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Zugunglück Aufgewühlter Schotter, kaputtes Blech

 ·  Am Tag danach suchen Polizisten und Techniker auf der Bahnstrecke bei Mühlheim nach Gründen für das rätselhafte Zugunglück.

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Im Tageslicht wirkt alles wie ein verstörendes Stillleben. Klaus Rupp steht an der Unglücksstelle zwischen Mühlheim und Hanau, die genau an seinen Schrebergarten grenzt. Er hat morgens Radio gehört und ist schnell hergekommen, um zu schauen, ob auf seinem Grundstück auch alles in Ordnung ist. Und wie es seinen Tieren geht: Der Rentner hält sieben Ponys und 20 Schafe am Rande der Gleise. Jetzt blickt er auf den Zug und den Bagger: eine in sich verkeilte Einheit aus abgewetztem Blech und zersplittertem Glas.

Der gelbe Bagger steckt noch mitten im Führerhaus des roten Zuges, wie im Schlund einer Schlange, dort muss der Lokführer gesessen haben. Auf der anderen Seite, im Bagger, war ein Bauarbeiter, der beim Aufprall zwischen die Fahrzeuge gequetscht wurde. Beide Männer waren offenbar sofort tot, ebenso wie der zweite Arbeiter, der beim Zusammenstoß von dem Bagger geschleudert wurde.

Zwei Tote werden geborgen

Was in der Unglücksnacht passierte, mit welch zerstörerischer Wucht der Zug auf den Bagger prallte und erst nach 500 Metern zum Stehen kam - all das kann man sich am Mittag danach nur ansatzweise vorstellen. Man kann es vielleicht aber auch am Gesicht von Peter Manthey ablesen. Der Einsatzleiter der Feuerwehren der Stadt Mühlheim sieht müde aus, abgeschlagen, zerfurcht. Um 1.06 Uhr war er aus dem Bett geklingelt worden, etwa zehn Minuten zuvor war das Unglück passiert. Zug und Bagger prallten aufeinander, drei Männer starben, 13 Personen wurden verletzt. 22 Fahrgäste kamen mit dem Schrecken davon.

Zunächst hatten die Feuerwehrleute die Unfallstelle gesichert, wie Manthey berichtet. Die Polizei rückte an, Rettungskräfte kümmerten sich um die Verletzten, transportierten sie in umliegende Krankenhäuser. Etwa 150 Helfer waren im Einsatz. Manthey und sein Team bargen in einem Kraftakt die beiden Toten aus den verkeilten Fahrzeugen. Fast zehn Stunden dauerte das, denn zunächst musste der Zug gesichert werden. Der erste Waggon des Doppeldeckers war nach dem Aufprall entgleist und drohte umzukippen. Ein paar Stunden später halten ihn dicke Streben.

„Es hätte aber noch viel schlimmer kommen können“

Nein, das sei keine angenehme Nacht gewesen, seufzt Manthey am Mittag danach. „Es hätte aber noch viel schlimmer kommen können“, glaubt der Feuerwehrmann. Eine Weiche auf der Fahrbahn - und der gesamte Zug wäre entgleist. Dann hätte es bestimmt noch mehr Tote gegeben. Bald geht der letzte Retter, nach Hause, schlafen. Zurück bleiben die Techniker und die Analysten: Experten der Bundespolizei und der Deutschen Bahn AG, die im Gleisbett nach Antworten auf die Frage suchen, wie es zu dem Zugunglück auf der Strecke kam. Dabei inspizieren sie jeden der 500 Meter Unfallstrecke. Sie blicken auf aufgewühlten Schotter und eingeschlagene Fensterscheiben.

Was sie zusammentragen, wird in den nächsten Tagen ausgewertet, um zu klären, wo die Schuld am Unglück liegt: bei der Bahn, der Baufirma, dem Zugführer, den Arbeitern? Unterdessen warten Unfallhelfer der Bahn auf den speziellen Kran aus dem nordrhein-westfälischen Wanne-Eickel, der den Zug vom Gleis heben soll. Am Wochenende solle die Strecke wieder befahrbar sein, sagt ein Bahnsprecher. Klaus Rupp steht an der Pforte seines Schrebergartens und ist erleichtert, dass seine Tiere die Nacht gut überstanden haben. Auch wenn sie sich anders verhalten als sonst zu dieser Tageszeit: Am Mittag nach der Unglücksnacht liegen die sieben Ponys und alle 20 Schafe im Stall und schlafen. Auch sie hatten wohl mitgelitten.

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