22.09.2005 · Vorstandschef Stringer legt Umbaupläne vor / Verlustwarnung für das laufende Jahr / Aktienkurs gibt nach
fib. TOKIO, 22. September. Die Sony Corp. nimmt einen zweiten Anlauf zum weitreichenden Umbau des Konzerns. Mit neuer Führung, der Streichung von 10 000 Arbeitsplätzen und 1,5 Milliarden Euro hohen Restrukturierungskosten peilt der japanische Elektronikhersteller an, in zwei Jahren wieder Weltmarktführer seiner Branche zu sein. Für das laufende Geschäftsjahr stellte Vorstandschef Howard Stringer bei Erlösen von 54 Milliarden Euro einen Fehlbetrag von 75 Millionen Euro in Aussicht. Im kommenden Jahr will er Sony wieder die Gewinnschwelle überschreiten und 2007 schließlich einen operativen Gewinn von 3 Milliarden Euro ausweisen lassen.
"Wir haben einmal etwas versprochen und nicht gehalten, wir werden das nicht ein zweites Mal tun", sagte der gebürtige Waliser, der seit Juni an der Spitze von Sony steht. Das Tokioter Unternehmen hatte bereits vor zwei Jahren unter Stringers Vorgänger Nobuyuki Idei eine Neuorganisation aller Geschäftsbereiche, die vom Hollywood-Film über den Walkman bis zur Videospielkonsole Playstation reichen, begonnen. Trotz der darauffolgenden Kürzung von 20 000 Arbeitsplätzen, Fusionen der Musik- und Mobiltelefonsparten sowie Kooperationen mit Konkurrenten wie Samsung, Toshiba und IBM konnten die Japaner ihre anvisierten Ergebnisse nicht erreichen. War für 2005 eine Gewinnspanne von 10 Prozent des Umsatzes angepeilt, kam man im vergangenen Geschäftsjahr allenfalls mit 1,6 Prozent über die Ziellinie. Das ließ die Großaktionäre handeln. Idei und seine Mannschaft mußten gehen, Stringer kam. Mit ihm übernahm erstmals ein Ausländer die Führung des knapp sechzig Jahre alten Tokioter Unternehmens. Nach einem kurzen Kursfeuerwerk an der Börse infolge seiner Ernennung zum Chief Executive Officer (CEO) kehrten die Aktionäre schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Analysten halten vor allem eine rasche Sanierung der Elektroniksparte für schwierig. Der zentrale Geschäftsbereich des Unternehmens steckt seit zwei Jahren in der Verlustzone. Ein Ende ist bislang nicht in Sicht gewesen.
Gründe sind einerseits die von Sony verpaßten Entwicklungen auf den Märkten für Fernseh- und Musikabspielgeräte. Andererseits ist die gesamte Branche der Unterhaltungselektronik derzeit von einem verschärften Wettbewerb gekennzeichnet. Die Preise vieler Produkte gehen im Jahresvergleich fast 20 Prozent zurück. Ursache sind branchenweite Überkapazitäten in der Produktion. Das trifft Sony an einem wunden Punkt, verbucht es doch mit der Elektroniksparte zwei Drittel seiner konzernweiten Umsätze. Waren die Kunden vor einigen Jahren noch bereit, für Geräte mit der japanischen Nobelmarke einiges mehr auf den Ladentisch zu legen als für Konkurrenzprodukte, hat sich das nun geändert. Wie schon sein Vorgänger Idei sieht aber auch CEO Stringer in der Sanierung des Elektronikbereichs den Schlüssel zum Erfolg.
Die Sparte soll in den kommenden Monaten unter Führung von Sony-Präsident Ryoji Chubachi neu strukturiert werden. 2006 will der studierte Ingenieur eigenen Worten zufolge den Bereich wieder auf die Gewinnspur gesetzt haben. Das allerdings wird nicht einfach sein. Stehen die Sony-Produkte doch oft nur noch in der zweiten Regalreihe der großen Elektronikkaufhäuser von Tokio bis New York. Im Geschäft mit ultraflachen TV-Geräten haben Konkurrenten wie Sharp längst die Marktführerschaft übernommen. Bei digitalen Musikabspielgeräten (MP3-Player) gibt der amerikanische Computerbauer Apple den Ton an. Mit seinen Computern hat Sony zwar technisch erstklassige Produkte auf dem Markt, doch gegen die preiswertere Konkurrenz von Dell, HP und Toshiba hat es oft nur das Nachsehen. So waren die Erlöse 2004 um mehr als 4 Prozent auf 7,1 Billionen Yen (52 Milliarden Euro) eingebrochen. Sony verbuchte einen Betriebsgewinn von 840 Millionen Euro und einen Jahresüberschuß von 1,2 Milliarden Euro. Die Zahl der Mitarbeiter lag bei 151 000. Im ersten Quartal dieses Jahres arbeiteten die Japaner im Minus. Bei Umsätzen von 11,5 Milliarden Euro wurden ein operativer Verlust von 113 Millionen Euro und ein Fehlbetrag von 54 Millionen Euro eingefahren. Für das Gesamtjahr hat CEO Stringer die Ausweisung eines Verlusts angekündigt. Gründe seien die hohen Sonderkosten für die angepeilten Restrukturierungen. Die dafür notwendigen 1,5 Milliarden Euro will er teilweise über die Verkäufe von Randgeschäften kontern. Hier hält Stringer Einnahmen von einer knappen Milliarde Euro für möglich.
Die Börse reagierte skeptisch auf die Umbaupläne. Am Donnerstag gab der Aktienkurs mehr als 2 Prozent nach. Das Papier hatte schon in den vorausgegangenen Wochen und Monaten eine steile Berg- und-Tal-Fahrt aufs Parkett gelegt. Seit Anfang September gewann die Aktie fast 7 Prozent. So bewertet der Markt Sony derzeit mit 30 Milliarden Euro. Das ist das Anderthalbfache des Buchwertes und knapp die Hälfte jenes Marktwertes, den die koreanische Samsung Electronics erzielt.
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