Am letzten Tag der Reise freute sich die Crew via Logbuch über „wunderschönes Wetter, einen klaren und blauen Himmel und einen frischen Westwind“. Fast 60.000 Meilen war der Katamaran „MS Tûranor Planet Solar“ bei seiner Weltumrundung auf gutes Wetter angewiesen, denn ohne Sonnenschein war Stillstand angesagt für das größte Schiff, das nur mit Sonnenenergie angetrieben wird. Wenigstens auf der letzten Etappe von Korsika nach Monaco herrschte schließlich eitel Sonnenschein.
Vor gut anderthalb Jahren wurde das Schiff in Kiel zu Wasser gelassen, am Freitagnachmittag legte es in Port Hercule in Monaco wieder an. „Wir haben demonstriert, was mit Solarenergie alles möglich ist“, sagte Raphaël Domjan, Initiator und Leiter des Projektes, nach der Ankunft. Das Boot hat mit Zwischenhalten in Miami, Cancun, Panama, Galapagos, Bora-Bora, Tonga, Brisbane, Manila, Hongkong, Singapur und Abu Dhabi alle Weltmeere überquert. Finanziert wurde das Vorhaben unter anderem durch den Wella-Erben und Unternehmer Immo Ströher, einen Solar-Fan und Investor der ersten Stunde.
Die Besonderheit des 31 Meter langen und 15 Meter breiten Katamarans wird aus der Vogelperspektive deutlich: An Deck liegen 825 Solarmodule, bestückt mit 38.000 einzelnen Photovoltaikzellen, auf einer Gesamtfläche von 537 Quadratmetern. Sie fangen die Energie ein, die dann in sechs Blöcken mit jeweils zwölf Batterien gespeichert wird. Um Gewicht und Strom zu sparen, gibt es keine Wandverkleidungen, keine Heizung, keine Klimaanlage, nicht einmal eine Waschmaschine an Bord. Sämtliche produzierte Energie soll dem Antrieb dienen, nur für die Navigationselektronik wird noch Strom abgezweigt. Aber nicht nur wegen mangelnder Alltagstauglichkeit ist eine Nutzung der Technologie für den gewöhnlichen Schiffbetrieb in naher Zukunft unrealistisch.
Erfahrene Weltumsegler rümpfen in Internet-Foren die Nase. Denn die Route der „Planet Solar“ durch die Karibik und den Panamakanal hat wenig mit dem zu tun, was Weltumsegler sich gewöhnlich antun. Auch sie sind schadstofffrei unterwegs, doch nehmen sie meist die stürmische Südroute um Kap Hoorn und das Kap der Guten Hoffnung - aus Gründen der Ehre und weil es wegen der stürmischen Winde schneller geht. Die aber musste die „MS Tûranor“ meiden, auch weil zu Stürmen oft Wolken gehören. Spätestens nach drei Tagen muss die Sonne wieder scheinen, sonst sind die Akkus leer, und das Schiff wird zum Spielball der Wellen.
Den Initiatoren des Projektes geht es wohl eher darum, der Welt zu zeigen, dass der Verbrennungsmotor ein technisches Auslaufmodell ist - und die ferne Zukunft der Schifffahrt in der Nutzung alternativer Energiequellen liegt. Eine echte Provokation unter den spritsüchtigen Megayachten in Monaco, die schon für das Anlassen der Maschinen mehr Treibstoff verbrauchen als ein Kleinwagen auf dem Weg durch die Stadt.
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