Zehn Jahre stellen gemeinhin kein richtiges Jubiläum dar - doch in der noch jungen Internetbranche gilt diese Regel nicht. Und so haben die Zöllner in Bad Hersfeld, die 2002 eine Auktionsplattform ins Netz stellten, in diesen Tagen etwas zu feiern. Dies auch deshalb, weil sie, inspiriert vom Branchenriesen Ebay, inzwischen Vorbild für andere Behörden sind. Zumindest beansprucht der Zoll diese Rolle für sich, wie ein Sprecher des Hauptzollamts in Gießen sagt. Dessen sogenannte Verwertungsstelle befindet sich in der nordosthessischen Kur- und Festspielstadt Bad Hersfeld und kümmert sich um die Seite www.zoll-auktion.de.
Diese Plattform funktioniert, ebenso wie www.justiz-auktion.de, im Grunde wie Ebay: Es wird Ware versteigert, von Antiquitäten über Bekleidung und Schmuck bis hin zu Autos oder Medizintechnik. Mitbieten kann fast jeder, der sich mit den üblichen Angaben registriert. Zu ersteigern sind Dinge, die Zollbeamte in ihrer Rolle als Gerichtsvollzieher des Bundes gepfändet oder beschlagnahmt haben, wie ein Sprecher erläutert.
Früher gab es Freiluftversteigerungen
In diesen Tagen sind das zum Beispiel Luxus-Damenuhren von Gucci (Startpreis 1200 Euro, ungetragen) und Jaeger-LeCoultre (Startpreis 3500 Euro, getragen) ebenso wie eine Kleinbildkamera der Marke Olympus Zoom 105 (Startpreis 5 Euro, gebraucht), ein Diaprojektor von Leitz Wetzlar (Startpreis 80 Euro, gebraucht) oder auch ein 140 Jahre altes Klavier, gebaut von Carl Hardt in Stuttgart (Startpreis 20 Euro). Wer sich bei der Energieerzeugung von Zulieferern unabhängiger machen will und das nötige Geld hat, kann sogar für ein Blockheizkraftwerk vom Typ Mephisto G34 bieten (Startpreis 14.800 Euro).
Bevor die Zöllner mit ihrer Plattform online gingen, luden sie einmal im Monat oder einmal im Quartal zu einer Freiluftversteigerung ein. Sie bauten dazu im Hof des Zollamts in Bad Hersfeld oder auch in Frankfurt die entsprechende Ware auf und warteten auf Käufer. Zumeist kamen Interessenten, die tagsüber recht viel freie Zeit hatten: Studenten, Rentner und Kneipiers. „Die Gastwirte ersteigerten sich billig Schnaps, Studenten schauten nach Schnäppchen, und bei den Rentnern handelte es sich meistens um Sammler, die sich etwa nach Uhren umschauten“, berichtet der Sprecher. Anders als im Fall von Online-Auktionen blieb die Zahl der Bieter somit überschaubar und jede Versteigerung auf einige Stunden begrenzt. Die Erfahrung lehrt auch: Je niedriger die Zahl der Bieter, desto geringer ist tendenziell der Erlös.
Ein Maserati Cambiocorsa ist auch dabei
Mit www.zoll-auktion.de schlägt der Zoll folglich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Zudem ist diese Plattform nicht nur eine für Zöllner. Vielmehr nennt sie sich längst „das virtuelle Auktionshaus von Bund, Ländern und Gemeinden“. Rund 2250 Behörden aus ganz Deutschland nutzen diese Plattform. Sie bieten längst nicht nur gepfändete oder beschlagnahmte Ware an. Nicht zuletzt ist ausrangiertes Verwaltungsgut darunter: alte Rechner, betagte Schreibtische und Kopierer - „im Netz findet sich für alles ein Liebhaber“.
Auf dieser Plattform versteigert der Zoll auch Dienstwagen, die er gegen neue auswechselt. Hin und wieder lohnt sich auch für Landwirte und andere Tierhalter ein Blick auf www.zoll-auktion.de: Neulich wechselten dort 30 Heuballen den Besitzer. Betuchte Freunde des Maritimen könnten sich mit einem elf Meter langen ausrangierten Streifenboot der Wasserschutzpolizei von Schleswig-Holstein (Baujahr 1988, Startpreis 20.000 Euro) anfreunden. Mit der Vielfalt der Angebote spielt die Auktionsplattform erkleckliche Summen ein. Der Sprecher des Hauptzollamts beziffert den Jahresumsatz 2011 auf 64 Millionen Euro, der mit 42282 Auktionen eingespielt wurde. „Jahr für Jahr werden die Zahlen besser“, hebt er hervor. 2010 erlöste www.zoll-auktion.de