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Wohnungssuche : Ein Blick aufs Schwarze Brett lohnt sich immer noch

  • Aktualisiert am

Hier sollen bald Studenten einziehen: das ehemalige Schwesterwohnheim in Frankfurt-Niederrad. Bild: Röth, Frank

Früh auf die Suche gehen, flexibel sein, Verträge genau prüfen: Tipps für Studienanfänger, die eine Wohnung brauchen.

          Ein herzliches Willkommen sieht anders aus. „Unsere WG ist keine Partylocation für Erstsemester“, heißt es in einer Anzeige im Internetportal wg-gesucht.de. Studienanfänger sind keine beliebten Mieter, wie es scheint - weil man sie, mal mit Recht, mal nicht, für unreif oder unzuverlässig hält. Umso schwerer ist es für sie, auf dem angespannten Wohnungsmarkt im Rhein-Main-Gebiet etwas Passendes zu finden.

          Die Sprecherin des Frankfurter Studentenwerks rät deshalb, so früh wie möglich mit der Suche zu beginnen. „Am besten sofort, wenn der Studienplatzbescheid eingetroffen ist.“ Dennoch gebe es für Studienanfänger derzeit kaum eine Chance, zum Wintersemester einen Wohnheimplatz zu ergattern. Von etwa 1900 vorhandenen Plätzen würden nur 300 bis 400 zum Wintersemester frei. Wenn sich Studierende auf die Warteliste setzen ließen, dauere es drei bis sechs Monate, bis sie einen Platz bekämen. Aber es gebe „Licht am Ende des Tunnels“, sagt die Sprecherin. Die Landesregierung habe gerade ein Programm aufgelegt, mit dem 2000 zusätzliche Plätze für Studenten geschaffen werden sollen.

          Bei Freunden oder Bekannten unterkommen

          Allen, die im Raum Frankfurt studieren wollen und eine Bleibe brauchen, empfiehlt das Studentenwerk einen Blick auf seine Internetseite www.wohnraum-gesucht.de. Dort können Wohnungseigentümer Zimmer anbieten. „Wir richten uns an alle privaten Vermieter“, sagt die Sprecherin. „Beispielsweise an Eltern, deren Kinder zum Studieren ausgezogen sind.“ Aktuell stehen etwa 100 Angebote auf der Seite. Wenn es nach dem Studentenwerk geht, werden es bis zum Semesterbeginn am 14. Oktober mehrere Hundert sein.

          Wer in ein Apartment oder ein WG-Zimmer ziehen wolle, solle am Stadtrand oder in den Nachbargemeinden von Frankfurt suchen, rät die Sprecherin. Auch eine Wohnung zur Zwischenmiete oder eine vorübergehende Unterkunft bei Verwandten oder Freunden sollten Studienanfänger in Erwägung ziehen. Und wessen Eltern in der Nähe wohnen, der solle erst einmal zu Hause bleiben. Wer einige Zeit in Frankfurt studiert habe, kenne die Stadt schon besser und habe es leichter, eine Unterkunft auf Dauer zu finden. Der AStA der Frankfurter Universität organisiert eine Woche vor Beginn der Vorlesungszeit eine Wohnungsvermittlung. Vom 7. Oktober an können bis zu 50 Erstsemester, die noch keine Bleibe gefunden haben, an der „Mieten-ja-wat-denn“-Aktion teilnehmen. Sie beziehen zunächst das Studierendenhaus auf dem Campus Bockenheim, in dem auch die Studentenvertreter ihre Büros haben. Der AStA versucht dann, Wohnungsangebote an die Erstsemester weiterzuleiten oder Schlafplätze zu vermitteln. „Wir sind keine Wohnraumagentur“, betont Armin Bernsee, Referent für Hochschulpolitik. Das Programm sei aus der Not geboren. Nach seiner Auffassung verspricht am ehesten die Suche auf herkömmlichen Internetseiten wie www.studenten-wg.de Erfolg. Auch die Facebook-Gruppe „Wohnen in Frankfurt“ sammele Wohnungsangebote. Immer zu empfehlen sei ein Blick auf die Schwarzen Bretter der Universität.

          Wohnpartnerschaften zwischen Studenten und Senioren

          Wer schließlich eine Wohnung oder ein WG-Zimmer gefunden hat, sieht sich oft mit dem Wunsch nach einer Kaution konfrontiert,wie der Jurist Dietmar Wall vom Deutschen Mieterbund weiß. Weil Studenten aber oft nicht genug Geld hätten, um drei Monats-Kaltmieten vorzulegen, verzichte der Vermieter manchmal darauf. Stattdessen sei eine Elternbürgschaft möglich. Zusätzlich müssen Studierende darauf achten, ob sie den Vertrag als gleichberechtigte Hauptmieter oder als Untermieter unterzeichnen. Wenn alle WG-Bewohner als Mieter eingetragen seien, könne man als Einzelner nicht kündigen. Der Vermieter müsse erst den ganzen Vertrag auflösen. Mieter sollten nach Ansicht Walls eine Klausel vereinbaren, die es gestatte, einzelne WG-Mitglieder ohne das Einverständnis des Vermieters auszutauschen.

          Wer auch für unkonventionelle Lösungen offen ist, kann sich für das Projekt des Frankfurter Bürgerinstituts mit dem Titel „Wohnen für Hilfe“ bewerben. Der gemeinnützige Verein vermittelt Wohnpartnerschaften zwischen Studenten und Senioren. Die Älteren müssen ein Einzelzimmer im eigenen Haus zur Verfügung stellen und dürfen nicht pflegebedürftig sein. Der Student, der dort einzieht, muss monatlich je Quadratmeter Wohnfläche eine Stunde soziale Arbeit übernehmen. Eine Raummiete entfällt. An den laufenden Kosten wie Strom oder Abwasser muss sich der studentische Mitbewohner beteiligen. Die Aufgaben werden vertraglich geregelt und reichen vom regelmäßigen Vorlesen, Gartenarbeit, Einkaufen oder Ausführen des Hundes bis zum gemeinsamen Musizieren, wie die Vereinsvorsitzende Petra Becher berichtet.

          Seit 2004 hat das Bürgerinstitut mehr als 100 Partnerschaften vermittelt. Derzeit bestehen etwa 70 Wohngemeinschaften. Studenten, die für das Projekt in Frage kommen wollen, müssen ernsthaftes Interesse und Einfühlungsvermögen zeigen. Laut Becher gibt es viele Anfragen. „Wir arbeiten daran, noch mehr Senioren auf das Projekt aufmerksam zu machen.“

          Quelle: F.A.Z.

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