Schwarze Seide. Sie trägt sie in ihrer Episode aus „Boccaccio 70“, in Vittorio De Sicas „Gestern, Heute, Morgen“, wo sie sich für Marcello Mastroianni auszieht, und in der Wiederholung der Szene in Altmans „Pret-a-porter“ von 1995, in der Mastroianni bei ihrem Anblick einschläft. Sonst ist nie jemand vor Sophia Loren eingeschlafen.
Ihr bloßer Name genügt, um einen das Rascheln von Unterröcken hören zu lassen, das Knistern von Strümpfen an Strumpfhaltern, das Klacken der Absätze auf dem Kopfsteinpflaster von Neapel, Mailand, Palermo, Rom. Denn sie ist überall, und sie spielt alle, die reifen Mädchen, die jungen Mütter, die Arbeiterinnen, die Millionärinnen, sie ist das wahre italienische Sexsymbol jener Jahre, was immer man über Gina Lollobrigida oder Silvana Mangano sagen mag, sie hat den Hüftschwung, den Mund, das Lachen, die Katzenaugen, für die das Kino gemacht ist, und wenn sie in „Hausboot“ Cary Grant, in „Die schwarze Orchidee“ Anthony Quinn und immer wieder den eingebildeten Snob Mastroianni betört, dann möchte man an deren Stelle sein. Und heute ist sie einundsiebzig und ein Star von Retrospektiven, und das ist das wahre Drama.
