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Belästigte Frauen in Ägypten : Es gibt kein Entkommen

  • -Aktualisiert am

In Kairo leben junge Frauen zwar freier. Es ist heute einer der liberalsten Orte in den arabischen Ländern. „In Kairo oder Alexandria kann jeder leben, wie er will“, sagt Omnia. „Solange man es nicht offen auslebt.“ Doch auch hier sind Frauen täglich sexueller Belästigung ausgesetzt: im Taxi, auf der Straße und im Supermarkt. Während der Proteste am Tahrirplatz 2011 wurden Hunderte Frauen sexuell belästigt, viele von ihnen vergewaltigt.

Mustafa sagt, die Frauen seien selbst schuld

Omnia studiert Politikwissenschaften. Doch um sich ein Leben in Kairo zu ermöglichen, arbeitet sie im Callcenter eines internationalen Anbieters für Bargeldtransfer. Für umgerechnet etwa 180 Euro im Monat, 45 Stunden in der Woche. Vor ein paar Wochen fuhr sie wie jeden Tag im Bus zur Arbeit, als ein Mann auf sie zu kam. Er war etwa Vierzig, sah wie ein Familienvater aus, ordentlich gekleidet. Er setzte sich neben sie und nach einiger Zeit fing er an, sein Bein an ihres zu pressen und zu reiben. Nach etwa einer Minute bemerkte sie, was er tat und schrie, er solle aufhören. Der Mann drehte sich weg und sagte, er habe doch gar nichts getan. Irgendwann verließ sie den Bus. Körperliche Belästigungen wie diese passieren ihr mehrmals im Monat, sagt Omnia. Jemand fasst sie am Arm, sagt ihr, dass sie schön sei, dass er sie haben wolle, oder berührt sie am Hintern.

Seit sie nach Kairo zog, war sie viermal zu Hause. Ein Grund für die seltenen Besuche ist die Fahrt. Die Studie der UN besagt, dass rund 82 Prozent der Frauen regelmäßig in öffentlichen Verkehrsmitteln belästigt werden. „Allein als Frau im Zug nach Oberägypten zu sitzen ist widerlich“, sagt Omnia. Da Männer jedes Mal ihr Aussehen kommentierten, trägt sie im Zug das Kopftuch, das sie eigentlich längst abgelegt hat.

Auch die sozialen Netzwerke sind Orte der sexuellen Belästigung. Viele Frauen, die etwas in Gruppen posten, erhalten danach unzählige Freundschaftsanfragen und Nachrichten von fremden Männern. Häufig schreiben deshalb männliche Bekannte im Auftrag ihrer Freundinnen Wohnungsinserate oder sonstige Anfragen. Omnia fand in ihrem Postfach bei Facebook schon Nachrichten von Fremden vor, die fragten, ob sie Lust auf Sex habe. Die Männer schickten auch Fotos ihrer Genitalien.

Mustafa ist 26 und Lehrer für Islam und Geschichte. Er kennt Omnia nicht, aber er kennt Frauen wie sie: ohne Kopftuch, liberal, atheistisch. In seinem Weltbild verstoßen solche Frauen gegen alles, was er für richtig zu halten gelernt hat. Er kommt aus Quina in Oberägypten, dem südlichen Teil des Landes, das viel konservativer ist als Kairo. Er selbst ist mit seiner 17 Jahre alten Cousine verlobt. Dass Omnia belästigt und angefasst wird, habe sie verdient, sagt Mustafa. Denn es sei ihr eigener Fehler, sich so zu kleiden und zu leben - nicht gläubig zu sein: „Wenn ich sie auf der Straße sähe, würde ich sagen: Bitch, du bist billig! Sie hat keine Moral, ist keine Muslimin, sondern ist schamal - falsch. Ein schlechtes Mädchen und eine Schande.“ Mustafa sagt: „Ich würde sie auch fragen, ob sie ficken will.“ Denn für ihn ist Omnia aufgrund ihres Lebensstils Freiwild.

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