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Abschied mit dem Adler auf der Brust Ehrenhafte Entlassung

12.03.2008 ·  Ehre, wem Ehre gebührt. Wo die Bundeswehr darüber nachdenkt, neue Ehrenzeichen für tapfere Soldaten zu schaffen, passt die Entscheidung des Fußball-Bundes, seine Elite zu ehren, ins veränderte gesellschaftliche Klima.

Von Michael Horeni
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Ehre, wem Ehre gebührt. Aber wem gebührt sie noch im aktuellen Hochleistungssport, im Vermarktungswettkampf, im Selbstdarstellungsduell? Der Deutsche Fußball-Bund wollte sich schon vor über zehn Jahren diesen schwierigen Fragen nicht mehr aussetzen. Er entschied ganz einfach und sagte: „Niemanden mehr!“

Der Verband schaffte per Präsidiumsbeschluss die Abschiedsspiele für die Nationalspieler ab. Nun musste niemand mehr darüber nachdenken, was einen Profi der Vorzeigeauswahl über den anderen erhebt. Sind es die Anzahl der Titel oder der Länderspiele? Ist es die persönliche Ausstrahlung oder die Vorbildwirkung? Oder reicht von allem ein bisschen, um protokollarisch die Nachfolge von Fritz Walter, Uwe Seeler oder Rudi Völler anzutreten? Und nicht zuletzt musste man sich nicht mehr mit der Frage beschäftigen: Ist ein förmlicher Abschied überhaupt noch wichtig?

Ost-West Ballack dürfte der nächste Kandidat sein

Die Zeiten heute scheinen jedenfalls wieder günstiger für jene, die Ehrungen, würdige Abschiede und protokollarische Traditionen wieder aufleben lassen wollen. Wo die Bundeswehr darüber nachdenkt, neue Ehrenzeichen für tapfere Soldaten zu schaffen, einige Universitäten ihren Absolventen das Diplom nicht mehr nur wie bisher durch die Sekretärin übergeben wollen, passt die Entscheidung des Vorstands des DFB, seine Elite zu ehren, ins veränderte gesellschaftliche Klima.

Oliver Kahn ist der erste Profi, dem dieser Wandel in die Hände spielt. Ob der Torwart diesen formell ehrenvollsten Abschied verdient hat - darüber werden die Meinungen weit auseinandergehen angesichts eines Profis, dessen sportliches Lebenswerk in einem Ehrgeiz gründete, den er zu oft nicht kontrollieren konnte.

Abschiedsparty mit dem Adler auf der Brust

Noch spricht DFB-Präsident Zwanziger nur von einer Ausnahmeregelung, aber das Tor für künftige Kandidaten hat das Präsidium mit seiner „Lex Kahn“ weit aufgestoßen. Es wird und soll sich wohl auch nicht mehr schließen lassen. Außergewöhnliche Fußballprofis werden wieder eine Abschiedsvorstellung in Schwarz-Rot-Gold erhalten, und man kann sich vorstellen, dass Kapitän Michael Ballack mit seiner Ost-West-Vita der nächste Kandidat sein dürfte.

Aber es geht bei den Abschiedsvorstellungen der Fußball-Millionäre nicht allein um die Ehre. Ein perfekt vermarktetes Abschiedsspiel ist viele Millionen wert, und wer die Bundesliga und ihre Maßstäbe kennt, der ahnt, dass der ideelle Wert einer Abschiedsparty mit dem Adler auf der Brust dort weit weniger zählt als die Abrechnung nach Eingang der Fernseh- und Zuschauereinnahmen - natürlich abzüglich einer Spende für irgendeinen guten Zweck. Die Ehrensache aber würde gewinnen, wenn der materielle Ertrag aus dem letzten Auftritt bis zum letzten Cent nur denjenigen zugutekäme, die ihn auch wirklich brauchen.

Quelle: F.A.Z., 13.03.2008, Nr. 62 / Seite 30
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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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