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Sarah Palin Die Supermama

Sarah Palin hat einen atemberaubenden Meinungsumschwung bewirkt. Der Bannerträgerin des traditionsseligen Amerikas wird zugetraut, neben ihren Familienpflichten einen zeitraubenden Job zu erledigen. Selbst die Schwangerschaft ihrer unverheirateten Tochter wird zur Trumpfkarte.

© REUTERS Vergrößern Glückliche Großfamilie: Sarah Palin und Anhang

Es ist ja nichts dagegen zu sagen, dass auch ultrakonservative, in ihren evangelikalen Gewissheiten sonst unerschütterliche Republikaner sich zu einer Kehrtwende entschließen. Früher zum Beispiel hätten sie einer Mutter von fünf Kindern, deren eines sie bald in den Stand der Großmutter erheben wird, nicht so schnell und leichtfertig geraten, auch noch einen Beruf zu ergreifen, einen nicht ganz unwichtigen obendrein. Küche und Herd wären ihr in der Vergangenheit zugewiesen worden.

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Sarah Palin, womöglich die nächste Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika, hat einen Meinungsumschwung bewirkt, der einem den Atem raubt. Ihr, der zielstrebigen, wenn auch bisher unbekannten Bannerträgerin des guten alten traditionsseligen Amerikas, wird plötzlich zugetraut, neben ihren gewaltigen Familienpflichten einen zeitraubenden Job zu erledigen, für den sie zudem noch, wie selbst ihre glühenden Verteidiger eingestehen, dieses oder jenes zu lernen hätte.

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Aber das ist nur einer der radikalen Umschwünge, die auf die Wunderfrau aus Alaska zurückgehen. Als wiedergeborene Christin und Gegnerin schulischer Sexualerziehung müsste es ihr eigentlich etwas unangenehm sein, dass ihre siebzehnjährige unverheiratete Tochter im fünften Monat schwanger ist. In der Ära Palin lässt sich aber auch daraus eine konservative Trumpfkarte zaubern. Eine solche Schwangerschaft, frohlocken Palins nun auf einmal zahlreiche Fans, beweise doch nur, welch echt amerikanisches Leben die Familie führt. Und dass die Tochter gar nicht an Abtreibung denkt, vielmehr sich riesig freut, den gleichaltrigen Vater ihres Kindes endlich heiraten zu dürfen, versetzt eine Mehrzahl der Wertkonservativen geradezu in Ekstase.

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Wer sich jetzt noch an einen von Palins Vorgängern erinnert, Dan Quayle, der sich unter lautstarker Zustimmung seiner republikanischen Parteigenossen darüber empörte, dass eine Fernsehserienfigur namens Murphy Brown ein uneheliches Kind zur Welt brachte, und ihren Erfindern vorwarf, so ungefähr das gesamte Wertgefüge Amerikas zum Einsturz zu bringen, mag ahnen, welche Lehrjahre die Republikaner in der Zwischenzeit hinter sich gebracht haben. Oder auch nicht. Ihnen vorzuwerfen, in den frisch angefachten „Mommy Wars“ nur an einer strategischen Verteidigung zu arbeiten, wo auf andere Weise nichts zu gewinnen wäre, ist verführerisch und entspricht wohl eher der Wahrheit als die Sinneswandlung strammer Ideologen, die jetzt von einer „konservativen Feministin“ schwärmen. Die Wirklichkeit für Sarah Palin aber begänne ohnehin erst im nächsten Jahr.

Quelle: F.A.Z.

 
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