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Schavan gibt ihr Amt auf Die Farbe Lila

Der Rücktritt von Annette Schavan nach dem Entzug ihres Doktorgrades widersprach den politischen Gepflogenheiten. Angela Merkel wollte das so. Die Kanzlerin bemühte Superlative. Das ist ungewöhnlich für sie.

© Lüdecke, Matthias Freundinnen: Am Samstagnachmittag im Kanzleramt

Angela Merkel trägt ein schwarzes Jackett. Die Farbe der Trauer passt zu den Worten, die die Bundeskanzlerin an diesem Nachmittag zu sagen hat. Punkt 14 Uhr ist sie mit Annette Schavan vor die Mikrofone im Bundeskanzleramt getreten, draußen ist es trübe, es fällt leichter Schnee. Gleich zweimal spricht sie davon, wie schwer der Rücktritt der Bildungsministerin ihr das Herz mache. Am Abend zuvor hatten die beiden ausführlich miteinander geredet, und „schweren Herzens“ habe sie der Bitte Schavans entsprochen, zurückzutreten.

Markus Wehner Folgen:

Die Kanzlerin bemüht Superlative. Das ist ungewöhnlich für sie. Annette Schavan sei „die angesehenste Bildungspolitikerin des Landes“. Siebzehn Jahre habe sie als solche in Land und Bund gewirkt, „das sucht seinesgleichen“. Schavan stelle mit ihrem Rücktritt ihr eigenes Wohl hinter das des Ganzen, „hinter das Gemeinwohl“. Und: „Das macht Annette Schavan aus.“ Es grenzt an Peinlichkeit. Als hätte es angesichts eines entzogenen Doktortitels eine andere Möglichkeit gegeben als den Rücktritt vom Amt der Bildungs- und Forschungsministerin.

Alles andere als eiskalt

Aber es ist eben ein besonderer Abschied. Und es sind nicht so sehr die Worte der Kanzlerin, die das Besondere ausmachen, sondern mehr noch, dass die Regierungschefin diesen Rücktritt im Bundeskanzleramt bekanntgibt, gemeinsam mit der scheidenden Ministerin. Das hat es noch nicht gegeben, es widerspricht der politischen Gepflogenheit. Gewöhnlich erklärt ein Minister seinen Rücktritt selbst, in seinem Ministerium. Der Regierungschef nimmt dann dazu Stellung, spricht Dank aus, zollt Anerkennung. So hatte es Merkel gehalten, als Franz Josef Jung zu Beginn der Legislaturperiode als Verteidigungsminister zurücktrat, die Kanzlerin hatte ihm zuvor diesen Schritt, wie man so sagt, nahegelegt. So war es auch bei dem Aufsehen erregenden Rücktritt von Jungs Nachfolger, Karl-Theodor zu Guttenberg, vor bald zwei Jahren. Angela Merkel aber wollte es dieses Mal nicht so machen. Nicht mit Annette Schavan.

Einen ganz anders zelebrierten Ministerabschied hatte die Republik im Mai vergangenen Jahres erlebt - nach der für die CDU so schmählich verlorenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Norbert Röttgen, der Wahlverlierer, wollte sein Amt als Umweltminister nicht aufgeben. Aber Merkel schmiss ihn raus, verkündete seine Entlassung im Kanzleramt. Eiskalt war ihr Auftritt damals.

© reuters, Reuters Plagiats-Affäre: Schavan erklärt Rücktritt, Merkel beruft Wanka

Der Abschied von der Ministerin Schavan war nun schier das Gegenteil: Und die machte am Samstag schnell klar, warum das so ist. Gleich am Anfang sprach sie von Freundschaft. Merkel und Schavan pflegten diese Freundschaft. Sie feierten sie nicht öffentlich, sie sprachen darüber nur selten, und wenn, dann strapazierten sie keine großen Worte. Man habe Kontakt, man simse, ja, man gehe auch miteinander essen ab und an. Aber die enge Verbindung hielt über Jahre; manche sagen, auch deshalb, weil Schavan immer loyal war, der Kanzlerin nie gefährlich werden konnte.

Es war auf den ersten Blick eine Freundschaft zwischen Ungleichen, der Naturwissenschaftlerin aus dem Osten, aufgewachsen in einem protestantischen Pfarrhaus, und der Katholikin, die von der rheinischen Spielart dieser Konfession geprägt wurde, einst mit Konrad Adenauers Tochter im Stadtrat von Neuss saß. Intelligent, uneitel, pragmatisch, zuverlässig, spröde, sperrig, kinderlos, ohne großes rhetorisches Talent - es gibt viele Eigenschaften, mit denen beide Frauen gleichermaßen beschrieben werden. Auch die Vorsicht gehört dazu, das Bemühen, stets die Kontrolle zu halten, und der Humor, der sich vor allem in kleiner Runde zeigt. Bis hin zu ihrer Arbeitskluft, Jackett mit Hose, gleichen sich Merkel und Schavan.

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