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Schumacher fährt nicht Ein Held außer Gefahr

11.08.2009 ·  Mit dem Comeback-Versuch sind Schumacher aber erstmals geheimnisvolle Fähigkeiten angedichtet worden. Denn anders ist das Urvertrauen nicht nur der Formel-1-Gemeinde in die Durchsetzungsfähigkeit nicht zu erklären.

Von Anno Hecker
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Die Enttäuschung ist mit Händen zu greifen. Zwei Wochen wird man aufgeputscht vom minutiös dokumentierten, spannendsten Comebackversuch der Formel 1. Von der Aussicht, dass Deutschlands Erfolgsgarant des Sports, Michael Schumacher, wieder ins Cockpit klettert. Eine wunderbare Nachricht in schlechten Zeiten. Da liest man schnell über das Kleingedruckte hinweg. Hatten Ferrari und Schumacher in ihrer ersten Meldung nicht geschrieben, dass der Rheinländer „beabsichtige“, in Valencia den verletzten Felipe Massa zu ersetzen?

Die Ferrari-Führung und Schumacher ahnten, dass die Unfallfolgen vom Motorradcrash im Februar dem Projekt den Hals brechen könnten. Ihr - wenn auch - schwaches Warnsignal aber übersah die Öffentlichkeit in der Vorfreude auf dieses Duell der Generationen nur zu gerne. Und zwar nicht allein in Deutschland, wo Schumachers Schritte verfolgt und seine Chancen stündlich diskutiert wurden. Das Interesse an diesem Comeback reichte bis nach China. Dort berichtete das größte Sportmagazin „Titan“ detailliert über die Rückkehr Schumachers und bereitete seine Leser auf einen Coup vor.

Denn den Namen Michael Schumacher verknüpft die Welt automatisch mit Erfolg. Selbst fast drei Jahre nach seinem letzten Rennen. Und obwohl die meisten leistungsbeeinflussenden Parameter in der Formel 1 nach menschlichem Ermessen gegen einen absoluten Erfolg des 40 Jahre alten Rheinländers schon in Valencia sprachen: Wie bitte, hätte er mit dem um eine halbe Sekunde langsameren Ferrari vorne mitkämpfen können?

Das Bild hat sich also gewandelt. Zu aktiven Zeiten noch wurden Schumachers Erfolge zu Recht mit einer extremen Mischung aus Talent, Arbeitseinsatz und Instinkt erklärt. Meistens klang eine Spur Distanz in den Würdigungen mit. Man respektierte diese enorme, einzigartige Leistung. Übrigens im Ausland weit mehr als in Deutschland. Aber niemand außerhalb seines Teams, der Männer und Frauen, die mit ihm täglich arbeiteten, wollte dem Rekordchampion eine besondere Aura attestieren. Eine Ausstrahlung, wie sie dem 1994 tödlich verunglückten, inzwischen von der Formel-1-Welt fast vergötterten Ayrton Senna zuteil wird.

Mit der Distanz wuchs die Verklärung

Mit dem Comeback-Versuch sind Schumacher aber erstmals geheimnisvolle Fähigkeiten angedichtet worden. Denn anders ist das Urvertrauen nicht nur der Formel-1-Gemeinde in die Durchsetzungsfähigkeit eines aktiven Pensionärs gegen Weltmeister wie Räikkönen, vor Kraft und Selbstbewusstsein strotzende Typen wie Alonso oder Hamilton nicht zu erklären. Vermutlich ist mit der Distanz die Verklärung gewachsen. Eine Auflösung der Frage, ob Schumacher vielleicht doch Fähigkeiten besitzt, die man nicht erklären kann, wird es nun nicht geben. Leider.

Für Schumacher aber wird die endgültige Rückkehr in die Beobachterrolle auf lange Sicht kein Nachteil sein. Im Gegenteil. Man wird sich an einen erinnern, der nach Hals- und Beinbruch immer noch Formel 1 fahren wollte. Aus solchem Stoff entstehen Heldenlegenden.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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