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Zur OB-Wahl in Offenbach : Eine Schlappe für die Vierer-Koalition

Der neue und der alte OB von Offenbach: Felix Schwenke mit Horst Schneider, beide SPD Bild: dpa

Der künftige Offenbacher Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) hat Wähler jenseits seiner Partei erreicht. Die CDU als größte Koalitionsfraktion muss sich weiterhin mit einem hauptamtlichen Stadtrat zufriedengeben.

          Den Sieg in der Oberbürgermeister-Stichwahl darf der ehrenamtliche Stadtrat und Offenbacher SPD-Vorsitzende Felix Schwenke als großen persönlichen Erfolg verbuchen. Schon im ersten Wahlgang war deutlich zu erkennen gewesen, dass Schwenke weit über die traditionelle SPD-Kundschaft hinaus Wähler ansprach.

          In der Stichwahl wurden alle eines anderen belehrt, die vermutet hatten, dass sich höhere Wahlbeteiligung im Sog der Bundestagswahl und die starke Position der Bundes-CDU so sehr zugunsten des CDU-Kandidaten Peter Freier niederschlagen würden, dass er an Schwenke noch vorbeiziehen könnte. Eineinhalb Jahre nach der Kommunalwahl, in deren Folge die SPD hilflos zusehen musste, wie sich in Offenbach eine neue Mehrheit bildete, an der sie nicht beteiligt war, setzte Schwenke ein Zeichen, dass mit der SPD weiterhin zu rechnen ist.

          So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

          Nicht nur Freier, auch die Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern musste eine Schlappe einstecken. Sie hatte die Stichwahl mit der Erwartung verbunden, künftig auch den Oberbürgermeister stellen und nach dem Ende der Amtszeit von Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) diese Position mit einem Mann aus ihren Reihen besetzen zu können.

          Freier wollte zuerst nicht kandidieren, um sich auf sein Amt als hauptamtlicher Stadtrat und Kämmerer zu konzentrieren, worauf die CDU eine Bewerberin nominierte, die kurz darauf aus gesundheitlichen Gründen absagen musste. Nun trat Freier doch an, was ihn ehrt, aber auch die Frage aufwarf, was von dieser Kandidatur zu halten sei. Die Wähler gaben gestern ihre Antwort.

          Was macht der Bürgermeister?

          Wie man einen Bewerber konsequent aufbaut, machten die Sozialdemokraten vor: Sie sorgten dafür, dass der vorzeitig abgewählte hauptamtliche Stadtrat Schwenke als ehrenamtlicher Stadtrat in den Magistrat zurückkehrte und in der Öffentlichkeit präsent bleiben konnte.

          Die CDU als größte Koalitionsfraktion muss sich also weiterhin mit einem hauptamtlichen Stadtrat zufriedengeben, während die deutlich kleineren Grünen mit Peter Schneider den Bürgermeister stellen. Seine Amtszeit endet am 6.September nächsten Jahres. Der 61 Jahre alte Politiker ließ bisher offen, ob er weitermachen will. Die CDU dürfte nun Ansprüche auf diese Position geltend machen. Sollte Freier dorthin wechseln, wäre künftig nur noch der Posten eines hauptamtlichen Stadtrats von den Grünen zu besetzen. Die Offenbacher Personalien bleiben spannend.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für die Stadt und den Kreis Offenbach.

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          Quelle: F.A.Z.

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