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Zweite Textildiscounter-Filiale in Frankfurt Primark mischt die Zeil auf

Der irische Textildiscounter hat seit Donnerstag eine zweite Filiale in Frankfurt. Die Eröffnung am Valentinstag dürfte die Billigkonkurrenz - H&M, Zara und Bershka - allerdings eher als Kampfansage denn als Liebesgruß verstehen.

© Rosenkranz, Henner Vergrößern Billig zieht an: Andrang zur Primark-Premiere an der Zeil.

Auch die Chefin trägt Primark - zumindest zu diesem offiziellen Anlass. „Mein gesamtes Outfit kostet 57 Euro“, sagte Vorstandsmitglied Breege O’Donoghue gestern Morgen zur Eröffnung der neuen Primark-Filiale im ehemaligen Woolworth-Haus an der Zeil - und hatte damit die Jubler auf ihrer Seite.

Petra Kirchhoff Folgen:  

Davon gab es vor der Eröffnung um 11 Uhr drinnen im Geschäft und draußen vor der geschlossenen Ladentür reichlich. Die Premiere mit Luftballons wedelnden, singenden Mitarbeitern („We are the Champions“) und Menschentrauben vor und hinter Absperrungen erinnerte stark an die vielbeschriebenen Neueröffnungs-Zeremonien von Apple und Hollister. Bei der irischen Kette sah das allerdings alles nicht so perfekt einstudiert aus.

Preisgünstiges auf 4000 Quadratmetern

Gleichwohl hat der Modediscounter, der weltweit inzwischen 257 Filialen betreibt, davon zehn in Deutschland, die Branche längst das Fürchten gelehrt oder, wie es der Chef eines Mitbewerbers einmal in einem Interview gesagt hat, den anderen Filialisten den Spaß am Geschäft verdorben.

Die Iren, die preisgünstiger sein wollen als C&A, aber genau so schick wie H&M und Zara, betreiben mit einer ausgeklügelten Logistik und einem ansprechenden Ladenbaukonzept riesige Flächen. Die Zeil-Filiale zählt mit knapp 4000 Quadratmetern auf drei Etagen, 57 Anprobekabinen und 53 Kassen eher zu den kleineren Niederlassungen. Bei den Preisen ist Primark unschlagbar. Einen Großteil der T-Shirts und Jeans gibt es für weniger als zehn Euro. Kein Kleidungsstück im Geschäft kostet mehr als 35 Euro. Auch drei Jahre nach der Eröffnung der ersten Frankfurter Primark-Filiale im Nordwestzentrum stehen Kunden dort samstags Schlange. Das Nachsehen hat die Billigkonkurrenz, allen voran der schwedische Konzern H&M, der unter Umsatzrückgängen leidet. Der Druck nimmt zu. Immer mehr ausländische Filialisten drängeln in deutsche Fußgängerzonen und kämpfen um Marktanteile. An der Zeil sind dies neben H&M mit drei Filialen etwa die spanische Kette Zara und deren Schwester Bershka. Ebenfalls ein Stück vom Kuchen abschneiden wollen sich Adidas Neo und Hollister, die allerdings ein betuchteres Teenager-Publikum bedienen. Und nicht vergessen werden darf, dass Hosen und Schuhe immer öfter im Internet bestellt werden.

Eine eigene Personalabteilung für jede Filiale

Frankfurt ist bisher die einzige deutsche Stadt, in der Primark zwei Flächen bespielt. Anders als im Nordwestzentrum, in dem viele Familien und Kinder Kunde sind, stehen an der Zeil junge Frauen, Primark nennt sie „Fashionistas“, im Mittelpunkt. Der größte Teil des Sortiments dreht sich um Damenmode. Diese wird wie alle anderen Artikel, unter diesen auch viele Accessoires wie Schmuck und Haarspangen, hauptsächlich in Bangladesch hergestellt. Ob der Preiskampf auf dem Rücken der Produzenten ausgetragen wird - diese Frage dürfte den meisten jungen Mädchen auf der Suche nach einem Schnäppchen egal sein. Primark selbst gibt an, viel Wert auf Nachhaltigkeit zu legen. Seit 2006 ist das Unternehmen Mitglied in der „Ethical Trading Initiative“.

An der Zeil arbeiten fortan 637 Frauen und Männer für Primark, sie kommen aus 59 unterschiedlichen Nationen. Mehr als die Hälfte sei zuvor arbeitslos gewesen, heißt es. Mehr als zwei Drittel des Personals seien weiblich und arbeiteten Teilzeit. Jede Filiale hat ihre eigene Personalabteilung. Beworben hatten sich nach Angaben des Unternehmens mehr als 4680 Personen. Sie dürfte ein Einstiegs-Stundenlohn von 9,22 Euro gereizt haben, die Primark ungelernten Kräften zahlt. Das sei zunächst über Tarif, sagt eine Personalverantwortliche. Später zahle das Unternehmen den üblichen Tariflohn im Einzelhandel. Die Zahl der geringfügig Beschäftigten, vorwiegend Studenten, beziffert sie mit zehn Prozent.

Dass O’Donoghue die Crew gestern resolut in einem irisch eingefärbten Deutsch begrüßte, dürfte viele gefreut haben. In Frankfurt lebten weltoffene, anspruchsvolle Menschen. „Sie wissen, was sie wollen, und bekommen es bei Primark“, sagte die Vorstandsfrau. Entgegen seiner Ankündigung war Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) nicht zur Eröffnung gekommen. Er ließ sich durch Stadtrat Peter Mensinger (CDU) vertreten.

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Quelle: F.A.Z.

 
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