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Mittwoch, 19. Juni 2013
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So fällt in der Krise alle Scham

 ·  Finanzkrisen gibt es, seit es den Kapitalismus gibt. In ruhigen Zeiten neigt die Welt dazu, das Risiko zu verdrängen. Jetzt ist der Schrecken groß. Und in ihrer Hektik verlieren die Staaten Maß und Ziel.

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Von Rainer Hank

Paradiese sind gefährliche Orte. Adam und Eva können ein Lied davon singen. Es ist die größte Gefahr des paradiesischen Zustands, dass all jene, die in ihm leben, bald denken, es werde immer so bleiben. Der Garten Eden verleitet zu Unaufmerksamkeit und Sorglosigkeit und nährt das Gefühl falscher Sicherheit. Umso größer ist der Schrecken, wenn es vorbei ist. Könnte es nicht sogar sein, dass erst dieser Schrecken durch den Kontrast das Paradies als solches erkennbar macht, während die Gegenwart des goldenen Zeitalters bis dahin gar nicht recht gewürdigt wurde?

Seit Mitte der achtziger Jahre lebten die Menschen in einer Art irdischem Paradies, gewiss mit Schwächen und Ungerechtigkeiten. Aber zumindest in der reichen Welt Amerikas und Europas konnten sie der Meinung sein, ökonomische - und wohl auch politische - Katastrophen blieben ihnen erspart und ihr Wohlstand werde sich - wenngleich nicht immer zu ihrer vollsten Zufriedenheit und nicht für alle gleichmäßig - auf lange Sicht noch mehren.

Nicht erst aus der Erfahrung des Schocks der großen Krise heraus hat man die zwanzig Jahre davor die Zeit der "großen Mäßigung" (The Great Moderation) genannt. Das mag jene überraschen, die gewohnt sind, der Dominanz von Wall Street Unmäßigkeit und Übertreibungssucht vorzuwerfen. Doch darum geht es hier nicht. Mit Great Moderation ist gemeint, dass die Ausschläge des Konjunkturzyklus gedämpft und die Erfahrung dauernden Wechsels zwischen wirtschaftlichem Auf- und Abschwung abgemildert, wenn nicht gar abgeschafft schienen. Allein die Tatsache, dass dies eine Welt ohne (oder allenfalls mit nur geringer) Inflation war, kann gar nicht überschätzt werden, wenngleich auch das Verschwinden der Inflation, wie so vieles, bald als selbstverständlich genommen wurde. Die Jahre der Großen Mäßigung waren ein Zeitalter des Triumphs des amerikanischen Kapitalismus. Dann kam der große Knall.

"Es kann passieren, was will: Es gibt immer einen, der es kommen gesehen hat", sagte der französische Schauspieler Fernandel (Don Camillo) einmal. Auch nach dem Knall gab es wieder viele Menschen, welche die Kreditkrise und ihr Überschwappen auf das Weltfinanz- und Weltwirtschaftssystem schon lange vorher prognostiziert hatten. Und einige - Nouriel Roubini zum Beispiel, ein Ökonom in New York, oder Robert Shiller in Yale - haben tatsächlich sehr früh sehr vieles schon vorhergesagt. Aber wer wollte es hören?

Das ist kein Wunder, gehört es doch zum Wesen von Finanzkrisen, dass sie zwar mit Gewissheit eintreten, der Crash dann aber wie der Blitz aus heiterem Himmel einschlägt. Er überwältigt die Menschen (und Anleger) so plötzlich, dass er einer negativen Epiphanie gleicht. Während einige zu den ewigen Besserwissern werden, wird die Mehrheit vor allem böse: "Warum habt ihr uns das nicht gesagt?", "Warum habt ihr uns nicht vor der Katastrophe gewarnt?", rufen sie in die Welt hinein, ohne dass klar würde, wer ihr Adressat ist. Wahrscheinlich alle, die überhaupt in Frage kommen: die Bankmanager, die Wirtschaftsjournalisten, die Politiker, der Kapitalismus.

Spekulationsblasen gibt es, seit es den Kapitalismus gibt. Sie sind systemimmanente Unfälle. Oder handelt es sich schon um Regelfälle? Wahr ist vor allem eines: Niemandem ist es bislang gelungen, Blasen zu verhindern: Weder die Märkte mit ihren angeblichen Selbstheilungskräften noch die Politik mit ihrem "anmaßenden" und vorausplanenden Wissen haben das geschafft. Zum Wesen der Finanzmärkte gehört offenbar die Übertreibung; Mäßigung gelingt ihnen nur schwer: Scheinbar wundersamen und raschen Gewinnen folgen nicht minder wundersame und plötzliche Verluste.

Es war Alan Greenspan, der die Wirtschaft durch eine der längsten Boomzeiten ihrer Geschichte gesteuert hat. "Maestro" lautete der Titel der Biographie, die Bob Woodward - einer der beiden Journalisten, die den Watergate-Skandal aufdeckten - über Greenspan geschrieben hatte: eine einzige Hymne. Doch als Greenspan, inzwischen ein zweiundachtzig Jahre alter Mann, an jenem 23. Oktober 2008 zum Hearing im amerikanischen Kongress erschien, war der einstige Triumphator zum Angeklagten geworden: "Sie hätten die Autorität besessen, all die unverantwortlichen Praktiken der Kreditvergabe zu unterbinden", schleuderte ihm Henry Waxman, der Chairman der Anhörung entgegen. Und Greenspan entgegnete, für seine Verhältnisse ungewöhnlich kleinlaut: "Ja, es stimmt. Das moderne Risikomanagement hat Jahrzehnte lang funktioniert. Aber dann, im letzten Sommer, ist es kollabiert, weil die Risikomodelle nur mit Daten aus Zeiten der Euphorie gefüttert wurden."

"Haben Sie sich also geirrt?", fragte Waxman in scharfem Ton zurück. "Teilweise leider ja", gab Greenspan zu. Und dann entfuhr ihm noch: "Wir alle, mich eingerechnet, die wir geglaubt haben, die Banken hätten ein Eigeninteresse daran, das Vermögen ihrer Kunden zu erhalten, befinden uns in einem Zustand schockierter Ungläubigkeit." Offenbar müsse man einsehen, dass Märkte zwar lernfähig seien, aber der "ewige Kreislauf zwischen Gier und Angst" zeige keine Ausschläge auf der Lernkurve. Bemerkenswerte Sätze aus dem Munde eines Mannes, der einst vor Stolz und Selbstbewusstsein nur so strotzte. Sie geben dem Ökonomen John Maynard Keynes recht, der Animal Spirits am Werk sah, die dazu führen, dass die scheinbar so rationalen Märkte zwischen Gier und Angst hin und her schwanken.

Was ist mit Animal Spirits gemeint? Keynes war der Ansicht, dass die meisten wirtschaftlichen Aktivitäten der Menschen rationalen Motiven entspringen. Menschen verfolgen ihre Ziele, sie suchen ihren Nutzen, und sie wägen die Kosten und die Alternativen ab. Aber sie sind dabei auch, weil sie Menschen aus Fleisch und Blut sind, ihren Trieben und Stimmungen unterworfen. Mal neigen sie zu Vertrauen, mal dominiert das Misstrauen. Mal werden sie neidisch, mal meldet sich ein altes Ressentiment. Und nie gibt es ein objektives Maß, welches anzeigen würde, wann eine Unternehmung zu riskant und wann eine Gewinnerwartung übertrieben ist.

Alle Blasen unterliegen ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten. Idealtypisch hat sie der amerikanische Ökonom Hyman Minsky (1919 bis 1996) beschrieben: Erst wagen die Menschen gar nichts und scheuen das Risiko. Dann entdeckt plötzlich einer irgendwo ein Geschäft (Häuser in Iowa, Tulpenzwiebeln in Amsterdam, Biotech-Aktien in Heidelberg), und ein anderer ist bereit, ihm Geld zu leihen, weil er selbst daran mitverdienen möchte. Plötzlich machen alle mit, weil niemand der Einzige sein will, der den großen Reibach verpasst hat.

Der Boom währt eine Weile. Doch dann bekommt ein wichtiger Spieler Angst und verweigert die Zahlung. Plötzlich ist das Vertrauen dahin, und die Blase platzt. Dann stehen viele dumm da, weil sie sich blenden und von der Euphorie haben anstecken lassen. Die einen haben es immer schon gewusst, und die anderen sind böse, dass es niemand gewusst hat. Und alle versprechen sich, dass man in Zukunft besser aufpassen, mehr kontrollieren und nicht mehr so gierig sein dürfe. Und dann geht das Minsky-Spiel wieder von vorn los.

Tatsächlich wäre es für jedermann gefährlich gewesen, das Karussell anhalten zu wollen. Kaum einer hat das so klar formuliert wie Chuck Prince als Chairman der Citigroup: "As long as the music is playing, you've got to get up and dance. We're still dancing." So lange die Musik spielt, muss man tanzen. Prince beschreibt das Dilemma der Marktakteure: Weitsichtig nimmt er vorweg, was passieren wird, sobald die Blase geplatzt ist. Liquidität fehlt, Märkte trocknen aus, Banken werden insolvent. Die Realwirtschaft leidet. Deshalb muss die Musik weiterspielen, auch wenn die Sperrstunde schon überschritten ist.

Alles Unvorstellbare erhält, wenn es einmal eingetreten ist, den Charakter des Selbstverständlichen. In schlimmen Zeiten vertrauen die Menschen dem Staat. Einen machtvollen Eintritt des Staates als rettender Akteur auf den Märkten konnte sich noch vor einem halben Jahr niemand vorstellen. Es ist eine epochale Wende. Wenn eine Bank unter normalen Umständen Geld braucht, etwa, weil sie eine andere Bank kaufen will, so macht sie eine Kapitalerhöhung, holt sich das Geld von neuen Aktionären. Gerät eine Bank in eine "Schieflage", dann geht sie unter oder aber sie kann auf die Solidargemeinschaft der Banken zurückgreifen. Jetzt aber gab es plötzlich einen massenhaften Run auf staatliches Geld, von privaten Kreditinstituten wie von staatlichen Landesbanken. Und plötzlich wunderte sich niemand mehr darüber. Zäsuren müssen veralltäglicht werden, sonst hält man sie nicht aus.

Offenbar glauben viele Bürger, dass zwar Banken kippen können, Staaten aber nicht. Warum? Weil der Staat irgendwie der Familie ähnelt, aus der man stammt. Wie die eigene Herkunftsfamilie war auch der Staat immer schon da und, so denkt man unwillkürlich, wird er immer bleiben. Eine Welt ohne Staaten? Ein Deutscher ohne Deutschland? Dass diese Allmacht und unbegrenzte Größe eine Illusion ist, die wir in den Staat hinein phantasieren, muss - fast könnte man sagen: notwendigerweise - ausgeblendet werden. Denn sonst bräche das auf Vertrauen basierende Konstrukt zusammen. Müsste Frau Merkel im Ernstfall jene dreitausend Milliarden Euro, die Summe aus Spar-, Termin-, und Sichteinlagen auszahlen, die zu garantieren sie versprochen hat, würde auch der deutsche Staat an seine Grenzen stoßen. Aber allein diesen Zweifel auszusprechen ist gefährlich.

Dabei täuscht der Eindruck, der Staat verhalte sich in der Krise uneigennützig, rein dem Gemeinwohl verpflichtet. Natürlich trachten die Politiker stets danach, diesen Eindruck zu erwecken. Problemlos konnten sie, wann immer nötig, darauf verweisen, die (Teil-)Verstaatlichung des Bankensektors sei schließlich nicht ihren dunklen Sozialisierungsphantasien entsprungen, sondern dringlicher Bitte genau jener privaten Akteure, die sonst immer das hohe Lied der freien Märkte gesungen hätten. Die Finanzkrise bietet dem Staat die Chance, sich als besonders arglos zu präsentieren.

Das ist gefährlich. Denn der Staat ist kein benevolenter Diktator. Im Windschatten der Bankenrettung hat er eilig eine Reihe weiterer milliardenschwerer Rettungspakete beschlossen: Mal sollte es darum gehen, die ins Stocken geratene Konjunktur zu stimulieren (Abwrackprämie), mal geht es darum, ein für Deutschland wichtiges Einzelautounternehmen (Opel) zu retten. Unmerklich ist ein Rettungswettlauf in Gang gekommen, der sich zwischen den Staaten (Wer hat künftig die kräftigsten Banken auf der Welt?), aber auch innerhalb der Wirtschaftszweige eines Landes (Was die Banken kriegen, soll den Opel und Schaeffler recht und billig sein!) abspielt.

Dass in vielen Fällen der Staat von sich aus gar nicht aktiv werden musste, sondern sich von erpresserischen Unternehmen hat rufen lassen und damit abermals seine Unschuld beteuern konnte, macht den Interventionismus nicht besser. Denn Unternehmen haben noch immer schamlos zugelangt und nach Subventionen gerufen, wenn sich die Gelegenheit bot. Und Politiker haben diesen Ruf noch immer allzu willfährig bedient. Das Bündnis ist perfekt.

So fällt in der Krise alle Scham. Insofern ist die Auseinandersetzung um die Rettung von Adam Opel ein Musterfall, bei dem auch ein Wettlauf zwischen den Landesregierungen gleich welcher Couleur und dem Bund einsetzte. Hier lassen sich mit einer gehörigen - mittlerweile auch hoffähig gewordenen - Portion Antiamerikanismus (“Schuld ist nur der amerikanische Mutterkonzern“) die abenteuerlichsten Begründungen anbringen: 300 000 Arbeitsplätze (inklusive Zulieferer), die angeblich gesunde deutsche Autoindustrie und vieles mehr.

Dem Staat kommt die Krise gelegen. Denn sie bietet die beste Chance, mit großzügigen Wohltaten in das Wahljahr 2009 zu gehen. Weil sich davon beide großen Parteien Vorteile versprechen, funktioniert eine große Koalition in solchen Zeiten besonders gut. Unter dem Vorwand der Konjunkturunterstützungurde plötzlich ein neuer Staatsinterventionismus großen Stils wieder Mode. Dass die Pflicht zu Haushaltsdisziplin einmal Konsens war, kann als „ideologischer Balast“ beiseitegelegt werden. Das politische Eigeninteresse darf sich kaschieren als keynesianisches Konjunkturprogramm oder als Antwort auf den Schrei notleidender Unternehmen und ihrer Arbeitnehmer.

Ob es wirkt, weiß niemand. Sicher ist nur: Für die Staaten wird es teuer. Warum rebellieren die Bürger nicht angesichts solcher von heute auf morgen beschlossenen neuen Belastungen, die sie alle treffen werden? Warum lassen sie es sich gefallen, dass ihr Geld dazu benutzt wird, andere von ihrem Risiko zu entlasten? Und warum ist dieser ungenierte Zugriff für den Staat kein Risiko? Die kurze Antwort lautet: Weil eine hohe Staatsverschuldung für den Bürger nicht direkt spürbar ist. Sie wirkt sich auf ihn und seine Nachkommen aus; aber diesen diffusen Schaden rechnet er in der Regel nicht der staatlichen Schuldenpolitik zu.

Die Theorie, wonach der Staat seinen Bürgern heimlich, still und von einer drohenden Depression legitimiert das Geld aus der Tasche zieht, dann aber großzügig - und eklatant ungerecht - wahlwichtige Einzelgruppen privilegiert, rangiert in der Finanzwissenschaft unter dem Stichwort fiskalische Illusion: Die Bürger unterschätzen nicht nur, wie viel sie selbst zur Finanzierung des Staates - also der öffentlichen Aufgaben - beitragen. Sie unterschätzen auch, was sie dafür bekommen. Sie überschätzen die Leistungen und unterschätzen die Kosten. Nichts lieben Politiker mehr als diesen Mechanismus der fiskalischen Illusion; sie nutzen ihn gerne und nach Kräften aus. Denn sie werden für ihre Wohltaten, nicht für Preise (Steuern, Abgaben) gewählt. Sie wollen so tun, als könnten sie uns aus dem Nichts beschenken. Die fiskalische Illusion hat ihre Entsprechung in der Gratisillusion öffentlicher Güter. Das ist teuer, wenig transparent, und der Preis für den Glauben an den benevolenten demokratischen Diktator könnte unbezahlbar werden. Dass jetzt zunehmend über die Gefahr eines Bankrotts ziviliserter großer Staaten geredet wird, ist das warnende Signal.

Auch wenn es bitter und in den Ohren der Machbarkeitsstrategen wenig befriedigend klingen mag: Den nächsten Crash verhindern wir nicht. „History is indeed little more than the register of the crimes, follies, and misfortunes of mankind“, schrieb der große britische Historiker Edward Gibbon in seiner Geschichte über Verfall und Untergang des Römischen Reiches. Dass auch die Weltgeschichte der Finanzkrisen nichts anderes ist als ein großes „Inventar von Verbrechen, Torheiten und Unglücksfällen der Menschheit“, haben die Ökonomen Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart in einer berühmten Studie nachgewiesen, indem sie den Verlauf der Finanzkrisen über acht Jahrhunderte und in sechsundsechzig Staaten der Welt untersucht haben.

Das Ergebnis ist so desillusionierend wie tröstlich: Es gibt nichts Neues unter der Sonne. „This time is different“, rufen sich die Menschen regelmäßig zu, wenn gerade wieder eine Finanzblase geplatzt, ihr Vermögen halbiert oder eine Bank untergegangen ist: „Dieses Mal ist alles ganz anders!“ Und dann machen sich Politiker und Investoren daran, viel Geld auszugeben und Regeln, Institutionen und Überwachungsorgane zu ersinnen, die verhindern sollen, dass sich so etwas je wiederholen wird.

Im besten Fall ist das alles „weiße Salbe“, symbolisches Agieren wichtiger Leute auf internationalen Konferenzen, mit Papieren, Meetings und wohlmeinenden Absichtsbekundungen zur größeren Ehre von Staatsmännern (und -frauen), was vor allem die Wiederwahl dieser Leute in ihren jeweiligen Ländern sichern soll. Im schlechtesten Fall, sollten die Erneuerer besonders aggressiv und kraftvoll vorgehen, haben ihre Initiativen unangenehme Folgen und Nebenwirkungen, welche das Wachstum bremsen, scheinbar gut regulierte Monopole schaffen oder gar Regeln implementieren, die den Ausbruch der nächsten Krise vielleicht ein wenig verzögern, womöglich auch ihre Ausschläge dämpfen, aber gewiss auch unbeabsichtigt beschleunigen können. Nur eines vermögen sie nicht: Sie können die nächste Krise nicht verhindern.

Woran liegt es, dass wir die nächste Finanzkrise weder vorhersehen noch verhindern können, obwohl sie mit Sicherheit eintreten wird? Die Antwort ist simpel: Weil wir die Zukunft nicht kennen und Prognosen, gemäß einem alten Kalauer, eben schwierig sind, besonders dann, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen. Am Anfang war der Irrtum. Falsche Erwartungen hinsichtlich der Preisentwicklung an irgendwelchen Märkten, einem „vernünftigen Glauben“ (rational belief) entsprungen, haben noch jede Krise wieder ans Laufen gebracht. Der Irrtum ist nicht ausrottbar oder nur um den Preis der Ausrottung der Menschheit. Das Einzige, was wir machen können, ist, uns besser auf den nächsten Irrtum vorbereiten. Alles andere wäre Hybris und würde gewiss alsbald als anmaßend überführt werden können.

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