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Belästigte Frauen in Ägypten : Es gibt kein Entkommen

  • -Aktualisiert am

Laut der UN-Studie suchten nur etwa sechs Prozent der Frauen, die solche Übergriffe erleben mussten, Hilfe bei Polizisten. Viele gaben an, nicht ernst genommen oder gar verspottet worden zu sein. Einige Frauen wurden von ihnen sogar sexuell belästigt, als sie die Tat melden wollten.

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Omnia musste schon häufig solche Schikanen ertragen. Als sie nach einer Schicht im Callcenter gegen Mitternacht nach Hause lief, bemerkte sie, dass ihr ein Mann folgte. Er holte sie ein, sprach sie an und zeigte ihr seinen Polizeiausweis. Sie fragte, ob etwas nicht stimmte. „Es ist 12 Uhr nachts, und du läufst allein draußen herum. Was denkst du, wer du bist“, habe der Polizist geantwortet.

Nur die wenigsten Fälle werden angezeigt. Die Frauen fürchten um ihr Ansehen, einige haben Angst vor der Reaktion ihrer Familien. Manche Mütter raten ihren Töchtern, weite Röcke und langärmlige Oberteile zu tragen, selbst bei 40 Grad. Damit die Männer draußen nichts von ihrer Haut sehen. Auch Omnias Mutter sagte ihr, sie sollte entweder weitere Kleidung tragen oder ganz zu Hause bleiben. „Meine Mutter vermittelte mir, es sei meine Schuld, wenn ich belästigt werde.“

Omnia hat einen einfachen Wunsch

Ahmad hat den Kampf aufgegeben. Studenten, die sich öffentlich engagierten und gegen etwas protestierten, würden exmatrikuliert. Gegen Aktivisten gehe die Regierung vor. „Die Lage ist gefährlich“, sagt er. „Der Kampf für Menschenrechte braucht eine bestimmte Atmosphäre, doch es gibt kaum noch Leute, die mitmachen und sich trauen.“ Und das aus gutem Grund: Laut Angaben des Arabischen Netzwerks für Menschenrechtsinformationen hat das Land heute rund 60.000 politische Gefangene. Die Situation für Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Menschenrechtsaktivisten ist in den vergangenen Monaten schwieriger geworden: Verhöre, das Einfrieren von Geldern und Reisesperren sind gängige Mittel der Regierung, um ihnen die Arbeit zu erschweren.

Präsident Abdel-Fattah Al-Sisi stellt sich zwar als Verteidiger der Frauenrechte dar und besuchte sogar Frauen, die Übergriffe überlebten, im Krankenhaus. Gleichzeitig schränkt er jedoch die Arbeit von NGOs weiter ein. Auch das Anti-Belästigungsgesetz sei nur schwer anzuwenden, sagt Soziologin Rizzo. Es gibt zwar einige Organisationen, die sich dem Ziel verschrieben haben, Betroffenen von sexueller Gewalt zu helfen. Sie bieten kostenlose psychologische Betreuung und einen Rechtsbeistand. Doch den meisten Frauen ist gar nicht bewusst, dass sie dort Hilfe erhalten können. „Man muss Frauen zunächst einmal klarmachen, dass Belästigung nichts ist, das man einfach hinnimmt oder vergeben muss“, sagt Omnia.

Ahmad sieht den Grund für dieses fehlende Bewusstsein in der Scharia. Männer würden so erzogen, dass sie in der Hierarchie ganz oben stünden - dass Frauen ihr Eigentum seien. Bis jetzt gibt es in Ägypten kein Gesetz, dass Vergewaltigung innerhalb der Ehe strafbar macht. Rechtlich ist es nicht einmal ein Scheidungsgrund.

Omnia hat einen einfachen Wunsch: „Ich will anziehen, was ich möchte, und abends alleine durch die Straßen laufen, ohne sexuell belästigt zu werden.“

Quelle: Frankfurter Allgemeine Woche

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