12.05.2011 · 60 Jahre Kuren vom Müttergenesungswerk
"Kinder sind die Zukunft unseres Landes." Dieser Satz ist Anneliese Stöhr sehr wichtig. Er stammt von Elly Heuss-Knapp, der Frau des ersten Bundespräsidenten, die 1950 das Müttergenesungswerk gegründet hat. Stöhr hat sich rund 33 Jahre lang für das Werk engagiert und Spenden gesammelt. Aber das sei nebensächlich, sagt die resolute 85 Jahre alte Frankfurterin. Es gehe nicht um sie, was zählt, sei die Sache - das Müttergenesungswerk, die Unterstützung von kranken Müttern und ihren Kindern. Ihre Augen funkeln, wenn sie davon erzählt. Man kann sich gut vorstellen, wie sie die Menschen zum Spenden gebracht hat.
In der Nachkriegszeit wurden vor allem die sogenannten Trümmerfrauen zu Mutter-Kind-Kuren geschickt. "Dort konnten sie Kraft schöpfen und ihre körperlichen und psychosomatischen Krankheiten heilen", sagt Stöhr.
Die wenigsten der heutigen Mütter haben Krieg erlebt, krank werden viele trotzdem. Ein großer Teil von ihnen ist alleinerziehend und berufstätig, manche pflegen Verwandte, haben kranke Kinder. Irgendwann wird die Belastung zu groß. Anträge werden von den gesetzlichen Krankenkassen jedoch vermehrt abgelehnt, wie das hessische Sozialministerium mitteilt. 2009 waren es in Hessen 23 Prozent.
Heute findet ein Festakt im Kaisersaal statt, mit dem das sechzigjährige Bestehen des Frankfurter Ortsausschusses für das Müttergenesungswerk gefeiert wird. Seit 1951 koordiniert der Ausschuss die Arbeit von Caritas, Diakonie, Arbeiterwohlfahrt und dem Deutschen Roten Kreuz. Diese Organisationen beraten Mütter, die eine Kur beantragen möchten. "Therapeutische Kette" wird die Beratung genannt, die aus Vorgesprächen, Kurvorbereitung und Nachsorge besteht. Bei dem Festakt wird Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) sprechen, sie ist Ehrenvorsitzende des Ortsausschusses.
Auch Anneliese Stöhr wird heute im Kaisersaal sein. Sie hat 1978 damit begonnen, für das Müttergenesungswerk zu sammeln. "Die Sammlung von Spenden war oberstes Gebot, von nichts kommt nichts", sagt sie, während sie im Wohnzimmer ihres Appartements im Wohnstift die vielen vergilbten Zeitungsartikel über Benefizveranstaltungen durchblättert. Margarethe Wallmann, Ehefrau des damaligen Oberbürgermeisters Walter Wallmann, ist auf vielen Fotos abgebildet.
Sie war zu der Zeit Ehrenvorsitzende des Müttergenesungswerkes in Frankfurt und brachte Stöhr dazu, auch zu sammeln. Jeden Muttertag schrieb sie zahlreiche Menschen und Firmen an, auch Straßensammlungen, Konzerte und Basare haben die Ehrendamen, wie die Sammlerinnen genannt werden, organisiert. Nach Angaben von Liane Giehl von der Caritas gibt es heute noch zwei aktive ehrenamtliche Spendensammlerinnen in Frankfurt: "Es fehlt leider der Nachwuchs." Anneliese Stöhr findet das traurig. Es sei doch mit das Wichtigste im Leben, "ein Herz für andere zu haben".
degl.