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Yoko Ono in Frankfurt Eine schöne Welt

Das Interesse ist gewaltig, viele wollen Yoko Ono sehen. Die Künstlerin und Musikerin ist am Donnerstag bei einer Performance im Dominikanerkloster zu sehen gewesen. In der Schirn eröffnete sie zudem eine Retrospektive ihres Werkes.

© Röth, Frank Vergrößern Nicht ohne Sonnenbrille: Yoko Ono, die am 18. Februar 80 Jahre alt wird, vor einem Ausstellungsplakat in der Schirn. Es zeigt sie in einem Film von 1981.

Liebeserklärungen

Alte Beatles-Fans scheinen Paul McCartney zu glauben. Kürzlich erst hatte er noch einmal öffentlich betont, dass die „Fab Four“ sich aus eigener Kraft zugrunde gerichtet hätten und Yoko Ono keine Schuld daran trage. Kein Mensch jedenfalls scheint ihr mehr gram zu sein. Im Gegenteil. John Lennons Witwe ist heute selbst Pop-Star. Deswegen schien sich am Mittwochabend auch kaum jemand, der je eine Beatles-Platte besessen hat, ihre Performance im Frankfurter Dominikanerkloster entgehen lassen zu wollen. Karten waren im Nu ausverkauft gewesen und wurden zum Schluss zu Schwarzmarktpreisen im Internet gehandelt.

Am Tag vor der Eröffnung von Yoko Onos großer Ausstellung in der Schirn Kunsthalle und fünf Tage vor ihrem 80. Geburtstag am 18. Februar galt der kaum zu bewältigende Ansturm zunächst ihrem auf das Jahr 1965 zu datierenden „Sky Piece to Jesus Christ“, das sich auf John Cages Initialen und damit auf ihn selbst bezieht. Dafür wurden Mitglieder der Jungen Deutschen Philharmonie während ihres klassischen Spiels diesmal aber nicht von der Fluxus-Heldin, Konzept- und Minimalismus-Pionierin, sondern von Helferinnen mit Mullbinden umwickelt, bis ein Musizieren nicht mehr möglich war und die Musiker verpackt wie Mumien und teilweise miteinander verbunden die Bühne verließen. Über körperliche Fesseln ist der Geist erhaben, stand dabei im Raum.

Wie hat sie John Lennon kennengelernt?

Zierlich, in ihrer schwarzen Designer-Uniform aus Blazer, Hut und einer Sonnenbrille, die die Hälfte eines dennoch erkennbar alterslosen Gesichts verdeckte, trat dann aber auch Yoko Ono buchstäblich in Aktion. Mit dickem Pinsel, schwarzer Farbe und eckigen Bewegungen komponierte sie sekundenschnell so zarte wie kraftvolle Zeichen auf eine weiße Stellwand: kalligraphisches Action-Painting.

Keine Frage, dass während des nur einstündigen „Evening with Yoko Ono“ auch John Lennon irgendwie dabei war. Seine Witwe selbst vermied es nicht, in ihren märchenhaften Erzählungen hier und da wie beiläufig seinen Namen zu erwähnen, und ließ sich später bereitwillig fragen, wie sich eines der berühmtesten Paare der neueren Kulturgeschichte denn kennengelernt habe. Wie offenbar alles in Yoko Onos Leben sei auch dies eine Fügung des Himmels gewesen, antwortete sie standesgemäß. Das Gespräch mit ihren Anhängern war schließlich Teil einer Performance und keine simple Fragerunde. Dabei wurde aber auch klar, dass der überwältigende Zulauf nicht etwa heimlich dem Geiste John Lennons galt, sondern Yoko Ono längst selbst eine Lichtgestalt ist. Über Mikrofon und vor Zuschauern gestand man ihr mehrfach die Liebe, richtete Grüße von Freunden aus und bat einmal sogar um Berührung. Umgekehrt bedachte sie ihr Publikum mit universellen Lebensmotti: „Wer nicht gibt, wird krank“, lautet eines davon. Und dass Glück und Unglück Fragen der inneren Einstellung sind, scheint sich für sie ohnehin von selbst zu verstehen.

Partizipation des Publikums auch zum guten Schluss: Von den Scherben eines zerschlagenen Tontopfes durfte sich jeder eine mitnehmen. Unter der Auflage allerdings, sie zu einem nächsten Treffen mitzubringen. In zehn Jahren. Wenn der Himmel, das Schicksal und alles, was sich dazwischen denken lässt, es so wollen.

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