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Veröffentlicht: 17.05.2017, 13:25 Uhr

Bier plus Ebbelwei Zwei Unvereinbare ins Gerippte

Die Binding-Brauerei kippt neuerdings Bier und Ebbelwei zusammen. Klingt komisch. Allerdings haben die Frankfurter mit ungewohnten Mixgetränken schon viel Erfolg.

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© Helmut Fricke Gerippt und matt lackiert: Binding-Bembel-Dose mit Bier, Ebbelwei und Apfelsaft innendrin

Mit Bier und Ebbelwei verhält es sich gemeinhin wie mit Eintracht Frankfurt und Kickers Offenbach: Die Sympathien sind klar verteilt. Der Biertrinker greift ab und an auch mal zum Stöffche im Gerippten, bleibt aber meist beim Pilsner, Export oder Weizen. Umgekehrt gilt das Gleiche. Wobei: Die Puristen haben Federn lassen müssen. Hebt auch der Liebhaber des puren Ebbelwei zu Wehgeschrei an, wenn jemand mit Limo das Getränk entweiht – den Süßgespritzten schafft das nicht mehr aus der Welt. Mag den Bierliebhaber mit kaltem Grausen erfüllen, wenn Cola die weiße Krone verunreinigt: „Diesel“ ist nicht zuletzt unter jungen Leuten beliebt. Und Zeitzeugen können sich noch gut an den Moment erinnern, in dem Ulrich Kallmeyer, der damalige Chef der Binding-Mutter Radeberger, während einer Bilanzpressekonferenz eine Flasche Schöfferhofer Grapefruit an die Lippen setze.

Thorsten Winter Folgen:

„Kannste net trinken, das Zeuch“, raunte ein Beobachter. Er war längst nicht der Einzige, der die Flaschen mit orangefarbenem Etikett schräg anschaute. Zehn Jahre ist das jetzt her. Die Nörgler sind längst widerlegt – und Binding holt zu einem neuen Schlag aus.

Eine fruchtige Melange

Womit wieder Bier und Ebbelwei ins Spiel kommen. Binding füllt Bier zwar weiter auch in Longneck-Flaschen ab, jedoch seit neuestem auch ins Gerippte. Das heißt: in eine Spielart desselben – die gerippte Bierdose. Bei der neuen Kreation laufen außer Bier (60 Prozent) auch – Biertrinker, bitte stark sein – Ebbelwei (25 Prozent) und Apfelsaft aus Konzentrat (15 Prozent) in den Blechzylinder, der silbrig-matt lackiert ist und deshalb nicht so durch die Hand flutscht wie eine ordinäre Bierdose. Binding Bembel heißt die neue Sorte. Kann man schon drauf kommen, auf diesen Namen.

Zur Verkostung kommt der Tipp aus der Binding-Zentrale, die Dose vor dem Öffnen gut zu kühlen. Und die Kernfrage, wie das Gemisch mit 4,3 Prozent Alkohol nun schmeckt: Es schmeckt frisch. „So etwa wie Alster“, meinte ein Tester postwendend. „Nicht Fisch, nicht Fleisch“, ein anderer, der sich jedoch als Purist outet. „Gibt Schlimmeres“, sagte ein Dritter angesichts der fruchtigen Melange aus Apfelnote und Hopfenbittere.

Die Brauer vom Sachsenhäuser Berg preisen ihr neuestes Produkt als Sommer-Getränk an. Könnte klappen. Immerhin ist es originell.

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