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Denkmale am Hauptbahnhof : Angemessener Ort, unangemessene Symbolik

Ankunftsort: Initiativen wollen am Bahnhof zwei Denkmäler errichten. Bild: Klein, Nora

Über den Bahnhofsvorplatz in Frankfurt laufen täglich Tausende Passanten. Der zuständige Ortsbeirat hält diesen Ort für geeignet, dort zwei Denkmale aufzustellen. Doch der Zeitplan ist ungewiss.

          Das Denkmal, mit dem an die ersten Gastarbeiter in Frankfurt erinnert werden soll, erscheint schon nicht mehr zeitgemäß, bevor es überhaupt errichtet worden ist. Der seit 2004 vorliegende Entwurf für die Erinnerungsstätte sollte nochmals überarbeitet oder auch ein neuer Ideenwettbewerb ausgerichtet werden. Das fordern die Vertreter des Ortsbeirats 1.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für viele Gastarbeiter, die Anfang der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts nach Frankfurt kamen, war der Hauptbahnhof der Ort der ersten Schritte in ein neues Leben. Deswegen sei der Vorplatz der richtige Ort für ein Denkmal, sagt Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD). Wenn es denn überhaupt kommt. Denn seit mehr als einem Jahrzehnt schlummern die Pläne für das Vorhaben bereits in einer Schublade des städtischen Kulturamts. Der Grund dafür ist allerdings auch, dass der Vorplatz selbst noch umgestaltet werden soll.

          Falsche Botschaft

          Die Idee für ein Gastarbeiterdenkmal geht auf Giuseppe Bruno zurück. Bruno, der im Februar 2014 starb, kam im Sommer 1962 im Alter von 16 Jahren aus der sizilianischen Gemeinde Butera nach Frankfurt. Der Gastarbeiter der ersten Stunde, der am Main sesshaft wurde und auch kommunalpolitisch tätig war, hatte seine Erinnerungen an sein Leben als Gastarbeiter in einem Buch beschrieben. Für das Denkmal hatte er beständig, zunächst erfolgreich und doch schließlich vergebens geworben. Erfolgreich insofern, weil aus einem von der Stadt initiierten Wettbewerb ein Vorschlag für ein Denkmal hervorgegangen war. Auf dessen Aufbau wartete Bruno jedoch vergeblich.

          Die Ortsvertreter meinen, dass die Idee des Künstlers Fakhri Khalik nicht mehr passend ist. Khalik hatte vorgeschlagen, auf dem Vorplatz sechzehn aus Stein gefertigte Koffer aufzustellen. So sollte an die Hunderttausende Gastarbeiter erinnert werden, die aus anderen Ländern kamen und zumeist wenig mehr als ein Gepäckstück dabeihatten. Die Stadtteilpolitiker meinen, dass Botschaft und Symbolik des Entwurfs nicht mehr angemessen seien. Es würde eine falsche Botschaft an die gut integrierte Gruppe der damaligen Gastarbeiter und ihrer Nachfahren gesendet, deren Heimat Frankfurt geworden sei. Noch bedenklicher finden die Ortsvertreter, dass die Koffer-Symbolik auch missverstanden und an Mahnmale erinnern könnten, mit denen an Deportationen in die Konzentrationslager gedacht werde.

          Einfallstor in die Stadt

          Die Ortsteilpolitiker sind jedoch weiterhin der Meinung, dass der Bahnhofsvorplatz der richtige Ort für das Gedenken ist. Allerdings soll in einer anderen Form an die ersten Gastarbeiter erinnert werden. Der Ortsbeirat fasst es so zusammen: „Sie wurden als Arbeiter geholt, kamen als Gäste und blieben als Bürger.“ Dass es eine weitere Initiative für ein Denkmal auf dem Bahnhofsvorplatz gebe, sei den Politikern bewusst, sagt Strank. So setzen sich die Vereine „Projekt Jüdisches Leben in Frankfurt“ und „B’nai B’rith“ dafür ein, vor dem Bahnhof der einst von Briten organisierten Kindertransporte zu gedenken. In den Jahren 1938 und 1939 konnten rund 20 000 jüdische Kinder nach Großbritannien ausreisen. Viele der Kinder haben ihre Eltern bei der Abreise das letzte Mal gesehen.

          Ortsvorsteher Strank sieht hier keinen Konflikt des Erinnerns. Vielmehr habe auch der Ortsbeirat zum Jahreswechsel in einem Antrag das Kindertransporte-Denkmal befürwortet. Nach Auffassung der Ortsvertreter verträgt der Bahnhofsvorplatz zwei Denkmäler. Der Platz sei ein Einfallstor in die Stadt.

          Schnellere Möglichkeit wünschenswert

          Auch auf Seiten der Deutschen Bahn, die Eigentümerin des Vorplatzes ist, gibt es für beide Initiativen keinen Vorbehalt. „Wir verschließen uns dem keineswegs“, sagte der Leiter des örtlichen Bahnhofsmanagements, Hartmut Schwarz. Wo und wie ein oder zwei Gedenkorte geschaffen werden könnten, liege aber in den Händen der Stadt, die den Platz neu gestalten werde. Das städtebauliche Vorhaben ist zwischen Stadt und Bahn fest vereinbart. Zunächst werde aber die B-Ebene umgebaut. Wenn dies abgeschlossen sei, komme der Vorplatz dran. Wann genau, ist aber noch offen.

          Mit Blick auf den ungewissen Zeitplan weist Strank auf die Möglichkeit hin, die der Magistrat in einer Stellungnahme für das Kindertransporte-Denkmal skizziert hat. Dieses könnte auch in einiger Entfernung vom Bahnhofsgebäude, aber von dort sichtbar aufgestellt werden. Nicht nur für die Betroffenen wäre es wünschenswert, wenn dies zu ihren Lebzeiten geschehen würde. Beim Gastarbeiter-Denkmal bliebe wiederum Zeit, um nach einem neuen Entwurf zu suchen.

          Quelle: F.A.Z.

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