Für Eckhard Rose hat die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank seit gestern einen greifbaren Vorteil. Der Rentner aus Liederbach muss nicht mehr bis nach Frankfurt-Höchst fahren, wenn er mal größere Geldsummen abheben oder Wertpapiergeschäfte machen will, sondern kann dies nun auch in seiner eigenen Commerzbankfiliale in Kelkheim machen. Denn die neue Zweigstelle der Bank hat, anders als die bisherige, wieder eine Kasse mit einem Kassierer. „Jetzt ist es wieder eine richtige Bank“, sagte Rose, als er sich die neuen Geschäftsräume zum ersten Mal ansah.
An der Frankfurter Straße hat die Commerzbank am Montag eine ihrer drei ersten mit der Dresdner Bank zusammengelegten Zweigstellen eröffnet. 13 Berater kümmern sich hier fortan um die nunmehr 7.000 Kunden. „Wir sind jetzt der Platzhirsch in Kelkheim“, sagte Joachim Müller, Regionalvorstand Süd der Bank, als er die ersten Besucher in der neuen Geschäftsstelle begrüßte.
Vom Konkurrenten zum Kollegen
Durch die neue Größe könne man mehr Spezialisten zu unterschiedlichen Themen bereithalten, die Öffnungszeiten hätten sich auch ein wenig verlängert, sagte Müller. Im Filialbetrieb komme es vor allem darauf an, wer die beste Beratung biete. Dafür sei die Commerzbank in Kelkheim nun bestens aufgestellt. Die Stadt ist neben Dortmund-Hörde und Einbeck einer der Pilotstandorte, an denen das Kreditinstitut die Integration der Dresdner Bank sozusagen am Kunden ausprobiert. Hier will man vor allem Erfahrungen sammeln, die genutzt werden können, wenn Mitte 2010 an 400 weiteren deutschen Standorten Filialen zusammengelegt werden.
Mit Workshops hat man vor der Eröffnung versucht, die Mitarbeiter der beiden Häuser einander vorzustellen, aus den einstigen Konkurrenten Kollegen zu machen, und man hat zusammen überlegt, welche Fragen zur neuen Commerzbank die Kunden wohl bewegen. „Aber welche Herausforderungen die Zusammenlegung wirklich bringen wird, das können wir erst im Tagesgeschäft wirklich feststellen“, sagte Werner Braun, der in der Gebietsfiliale Frankfurt für das Privatkundengeschäft zuständig ist.
Grüne oder gelbe Namensschilder
Erst einmal bestehen die beiden Banken aber doch noch – wenn auch nun unter einem Dach. Die Kunden gehen zwar alle durch die gleiche Tür, aber schon im Eingangsraum gibt es links eine gelbe Ecke, in denen der Geldautomat und der Kontoauszugsdrucker für die Commerzbankkunden steht. Rechts wiederum können sich die Kunden der Dresdner Bank bedienen. Für die Ersten, die das am Eröffnungstag machen wollten, war das noch etwas verwirrend. „Sie haben eine grüne Karte, Sie müssen an den Automaten von der Dresdner Bank gehen“, mussten die Service-Damen immer wieder sagen.
Und auch weiter hinten in der Filiale geht die Zweiteilung weiter. Auf den Tischen der Berater stehen noch jeweils grüne oder gelbe Namensschilder, Naomi Koch von der Dresdner Bank sitzt vor Andreas Klar von der Commerzbank. Wer Kunde des einen Hauses ist, kann vorerst auch nur von den Beratern dieses Hauses bedient werden.
Computersysteme noch nicht abgestimmt
Zum einen will man damit die Kontinuität sicherstellen, wie Regionalvorstand Müller sagte. Die Kunden der Dresdner Bank sollen sich nicht fühlen, als hätten sie zwangsweise ihr Kreditinstitut gewechselt, wenn sie plötzlich von einem neuen Ansprechpartner bedient werden. Zum anderen aber sind die Computersysteme noch nicht aufeinander abgestimmt. Dieser Prozess soll erst Mitte nächsten Jahres abgeschlossen sein. „Wir sind durch die Technik noch getrennt“, sagte Markus Böhm. Der Leiter der ehemaligen Dresdner-Bank-Zweigstelle, die nur wenige Meter die Frankfurter Straße hinunter lag, führt nun vorerst gemeinsam mit seinem Pendant von der Commerzbank, Rene Koch, die neue Filiale. Böhm zeigte sich erleichtert, dass nach einem halben Jahr der Vorbereitung der Geschäftsbetrieb endlich losgeht. Und noch etwas ist ihm wichtig: „Dass ich alle Mitarbeiter in die neue Filiale mitnehmen konnte, ist ein gutes Gefühl.“

