal „MVP“, wertvollster Spieler der NBA, aber ihn umgibt nicht mehr die Aura des Erfolgstyps. In Expertenkreisen hat schon vor ein paar Jahren die Suche nach dem „nächsten Michael Jordan“ aufgehört.

Das Spiel hat sich weiterentwickelt - dank neuer Typen wie Kobe Bryant, Dirk Nowitzki oder LeBron James. Der Star der Miami Heat übrigens gab vor einiger Zeit die Trikotnummer 23 ab, die er seit seiner Schulzeit aus Bewunderung für Jordan getragen hatte, und spielt nun mit der 6. Aus Respekt, wie er sagte. Die 23 solle die Liga gar nicht mehr vergeben, um jenen Mann zu würdigen, der diese Ziffer weltberühmt gemacht hatte. „Es gäbe keinen LeBron James, wenn da nicht Michael Jordan gewesen wäre.“

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Ausschreitungen bei Alba-Sieg In deutschen Hallen so etwas noch nie gesehen

Fast 13.000 Fans freuen sich auch ein Basketball-Spiel, doch statt der Bälle fliegen in Berlin zunächst Fäuste und Stühle. Die Berliner Polizei ermittelt nun wegen Landfriedensbruch. Mehr Von Michael Reinsch, Berlin

19.03.2015, 23:55 Uhr | Sport
Royals in Amerika William und Kate auf Charme-Offensive

Der britische Prinz William und seine Frau Kate sind zu Besuch in den Vereinigten Staaten. William traf in Washington Präsident Obama, Kate besuchte eine Hilfseinrichtung für Kinder in Harlem. Gemeinsam sahen sie ein Basketball-Spiel und trafen NBA-Star LeBron "King" James. Mehr

10.12.2014, 10:47 Uhr | Gesellschaft
Biografien Steve Jobs auf allen Kanälen

Ein neues Buch und ein neuer Film: Auch dreieinhalb Jahre nach seinem Tod liefert das Leben des Apple-Mitgründers Steve Jobs Stoff für Biografien. Freilich war nicht jedes bisherige Projekt ein Erfolg. Mehr Von Roland Lindner, New York

23.03.2015, 06:53 Uhr | Wirtschaft
Kremlkritiker Nawalnyj Urteil: Dreieinhalb Jahre Haft auf Bewährung

Der bekannte Kremlkritiker Alexej Nawalnyj ist zu dreieinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Ein Gericht in Moskau sprach den russischen Oppositionellen und seinen Bruder Oleg in einem umstrittenen Betrugsprozess schuldig. Die Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre Lagerhaft gefordert. Nawalnyj weist die Vorwürfe als politisch motiviert zurück. Mehr

30.12.2014, 19:12 Uhr | Politik
TBB-Trainer Henrik Rödl Ich weiß nicht, was morgen ist

Insolvenz, Punktabzug, Kantersieg: Die TBB Trier erlebt in der Basketball-Bundesliga stürmische Zeiten. Im FAZ.NET-Interview spricht Trainer Henrik Rödl über den Zusammenhalt im Team, die Strafe der Liga und die Hilfe vom Arbeitsamt. Mehr Von Michael Reinsch

23.03.2015, 15:18 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 16.02.2013, 00:25 Uhr

Wo bleibt Frau Löw?

Von Michael Horeni

Männer trainieren Männer, Frauen trainieren Frauen: Beim DFB gibt es eine Geschlechtertrennung wie man sie auch in Saudi-Arabien oder in Iran nicht konsequenter betreiben könnte. Das ist in vielfacher Weise schädlich. Mehr 22 12