Europas große Fußball-Bühne vor Augen hat der VfL Wolfsburg leichtfertig den Sprung in die Bundesliga-Spitzengruppe verspielt.
Trainer Jürgen Röber ärgerte sich nach dem 0:1(0:0) beim TSV München 1860 besonders über die Disziplinlosigkeit von Spielmacher Andres D'Alessandro und Maik Franz. „Diese Niederlage ist unnötig wie ein Kropf. Wir haben uns durch eigene Dummheit geschlagen. Wir hätten heute ganz weit nach vorne kommen können“, monierte Röber. Die Partie im Olympiastadion wollte er „möglichst schnell abhaken“. Nur für die „Rotsünder“ D'Alessandro und Franz wird es noch ein Nachspiel geben. „Damit ist zu rechnen. Da sollte normalerweise nichts herauskommen am Monatsende“, kündigte Röber deftige Geldstrafen an.
Bei D'Alessandro hoffte Röber auf Milde
Drei Tage vor dem Rückspiel im UI-Cup-Finale gegen den AC Perugia am Dienstag und dem erhofften Einzug in den UEFA-Pokal hätte Röber genug Grund gehabt, sich über die keineswegs berauschende Spielweise seiner Mannschaft zu beschweren. Des Trainers Unmut richtete sich aber in erster Linie gegen die beiden Platzverweise. Während Verteidiger Franz nach seiner Tätlichkeit (64. Minute) gegen Andreas Görlitz nicht auf Milde bauen konnte, hätte sich Röber für D'Alessandro Gnade vor Recht gewünscht.
„Wenn jemand erst drei Wochen hier ist, hätte man gehofft, daß der Schiedsrichter beide Augen zudrückt. Der wußte doch gar nicht, daß er dafür vom Platz muß“, sagte Röber zur Gelb-Roten Karte des Argentiniers (39.). Referee Lutz Wagner (Hofheim) bewertete das Meckern und anschließende hämische Applaudieren des 9,5 Millionen Euro teuren Einkaufs ganz anders. „Das hat mit Deutschland nichts zu tun, das ist auf der ganzen Welt eine Unsportlichkeit“, sagte er. Intensiv will Röber nun auf seinen schon in den vorangegangenen Partien gegenüber den Schiedsrichtern keineswegs maulfaulen Spielgestalter einreden, um ihn über die vermeintlichen kulturellen Unterschiede aufzuklären.
Ohne D'Alessandro war Wolsburgs zuletzt hoch gelobtes „magisches Dreieck“ offensichtlich seiner kreativen Seite beraubt - und konnte selbst biedere „Löwen“ nicht gefährden. Bei allem Ärger über die zweite Saison-Niederlage vergaß Röber sogar, daß auch der Münchner Daniel Borimirow nach seinem Würgegriff gegen Franz (64.) zeitgleich des Feldes verwiesen worden war. „Selbst mit zwei Mann weniger haben wir das Spiel noch beherrscht“, sagte er. Da hatte Danny Schwarz (59.) per sehenswertem Fernschuß mit seinem ersten Bundesliga-Tor allerdings schon für die Entscheidung gesorgt.
Die „Löwen“ als effektivste Mannschaft der Liga
Röber dürfte es angesichts des mäßigen Niveaus nicht entgangen sein, daß gegen Perugia eine enorme Steigerung notwendig sein wird, um das 0:1 aus dem Hinspiel aufzuholen. In der Bundesliga rutschten die Wolfsburger mit sechs Punkten als Siebte wieder Richtung Mittelmaß ab und mußten auch den TSV München 1860 passieren lassen. Die „Löwen“ mausern sich zum effizientesten Team der Liga. Mit nur vier Toren holten sie bei minimalem spielerischem Glanz schon sieben Zähler und widerlegten als Tabellensechste vorerst alle düsteren Prognosen. „Wir nehmen die drei Punkte mit. Das ist das Wichtigste“, sagte Trainer Falko Götz zufrieden.