http://www.faz.net/-gpc-78m6b
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 23.04.2013, 15:17 Uhr

Spanische Royals Der König ist wieder da

Der Schwiegersohn von Juan Carlos darf reisen, und Freundin Corinna bleibt unbehelligt. Ob Königstochter Cristina in der Affäre um den Missbrauch öffentlicher Gelder aussagen muss, entscheidet ein Untersuchungsgericht.

von , Madrid
© dpa König Juan Carlos (rechts) und Königin Sofia begrüßen den Dichter José Manuel Caballero Bonald, der in diesem Jahr den Cervantes-Preis erhielt.

Die Nachrichten aus dem spanischen Königshaus fallen noch immer gemischt aus. Erfreulich für die parlamentarische Monarchie ist, dass Juan Carlos I. knapp zwei Monate nach einer dreifachen Bandscheibenoperation wieder seinen royalen Geschäften nachgeht - und zwar schlanker und ohne Krücken. Auch sein unter Korruptionsverdacht stehender Schwiegersohn Iñaki Urdangarin darf mit dem Plazet des Staatsanwalts immerhin vorerst seinen Reisepass behalten, wird aber wahrscheinlich nicht als Hilfs-Handballtrainer in das Emirat Qatar auswandern.

Leo Wieland Folgen:

Die Königstochter Cristina, Urdangarins Frau, könnte, weil auch sie in der Affäre um den Missbrauch öffentlichen Geldes inzwischen für „verdächtig“ erklärt wurde, gegenwärtig ohnehin nicht umziehen. Denn am 6. Mai entscheidet erst einmal der Untersuchungsrichter José Castro, ob die Infantin nicht doch als erstes direktes Mitglied der Königsfamilie persönlich aussagen muss.

Corinna kann aufatmen

Schließlich ist da noch des Königs „enge Freundin“ Corinna Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein. Sie kann aufatmen, weil die spanische Regierung zwar unverändert bestreitet, dass sie, wie sie sagte, dem Staat in „delikaten Angelegenheiten“ uneigennützige Hilfe geleistet habe. Die Regierung des Ministerpräsidenten Mariano Rajoy will jedoch auf rechtliche Schritte gegen sie verzichten, weil das denn doch nicht „im allgemeinen Interesse“ sei. Letzteres kann jedoch der grün-kommunistische Parteiführer Cayo Lara, der unermüdlich an der Wiedereinführung der Republik arbeitet, gar nicht finden. Er glaubt vielmehr, dass die Konservativen im Schulterschluss mit den oppositionellen Sozialisten wieder einmal nur „das Königshaus schützen“ wollten.

In welchem Maß der König noch seinen in formeller Hof-Quarantäne gehaltenen Schwiegersohn schützen mag, ist schwer abzuschätzen. Das Projekt Qatar, wo der ebenfalls spanische Nationaltrainer Valero Rivera seinen alten Sportsfreund Urdangarin vor der Weltmeisterschaft am Golf im Jahr 2015 als Stellvertreter anheuern wollte, scheint gestorben. Zwar hat Staatsanwalt Pedro Horrach, weil er keine „unmittelbare Fluchtgefahr“ erkennen konnte, einen Antrag abgelehnt, dem Herzog von Palma den Pass zu entziehen. Aber Urdangarin hat zum einen keine Trainerlizenz. Und zum anderen hat der König, als er vor kurzem im Einsatz für die marode spanische Wirtschaft dem Emir Hamad Bin Jalifa al-Thani elf Schiffe für seine Marine zum Kauf anbot, für ihn offenbar kein warmes Wort eingelegt.

Der König ist leichter geworden

So aufgeräumt, wie er am Vortag den Dichter und Cervantes-Preisträger José Manuel Caballero Bonald empfangen hatte, gewährte Juan Carlos am Dienstag dem slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico die zweite Audienz während des Genesungsprozesses. Mit gutem Humor hatte der 75 Jahre alte Monarch dem 86 Jahre alten Poeten attestiert, dass er „in besserer Verfassung als ich“ sei, dann aber versichert, er sei schon wieder so hergestellt, dass er bald wieder „auf den Putz hauen“ werde. Es war ihm anzumerken, dass er, auch dank einer täglich vierstündigen Physiotherapie, um einige Pfunde leichter geworden ist. Weil er allem Anschein nach auch die Schmerzbehandlung mit Kortison absetzen konnte, wirkte sein Gesicht weniger aufgedunsen als in den vergangenen Monaten.

Das Königshaus bedarf derweil intensiver Imagepflege. Denn sogar die Beliebtheit des in der Bevölkerung weithin angesehenen Königs hat nach einer neuen Umfrage durch Fehltritte und Affären empfindlich gelitten. Vor allem die junge Generation der Spanier, die seine Verdienste als „Retter der Demokratie“ bei einem Putschversuch neofranquistischer Militärs vor drei Jahrzehnten nur noch als vage Schulbuch-Erinnerung kennen, zweifeln zunehmend am Nutzen der Krone.

Sonderformel für ein Transparenz-Gesetz

In einer neuen Transparenz-Übung, die vom Palast angeregt wurde, will das Königshaus nun noch mehr Detailinformationen über seine Einkünfte und Ausgaben liefern. In Verhandlungen mit der Regierung geht es um eine Sonderformel für ein Transparenz-Gesetz, das die jährliche Alimentation der Krone von rund acht Millionen Euro betrifft. Die Durchsichtigkeit dürfte sich jedoch in Grenzen halten, weil nicht etwa der spanische Rechnungshof, sondern ein interner Prüfer für den Blick in die Hofkasse zuständig sein soll.

Was dabei ausgeklammert werden dürfte, ist das nicht bekannte Privatvermögen des Königs. Inzwischen hat sich aber zumindest der meiste Staub über Juan Carlos’ Erbe von seinem Vater Juan de Bourbon wieder gelegt. Dieser hatte in seinen Exil-Jahren umgerechnet knapp acht Millionen Euro in der Schweiz deponiert. Sie wurden, wie die königliche Buchhaltung energisch versichert, damals ordnungsgemäß in Spanien versteuert. Und inzwischen ist die Angelegenheit ohnehin verjährt.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Neue Bilder von Charlotte Prinzessin Pausback

Zum Geburtstag von Prinzessin Charlotte hat das britische Königshaus vier neue Bilder von ihr veröffentlicht. Mama Kate hat ihre Tochter zielsicher beim Spielen und Süßaussehen fotografiert. Mehr

01.05.2016, 21:49 Uhr | Gesellschaft
Video Panamas Präsident äußert sich zu Panama Papers

Die Enthüllungen über Briefkastenfirmen in Panama werden weltweit zu einem Fall für die Justizbehörden. Nach Australien, Frankreich, Spanien und den Niederlanden leitete auch das mittelamerikanische Land selbst Ermittlungen ein. Präsident Juan Carlos Varela betonte die Bereitschaft zur Zusammenarbeit seines Landes mit Regierungen und Ermittlern aus aller Welt. Mehr

05.04.2016, 14:38 Uhr | Wirtschaft
MotoGP Rossi liefert Siege, Bradl Informationen

Immer wieder Rossi: Der italienische Superstar gewinnt auch den Grand Prix von Spanien. Der Deutsche Bradl kämpft dagegen mit der Technik. Mehr Von Michael Wittershagen

24.04.2016, 17:46 Uhr | Sport
Video William und Kate besuchen Taj Mahal in Indien

Auf den Spuren seiner Mutter Diana hat der britische Prinz William den berühmten Taj Mahal im indischen Agra besucht. Gemeinsam mit seiner Frau Kate posierte William auf genau der Bank vor dem weißen Liebes-Denkmal, auf der Prinzessin Diana 1992 für ein berühmtes Foto gesessen hatte. Mehr

17.04.2016, 10:52 Uhr | Gesellschaft
Österreich und die Diktaturen Der Caudillo hat noch Platz im Palast

Stefan A. Müller zeigt, dass sich die österreichischen Nachkriegsregierungen Franco-Spanien gegenüber in einer unreflektierten Freundschaft verbunden fühlten. Mehr Von Rolf Steininger

25.04.2016, 09:55 Uhr | Politik

Oberwasser für die TTIP-Gegner

Von Hendrik Kafsack, Brüssel

In den veröffentlichten TTIP-Texten steht faktisch nichts Neues drin. Nüchtern betrachtet gibt es deshalb keinen Grund zur Aufregung. Leider wird die Debatte nicht nüchtern geführt. Ein Kommentar. Mehr 15

Huawei P9 im Test Mit dem Zweiten fotografiert man besser

Das Huawei Smartphone P9 hat eine Doppeloptik des Kameraherstellers Leica. Wie macht sich das bemerkbar? Der Test zeigt es. Mehr Von Michael Spehr 1 7

In den Wochen vor seinem Tod Prince soll kaum noch gegessen haben

Prince soll zuletzt selbst Suppen stehen gelassen haben, Malia Obama hat ihre Uni gewählt, und Oscar-Gewinnerin Alicia Vikander folgt Angelina Jolie in der Rolle der Lara Croft – der Smalltalk. Mehr 3

Haus mit Garten Das grüne Zimmer ist was wert

Die Deutschen greifen für den Garten tiefer in die Tasche als früher. Ein Grund dafür dürfte sein, dass viele mit einem schönen Garten einen ganz bestimmten Makel kaschieren möchten. Mehr Von Birgit Ochs 6 15