Hessen ist nach den neuesten Forschungsergebnissen des Instituts der deutschen Wirtschaft nur Mittelmaß - bei der Wirtschaftsentwicklung ebenso wie in der Bildung.
Das Kölner Institut stellte gestern eine Untersuchung vor, nach der sich das Bundesland in der wirtschaftlichen Dynamik in den vergangenen Jahren von elf anderen Ländern hat überholen lassen, darunter sämtlichen Nachbarländern, also Rheinland-Pfalz, Thüringen, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Nur Bremen, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern schnitten noch schlechter ab.
Hohe Wirtschaftskraft
Allerdings: Auch wenn die wirtschaftliche Entwicklung Hessens von 2002 bis 2004 unter dem Durchschnitt lag - das Bundesland zählt nach wie vor zu den Stärksten in Deutschland. In der Wirtschaftskraft rangiert es in der Untersuchung des arbeitgebernahen Instituts nach Bayern und Baden-Württemberg auf Platz drei, gefolgt von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.
Setzt man den Bundesdurchschnitt gleich 100, so liegt Bayern bei 131, Hessen bei 125 und das Schlußlicht unter den Flächenstaaten, Mecklenburg-Vorpommern, bei 66. Alles in allem, so heißt es in der Untersuchung, klafft nach wie vor eine Lücke zwischen der Entwicklung im Westen und im Osten Deutschlands - mit einer Ausnahme: Sachsen, das beim Index auf 83 kommt.
Auch in einer zweiten Studie, die das Institut der deutschen Wirtschaft gestern vorlegte, landete Hessen nicht auf einem der vorderen Plätze. Für ihren „Bildungsmonitor“ verglichen die Wissenschaftler zum einen die Ausbildungsqualität, zum anderen die von der öffentlichen Hand bereitgestellten Mittel. Für das erste Kriterium wurde unter anderem untersucht, wie viele Schüler an einem Gymnasium 2001 auf einen Lehrer kamen, wie die Schüler beim Pisa-Test in Mathematik abschnitten und wie viele Grundschüler eine Fremdsprache lernen.
Bundesländer tun „zuwenig“
Beim zweiten Kriterium ging es zum Beispiel darum, wie hoch die Bildungsausgaben je Grundschüler und je Student waren, jeweils im Verhältnis zu den Gesamtausgaben aller öffentlichen Haushalte, und wieviel in die Hochschulen investiert wurde. „Vier gewinnt“ überschrieben die Kölner das Ergebnis ihrer Studie, nach der Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Thüringen das Spitzenquartett in Deutschland bilden. Hessen folgt auf Platz sieben, Rheinland-Pfalz auf dem zehnten Platz.
„Eine sehr große Zahl von Bundesländern mit ansonsten durchschnittlichem Bildungssystem tut zuwenig für die technologische Leistungsfähigkeit der Regionen“, urteilen die Wissenschaftler. „Diese Schwachstellen finden sich in Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Rheinland-Pfalz und Brandenburg. Es gibt vor allem zuwenig Hochschulabsolventen mit Abschlüssen in Mathematik, Informatik, Natur- oder Ingenieurwissenschaften.“
Stärkere Schwankungen
Die Kölner liefern in ihren beiden Studien keine weiter gehenden Analysen. Die Schwäche der Wirtschaftsentwicklung Hessens in den vergangenen Jahren wird in der Regel als umgekehrter Pendelschlag nach dem Aufschwung Ende der neunziger Jahre in der Dienstleistungsbranche gedeutet. Die Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen, Gertrud Traud, sagte vor kurzem, diese Branche unterliege generell stärkeren Schwankungen.
Betrachte man die Entwicklung über längere Zeit, so liege das wirtschaftliche Wachstums Hessens über dem Bundesdurchschnitt. In diesem Jahr werde das Wachstums des Bruttoinlandsprodukts wieder im Bundesschnitt liegen, vielleicht sogar darüber. Im vergangenen Jahr hatte das Wachstum nach den bisher vorliegenden Zahlen in Hessen mit 0,8 Prozent um 0,1 Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt gelegen.

