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Sachthemen und Sexismus-Debatte Frühstück bei Brüderle

Rainer Brüderle lädt zum „Pressefrühstück“. Beinahe hundert Hauptstadtkorrespondenten folgen seiner Einladung. Über „Herrenwitze“ und die Sexismus-Debatte will der FDP-Fraktionsvorsitzende aber nicht reden.

© dpa Vergrößern Der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle an diesem Mittwoch im im Jakob-Kaiser-Haus, Berlin

Im Regierungsviertel morgens um halb neun. Es regnet. Die Dorotheenstraße wird gesperrt, Polizeiautos an jeder Straßenecke rund ums Brandenburger Tor. Rot-weiße Stellgitter entlang der Bürgersteige. Alles wegen Brüderle? Nein, der ägyptische Präsident ist im Anflug auf Tegel. Im Reichstagsgebäude versammelt sich das Parlament zum Gedenken an die Opfer des Holocausts. Rainer Brüderle kommt der Termin, bei dem alle Abgeordneten anwesend sein sollen, gelegen. So verkürzt sich dramatisch die Fragezeit beim „Pressefrühstück“, das der FDP-Fraktionsvorsitzende in Sitzungswochen für Anmerkungen, Analysen und politische Witzchen nutzt.

Peter Carstens Folgen:  

Brüderle kann die Weltwirtschaft zur leichten Muse verzaubern oder vervolkstümeln, warum Immobilienpreise in Mainz schon bei 10.000 Euro je Quadratmeter liegen. Unter den Journalisten gibt es Historiker, Theaterwissenschaftler und Slawistinnen, die ihr volkswirtschaftlichen Rüstzeug im Brüderle-Seminar gehärtet haben. Auch heute ist der Hörsaal im Jakob-Kaiser-Haus, Raum 6.556 brechend voll. Fünfundneunzig Hauptstadtkorrespondenten, Männer und Frauen, mit regenfeuchten Mänteln. Da beschlagen die Fenster. In einer Ecke, knapp außerhalb von Brüderles Sichtbereich, sitzt eine bleiche Illustrierten-Journalistin, tapfer begleitet von einem großen, starken Kollegen.

„Können wir das bitte sachlich halten“

Brüderle spricht eine halbe Stunde. Alle lernen was über „Preissignale aus den Märkten, die Knappheitsrelationen widerspiegeln“. Das interessiert die wenigsten. Als der erste Mann nach Brüderles Herrenwitz fragt - und es werden nur Männer danach fragen -, sagt Brüderle, er habe bisher nicht dazu gesprochen und werde es auch jetzt nicht tun.

Ein Kollege sagt, er wolle „jetzt wieder mal ein Sachthema behandeln“. Darauf der Sexismus-Investigator gereizt: „Danke für diese Bemerkung.“ Der Sachthemenexperte entgegnet: „Es muss sich jeder produzieren, so gut er kann.“ Zischeln im Raum, schließlich die Brüderle-Pressesprecherin energisch: „Können wir das bitte sachlich halten.“ Vor der Türe interviewen Fernsehleute die Zeugen der Sitzung und fragen: „Wie war’s?“

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Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 30.01.2013, 16:03 Uhr

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