Es war eine der interessantesten Konstellationen dieser etwas an Promi-Not leidenden Schwimm-Europameisterschaften in Debrecen (Ungarn). Im Finale über 100 Meter Freistil trafen am Mittwochabend zwei Athletinnen erstmals aufeinander, die auch in gut zwei Monaten, bei den Olympischen Spielen in London, zu den Medaillenkandidatinnen zählen werden: Britta Steffen und Sarah Sjöström, die 28 Jahre alte Doppel-Olympiasiegerin aus Berlin und die 18 Jahre alte Weltranglistenzweite aus Schweden.
Es war freilich ein Duell unter erschwerten Bedingungen - beide stecken mitten im Training für den Saisonhöhepunkt in London, beide nehmen die EM aus sportlicher Sicht daher nur mit, so gut es geht. Am Mittwoch ging es für Sarah Sjöström besser: Die Schwedin gewann in 53,61 Sekunden vor Britta Steffen, die in 54,15 Sekunden Zweite wurde. Bronze ging an Daniela Schreiber vom SV Halle/Saale, die nach 54,41 Sekunden anschlug.
„Ich bin sehr stolz auf meine erste Einzelmedaille, aber ich weiß auch, dass ich von der Zeit her mehr kann“, sagte Daniela Schreiber. Auch Britta Steffen war trotz ihres zweiten Platzes alles andere als enttäuscht. „Dass es heute mit Silber geklappt hat, war schön“, sagte die Berlinerin. „Die Zeit war zwar nicht der Knaller“, sagte Britta Steffen, „aber weil ich aus dem Training heraus geschwommen bin, ist einfach nicht mehr drin. Sarah hat verdient gewonnen.“
Auch Britta Steffens Lebensgefährte Paul Biedermann befindet sich eigentlich noch im Trainingsaufbau. Am Mittwochabend, im Finale über seine Lieblingsstrecke 200 Meter Freistil, ließ der Weltrekordhalter trotzdem keine Zweifel aufkommen an der erfolgreichen Titelverteidigung: In 1:46,27 Minuten setzte er sich souverän durch und gewann seinen zweiten EM-Titel in Debrecen nach den 400 Meter Freistil.
Sein Teamkollege Tim Wallburger verpasste dagegen das Podium in 1:47,75 Minuten um drei Hundertstelsekunden. „Es lag am Anschlag“, ärgerte sich Wallburger, „ich habe leider einen Schlag zu viel gemacht.“ Der Sieger Biedermann war deutlich schneller als noch bei seinem deutschen Meistertitel in Berlin. „Das Rennen ist optimal gelaufen“, sagte er.
Poewe fährt zu ihren vierten Spielen
Dennoch stimmten ihn Titel und Zeit nicht restlos glücklich. „Wer mich kennt, der weiß, ich bin nicht zufrieden mit dem Rennen, es war zu schwer auf den letzten 50 Metern. Ich bin jetzt ganz schön geschafft“, sagte er. „Ich bin noch nicht so fit, wie es sein könnte.“
Der zweite EM-Sieg für die deutschen Schwimmer an diesem Abend gelang überraschend Sarah Poewe über 100 Meter Brust. Sie gewann in 1:07,33 Minuten. Die Halbfinalschnellste, Caroline Ruhnau von der SG Essen, landete mit 1:07,95 Minuten nur auf Platz vier - vier Hundertstelsekunden hinter Bronze.
„Olympia-Norm und Goldmedaille bei einer EM, das ist für mich unfassbar“, sagte die Wuppertalerin Poewe, die erst am Dienstag im EM-Halbfinale den Sprung nach London geschafft hatte. Dort wird sie nun ihre vierten Olympischen Spiele erleben. „Ich freue mich total darüber“, sagte die 29 Jahre alte gebürtige Südafrikanerin. „Das ist wirklich alles wert.“
