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„Zweitausendeins“ in Frankfurt : Das Merkheft wird nicht sterben

Neue Geschäftsführer: Konrad Künkel (links) und Robert Egelhofer. Bild: von Siebenthal, Jakob

Dem Verlag Zweitausendeins geht es schlecht, die Filialen werden geschlossen. Nur in Frankfurt haben sich zwei ehemalige Mitarbeiter gefunden, die das Geschäft nun selbst führen.

          Billig war die Buchhandlung Zweitausendeins am Frankfurter Kornmarkt schon immer. Doch die Schilder „20 Prozent auf alles“, die derzeit im Schaufenster hängen, irritieren viele Kunden dann doch. Dazu der Hinweis „Wegen Inhaberwechsel“. Steht der Traditionsladen vor dem Aus?

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Zwei der 14Buchhandlungen, die das Unternehmen betreibt, mussten schon schließen: in Stuttgart und Freiburg gibt es nach vielen Jahren kein Zweitausendeins mehr. Das hätte auch das Schicksal des Frankfurter Ladens sein können, der als erstes Geschäft der Kette 1969 eröffnete. Denn nach erfolgreichen Jahrzehnten schwächelte das Geschäft in der letzten Zeit zunehmend. Der Umsatz des Verlags ist von 39Millionen Euro im Jahr 2005 auf 18Millionen Euro 2011 zurück gegangen. Das stationäre Verkaufsgeschäft des Verlags Zweitausendeins schreibt seit Jahren rote Zahlen. Die hessische Dependance war noch eine der wenigen, die zum Jahresende eine schwarze Null vorweisen konnte. Dennoch entschied der Verlag vor gut einem Jahr, alle Läden aufzugeben und stärker in den Versandhandel und das Onlinegeschäft zu investieren. Das Angebot der Geschäftsführung: die Buchhandlungen können als Franchise-Betriebe weitergeführt werden - mit dem gleichen Namen und auch weiterhin mit dem legendären Merkheft, in dem die günstigen Angebote des Verlags einmal im Monat angeboten werden.

          Starke Konkurrenz durch Amazon

          Bisher haben sich keine Franchise-Nehmer gefunden - außer in Frankfurt. Konrad Künkel und Robert Egelhofer, langjährige Mitarbeiter des Verlags, werden das Geschäft weiterführen. Vor wenigen Tagen haben alle Beteiligten ihre Unterschriften unter den Franchise-Vertrag gesetzt.

          Künkel arbeitet seit 1980 für Zweitausendeins, seit vielen Jahren leitet er den Laden in Frankfurt. Kurz nach der schlechten Nachricht der Geschäftsführung, die Filialen zu schließen, setzte er sich mit Egelhofer zusammen. Er hatte nach mehreren Jahrzehnten Mitte vergangenen Jahres gekündigt. Künkel weckte in ihm wieder den Zweitausendeins-Mythos, der seit jeher an diesem Ort beschworen wird. Denn Zweitausendeins war schon immer die etwas andere Buchhandlung, mit ihren Sonderposten, der Zwölftonmusik im Hintergrund und einem Publikum vornehmlich von Alt-Achtundsechzigern und Studenten. Unter den Schwierigkeiten, die auch andere Frankfurter Einzelhändler kennen, litt Zweitausendeins gleichwohl, vor allem unter der starken Konkurrenz von Amazon und anderen Versandhändlern.

          Langjährige Mitarbeiter

          Künkel und Egelhofer beschlossen, eine GmbH zu gründen und den Laden zu übernehmen. Ihr Risiko, so sagen sie, sei überschaubar: die Einrichtung bekamen sie für einen Euro, die Miete im Erdgeschoss des Parkhauses Hauptwache wurde nur moderat erhöht. „Man muss ja auch mal etwas wagen“, sagt Egelhofer.

          In der Zweitausendeins-Zentrale in Leipzig ist man froh, zwei erfahrene Männer auch weiterhin an Bord zu haben. „Wir freuen uns sehr über diesen Vertragsabschluss, weil wir die Marke bei einem langjährigen Mitarbeiter wie Robert Egelhofer, der das Geschäft von der Pike auf gelernt hat, bestens aufgehoben sehen“, sagt Geschäftsführerin Bianca Krippendorf.

          Zurück zu den Wurzeln von Zweitausendeins

          Für die Kunden wird sich deswegen auch nur wenig ändern. Name und Merkheft bleiben, einige vertraute Gesichter aber werden gehen müssen. Derzeit arbeiten sechs Mitarbeiter im Laden, vom 1.Juli an werden es nur noch drei sein. Die entlassenen Mitarbeiter, viele von ihnen auch schon eine halbe Ewigkeit dabei, können in eine Transfergesellschaft wechseln, in der sie für ein Jahr 80 Prozent ihres letzten Nettogehalts bekommen und weitergebildet werden.

          Das Ziel der neuen Inhaber soll es nicht sein, weiter die schwarze Null zu halten - sie wollen Gewinn machen. Ihr Plan: Zurück zu den Wurzeln von Zweitausendeins. Es soll wieder mehr Schnäppchen geben, außerdem eine Ecke für Autoren und Bands aus der Region. Künkel und Egelhofer, das ist eindeutig, freuen sich trotz aller Widrigkeiten auf die neue Zeit als eigene Chefs bei Zweitausendeins.

          Quelle: F.A.Z.

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