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Werbemarkt im Internet Die Konkurrenz ist nur einen Klick entfernt

22.03.2010 ·  Wenn Unternehmen sich im Internet präsentieren wollen, reicht die schnöde Homepage längst nicht mehr. Denn der Werbemarkt im Internet boomt. Frankfurter Agenturen profitieren davon.

Von Tim Kanning, Frankfurt
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Eierwärmer mit Swarovski-Steinchen – was gibt es Schöneres für die Ostertafel? Zumindest die 3200 Fans, die sich bisher auf der Internetseite des Tiroler Kristallverfeinerers registriert haben, dürften die Bastelanleitung mit Begeisterung herunterladen. Im angrenzenden Forum können die Swarovski-Freunde dann gleich ihre Erfahrungen beim Nähen und Kleben austauschen, eigene Kreationen zeigen und die von anderen bewerten und kommentieren.

Wenn Unternehmen sich im Internet präsentieren wollen, reicht die schnöde Homepage längst nicht mehr. Es müssen schon virtuelle Erlebniswelten wie „Create your Style“ von Swarovski sein, um den Kunden an die Marke zu binden. Entwickelt wurde die Seite von der Internetagentur Blue Mars, die in der realen Welt nahe dem Hessischen Rundfunk in Frankfurt sitzt. Tobias Kirchhofer hat das Unternehmen 1997 gegründet, inzwischen beschäftigen er und sein Mitgeschäftsführer Frank Auth 30 Mitarbeiter und machen nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von drei Millionen Euro. Derzeit suchen sie nach einem neuen Standort in Frankfurt – sie brauchen mehr Platz.

Ein schönes Erlebnis

Die Agentur konzentriert sich auf ein Segment des Werbemarktes, das seit einigen Jahren rasant wächst und dem auch die Krise wenig zusetzen konnte. 2007 lagen die Umsätze im Online-Werbemarkt bei 2,9 Milliarden Euro, 2009 nach Zahlen des Bundesverbands Digitale Wirtschaft schon bei 4,1 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr sagt der Verband nochmals eine Steigerung um rund 500 Millionen Euro voraus. Denn viele Unternehmen sind bisher wenig im Netz präsent, der Nachholbedarf ist groß. Damit gehört die Sparte zu den dynamischsten Segmenten der Kreativwirtschaft, um die sich die Stadt Frankfurt und ihr Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) seit einiger Zeit kräftig bemühen.

Für Kirchhofer, dessen Agentur etwa den Online-Auftritt von Vodafone und den Stromtarif-Shop von Entega entworfen hat, ist der Auftrag klar: „Der Kunde muss ein schönes Erlebnis auf der Seite haben. Wenn er ein schlechtes, langweiliges Erlebnis hat, klickt er am Ende auch nicht auf Kaufen.“ Und die Ansprüche wachsen stetig, denn die Konkurrenz ist nur einen Klick entfernt.

Auch im Krisenjahr erfolgreich

Für Audi kümmert sich die Bockenheimer Agentur Neue Digitale um den gesamten digitalen Auftritt. Jüngstes Großprojekt: die Vermarktung des Kleinwagens A1. Auf der Homepage von Audi können die Besucher sich ihr eigenes Auto gestalten, zwischen unzähligen Farben, Felgen und Aufdrucken wählen. Damit die Hobby-Designer ihre Kunstwerke gleich präsentieren können, haben die Kreativen von Neue Digitale eine eigene Seite für den A1 im sozialen Netzwerk Facebook eingerichtet. Nutzerin Irina Ducan freut sich hier über ihren pinkfarbenen Bubble-Gum-A1 – was auch gleich via Twitter verbreitet wird. Was dem einen ein Spiel, führt den anderen zu den Produktinformationen. Wer Genaueres über die schicken Frontscheinwerfer wissen will, kann ein Video öffnen, in dem Audi-Lichtdesigner André Georgi sein Fachwissen preisgibt.

Andreas Gahlert hat die Neue Digitale 1996 gegründet und sie 2006 an das Internet-Agenturnetzwerk Razorfish verkauft. Mit dem Zusammenschluss konnte die Agentur außer Audi kurz danach Nintendo als Großkunden gewinnen, der Umsatz sprang 2007 um 70 Prozent nach oben, 2008 wuchs er um 30 Prozent. Und auch im Krisenjahr 2009 konnte die inzwischen 150 Mitarbeiter starke Neue Digitale nach Gahlerts Angaben noch einmal um 20 Prozent auf nun 13 Millionen Euro Jahresumsatz zulegen. Seit kurzem gehört das Haus zu dem internationalen Agenturnetzwerk Publicis Groupe.

Trend geht hin zu Apps

Mit den klassischen Werbeagenturen hätten die Online-Häuser allerdings nur noch wenig gemein, findet Gahlert. Vielmehr sieht er eine ganz neue Agenturform heranwachsen. „Unsere Arbeit ist ein Mix aus Werbung, Technologie und Unternehmensberatung“, sagt der Geschäftsführer. Denn es geht nicht mehr nur darum, eine eingängige Kampagne bei den Kunden zu plazieren, die Agentur ist auch ein Stück weit Strategieberater. An welcher Stelle lässt sich ein direkter Kontakt zum Kunden herstellen? Wie kann man die Einträge in den Internetforen als Informationen über die Kundenwünsche verwenden? Wo kann man die Produkte wie verkaufen?

Das verändert auch die Zusammenarbeit mit den Kunden. Kirchhofer von Blue Mars nennt das Beispiel einer Internetseite, auf dem man einen Stromtarif wählen kann. „Da spricht man plötzlich mit ganz unterschiedlichen Abteilungen und merkt, die müssten eigentlich auch untereinander mehr zusammenarbeiten.“

Und die technischen Weiterentwicklungen bergen immer wieder neue Möglichkeiten – und neue Aufgaben für die Internetagenturen. Der Trend zu Anwendungen, sogenannten Apps, auf dem Handy etwa, der mit der flotten Verbreitung des iPhones an Fahrt gewinnt, verändert die Kundenkommunikation der Unternehmen abermals grundlegend. „Auf dem iPhone habe ich als Nutzer nur 30 Sekunden lang Geduld, weil ich oft stehe“, gibt Gahlert zu bedenken. Beim gerade von Apple angekündigten iPad werde das schon wieder anders sein, weil es eher für das Wohnzimmer gedacht sei. Kirchhofer von Blue Mars blickt daher gelassen in die Zukunft: Die Agenturen, die auf das Internet spezialisiert seien, hätten mindestens in den nächsten zehn Jahren gut zu tun.

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