Im Londoner Olympia-Zirkus haben sich die Leute am Freitagabend gefragt, wer wohl die Flamme entzündet. Im Frankfurter Zirkus wollte zur gleichen Zeit der kleine Christoph wissen: Wer bekommt die Torte ins Gesicht? Er wartete vergeblich darauf. Denn für Carl Busch gilt zwar noch der klassische Dreiklang der Zirkuswelt - Tiere, Artisten, Clownerien -, mit klebrigem Klamauk aber wird das Publikum verschont. „Auf Tortenscherze verzichten wir, obwohl viele neue Besucher komischerweise so etwas erwarten“, sagt Zirkusmanager Reto Hütter.
Bei der neuen Show kann man sogar von einem Vierklang sprechen, denn in das Programm ist auch Gesang eingebaut. Fehlt eigentlich nur noch das Zirkusorchester. Aber diesen Luxus können sich heutzutage nur noch wenige in der Branche leisten. Dabei zählt das Unternehmen Carl Busch aus Dürrwangen-Haslach inzwischen zu den Größten im Zirkusgeschäft, was aber nicht mehr besonders schwierig ist, denn in dieser Liga spielen in Deutschland nur noch Krone, Roncalli und Charles Knie.
Gute Abwechslung der Nummern
Es riecht nach Sägemehl im Zelt am Ratsweg. So soll es sein im klassischen Zirkus. „Wir möchten keine sterile Show“, sagt Hütter. Manche Kinder hätten im Zirkus das erste Mal Kontakt mit Tieren.
Für jeden etwas: Nach diesem Motto ist das Programm zusammengestellt. In der Tat dürfte die Show fast alle Schichten und Altersgruppen ansprechen. Obwohl Carl Busch ein Traditionszirkus und schon mehr als 100Jahre alt ist, sind Bewährtes und Neues im aktuellen Programm gemischt. Die Pferdenummer der Juniorchefin Natascha Wille-Busch hat den Frankfurter Besuchern schon bei früheren Gastspielen gefallen. Bei der Premiere am Freitag liefen sechs edle Araber auf, wahlweise arbeitet die Dompteuse auch mit Friesen. Ebenfalls schön anzuschauen ist die Karawane der Kamele. Menschen, Tiere, Sensationen - diesen Anspruch erfüllt der Zirkus Carl Busch: Menschen wie Carlo, der „stärkste Mensch der Welt“, Tiere wie die Elefanten von Manuel Wille-Busch und Sensationen wie die Akrobatik von Alexandra Gerbej, die während ihrer luftigen Turnerei mit einem Seidentuch auch noch eine Opern-Arie singt.
Eine gute Abwechslung der Nummern sorgt dafür, dass die Zuschauer, in erster Linie Familien mit Kindern, gebannt zuschaut und am Ende frenetisch Beifall spendet. Am meisten aber freuen sich viele Besucher darüber, dass es bei Carl Busch noch echte Clowns gibt. Keine modischen Comedy-Kasper, sondern Musikclowns, die mit Witz und Ironie das Publikum einbeziehen. Ganz ohne Flugobjekte kommen sie aber auch nicht aus: Statt mit Torten werfen sie mit Tellern.
Elefanten im Zirkus bedeutet Tierquälerei
Peter Höffken (PeterHoeffken)
- 29.07.2012, 20:13 Uhr