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: "Slumdog Millionär" ist zum Davonlaufen

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Adaption ist eine gängige künstlerische Praxis. Ständig werden Romane zu Theaterstücken oder Filmen umgearbeitet, aus Theaterstücken werden Filme oder Musicals, aus Filmen werden Bühnenstücke und wiederum Bücher.

          Von Salman Rushdie

          Adaption ist eine gängige künstlerische Praxis. Ständig werden Romane zu Theaterstücken oder Filmen umgearbeitet, aus Theaterstücken werden Filme oder Musicals, aus Filmen werden Bühnenstücke und wiederum Bücher. Von guten Filmen ("Lolita", "Der rosarote Panther") werden schlechte Remakes, von schlechten Filmen ("Der unglaubliche Hulk", "Deep Throat") noch schlechtere Remakes gemacht. Wir leben in einer Welt solcher Transformationen und Metamorphosen. Songs großer Künstler werden von weniger guten gecovert. Zu Obamas Amtseinführung sang Beyoncé ihre Version von Etta James' Klassiker "At Last" - zum deutlichen Missfallen der Gospelsängerin (die aber vielleicht nur aus Ärger über die Wahl Barack Obamas schlecht gelaunt war).

          All das sind Beispiele für die vielfältigen Adaptionsformen, diesen Prozess, der manchmal so gefräßig scheint, als lebten wir in einer Kultur, die sich selbst permanent ausschlachtet und am Ende restlos vertilgt haben wird. Jeder von uns hat vermutlich eine Liste katastrophaler Adaptionen, dir er gesehen hat - ganz oben auf meiner steht David Leans lächerlicher Film "Reise nach Indien", mit Alec Guinness als indischem Guru, der die Füße blasphemischerweise in geweihtes Wasser hält.

          Adaptionen sind aber nicht nur destruktiv, sie können auch eine kreative Kraft entwickeln. Wenn Rod Stewart "Downtown Train" singt, braucht er den Vergleich mit Tom Waits nicht zu scheuen, und Joe Cocker gelingt mit "With a Little Help from My Friends" die erstaunliche Leistung, einen Beatles-Song besser als die Beatles zu singen (die etwas verliert, wenn man bedenkt, dass Ringo Starr diesen Titel seinerzeit gesungen hat). Es gibt auch Beispiele, wo aus guten Büchern gute Filme wurden - Edith Whartons "Zeit der Unschuld" verwandelte sich in Martin Scorseses "Zeit der Unschuld", und aus Giuseppe Tomasi di Lampedusas Sizilienroman von 1860, "Der Leopard", wurde Luchino Viscontis Meisterwerk.

          "In der Übersetzung geht die Poesie verloren", hat Robert Frost einmal gesagt, doch Joseph Brodsky entgegnete: "In der Übersetzung entsteht neue Poesie." Ich finde, dass beide recht haben - ob es um ein Gedicht geht, das über eine Sprachgrenze transportiert wird und sich dort in ein anderes Gedicht verwandelt, um einen Roman, der die Grenze zwischen Buch und Leinwand überschreitet, oder um Menschen, die in eine andere Welt wandern. Bei Übersetzungen geht immer etwas verloren, und doch kann man immer etwas gewinnen. Meine Definition von Adaption schließt Übersetzung, Migration und Metamorphose ein, all jene Prozesse, durch die ein Ding zu etwas anderem wird. Wenn der Erzähler Saleem in meinem Roman "Mitternachtskinder" über das Einmachen spricht, meint er diesen Adaptionsprozess: "Ich finde mich ab mit den unvermeidlichen Verzerrungen des Einlegens. Einlegen heißt letzten Endes unsterblich machen: Fisch, Gemüse, Obst sind einbalsamiert in Gewürze und Essig; eine gewisse Veränderung, eine leichte Intensivierung des Geschmacks ist doch sicherlich eine Bagatelle. Die Kunst besteht darin, den Geschmack graduell, nicht grundsätzlich zu verändern, und vor allem, ihm (in meinen dreißig und einem Glas) Gestalt und Form - das heißt Bedeutung - zu geben." Beim Adaptionsprozess geht es immer um die Frage nach dem Wesentlichen: Wie macht man eine zweite Fassung von etwas Vorhandenem, von einem Buch oder Film oder Gedicht oder Gemüse (oder von sich selbst), eine Fassung, die wirklich etwas Eigenes, etwas Neues ist und doch die Essenz des Dings bewahrt, das man selbst oder das Buch oder das Gedicht oder der Film oder die Mangofrucht ursprünglich einmal war.

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