http://www.faz.net/-gzg-743b3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 02.11.2012, 20:32 Uhr

Zum 75. Geburtstag von F.K. Waechter Wahrscheinlich guckt auch dieses Mal wieder kein Schwein

Zum 75. Geburtstag von F.K. Waechter gibt eine Frankfurter Ausstellung Einblick in seinen schriftstellerischen Nachlass. Und eines wird klar: „Die Art erhalten macht Spaß“.

von , Frankfurt
© Fricke, Helmut Der Kurator betrachtet das Werk und baut es mit auf: Wolfgang Schopf.

Was haben eine Pfeffermühle, ein Likörglas und ein Würfelbecher gemein? Sie werden zu Mitspielern in F.K. Waechters Einpersonenstück „Der singende Knochen“. In Frankfurt sind die Originalrequisiten, sonst im Atelier des vor sieben Jahren gestorbenen Künstlers aufbewahrt, jetzt zu sehen, ebenso wie die Aufzeichnung einer Aufführung des Stücks mit Waechter selbst. Die Ausstellung „Spuk! Wahnsinn! Teufelswerk“, die am Freitag im „Fenster zur Stadt“ des Börsenvereins-Restaurants „Margarete“ an der Braubachstraße eröffnet wurde, gibt einen Einblick in den schriftstellerischen Nachlass des Künstlers, der heute 75 Jahre alt geworden wäre.

Florian  Balke Folgen:

Nach Waechters Tod im Jahr 2005 gab seine Familie den zeichnerischen Nachlass an das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover. Was der 1937 in Danzig geborene Mitbegründer der Neuen Frankfurter Schule nicht gezeichnet, sondern geschrieben hatte, blieb am Main in seinem Atelier. Die Manuskripte und Faksimiles, die Cornelia Volhard-Waechter und das Archiv der Frankfurter Goethe-Universität mit Unterstützung der Dr.-Marschner-Stiftung nun präsentieren, machen eines ganz deutlich: Auch in den Entwürfen für seine Theaterstücke und in seinen anderen Textarbeiten beginnt Waechter von einem auf den anderen Moment zu zeichnen. Die Ausstellung spendet Frankfurt daher Trost: Es ist nicht wirklich alles von Waechter Gezeichnete in Hannover.

Mehr zum Thema

Fünf Theaterabende begleiten die Ausstellung

Den besucherfreundlichen Clou der Ausstellung bildet eine Kommode aus Archivkisten, in denen dicke Stapel mit den Farbkopien der Originalmanuskripte liegen, versehen mit Waechters Stempeln: einer Fliege, einer Möwe, einem Narwal und dem Spruch „Die Art erhalten macht Spaß“. Wer vorbeikommt, darf die Stapel herausnehmen, in aller Ruhe in kaum zugänglichen Beständen blättern und sich in Waechters Schaffensprozess vertiefen.

An den fünf Theaterabenden, mit denen Michael Quast und Freunde die Ausstellung begleiten, ist auch Unpubliziertes zu sehen. „Das Nashorn schläft“ versammelt am 14. November als szenische Lesung Stücke aus dem Nachlass, einen Tag später folgt „Der singende Knochen“, am 16. November gibt es „Gott Fritz/Der rote Wolf“, am 17. November ist „Nach Aschenfeld“ zu sehen, am 19.November „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“. Die Aufführungen, für die der Börsenverein den Großen Saal im Haus des Buches öffnet, vom „Fenster zur Stadt“ aus ein paar Schritte über den Hof gelegen, beginnen um jeweils 20 Uhr. Am 18. November gibt es darüber hinaus die Hommage „Wahrscheinlich kommt wieder kein Schwein“ mit F.W. Bernstein, Bernd Eilert, Pit Knorr, Hans Traxler, Oliver Maria Schmitt und Hans Zippert, die um 20 Uhr im Caricatura Museum für Komische Kunst, Weckmarkt 17, beginnt.

Aus den Beständen Quasts stammt derweil das in der Schau gezeigte Originalkostüm für „Kwast oder Der Narr des Königs“, ein Stück, das Waechter 2003 für ihn schrieb. Zu sehen ist es einschließlich der Requisitenliste: „Dicker Bauch aus Schaumstoff“. Ebenfalls gezeigt: der „Ersatzbommel“ für die Mütze des Hauptdarstellers. Nun liegt er unter Glas. Daran hätte Waechter seine Freude gehabt. Schließlich verwandelte er nicht nur Wörter in Zeichnungen, sondern spielte auch mit Pfeffermühlen.

Öffnungszeiten und Dauer der Ausstellung

Die Ausstellung ist bis zum 2. Januar im „Fenster zur Stadt“ des Restaurants „Margarete“, Braubachstraße 16, zu sehen. Theaterkarten sind unter 069/407662580 und www.adticket.de erhältlich.

 

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Typografie Futura Superstar!

Ikea, Volkswagen und der Regisseur Stanley Kubrick waren Fans von ihr: Wie die Schrift Futura die Welt eroberte, zeigt eine Ausstellung im Museum Angewandte Kunst. Mehr Von Felicitas Rhan

21.04.2016, 13:17 Uhr | Feuilleton
Wächter von oben Adler sollen Drohnen aus dem Weg räumen

Der Adler als Feind der Drohne? So oder so ähnlich sieht es wohl der Niederländer Sjoerd Hoogendoorn, der ein Startup gegründet hat, das auf solch einer Idee basiert. Adler werden so trainiert, dass sie Drohnen als Beute sehen und sie aus dem Weg räumen. Mehr

26.04.2016, 19:09 Uhr | Gesellschaft
Ausstellung The Happy Show Was die Menschen glücklich macht

Im Frankfurter Museum Angewandte Kunst ist von Samstag an Stefan Sagmeister. The Happy Show zu sehen. Es geht um nichts Geringeres als das Glück. Mehr Von Michael Hierholzer

23.04.2016, 14:30 Uhr | Rhein-Main
Letzte Visite Obamas Ankunft in Hannover

Es ist wohl der letzte Besuch Obamas in Deutschland als Präsident. Im November wird ein neues amerikanisches Oberhaupt gewählt. Mehr

24.04.2016, 14:30 Uhr | Politik
Messe Hannover Acht Jahre Arbeit für Obama

Die Zahl der Aussteller aus Amerika hat sich seit 2014 fast verfünffacht. Wie die Messe Hannover jahrelang Klinken putzte und sich auf Einladungslisten mogelte, um Obama zu gewinnen. Mehr Von Reinhard Bingener

24.04.2016, 14:14 Uhr | Politik

Unverzichtbare S-Bahn

Von Hans Riebsamen

Die nordmainische S-Bahn ist für den Ballungsraum Frankfurt unumgänglich. Das Gelingen des Projekts hängt allerdings von Geldern des Bundes ab. Hier ist Wirtschaftsminister Al-Wazir gefragt. Mehr 5

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen