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Wer Frankfurt finanziert : Industrie überholt Banken wieder bei Gewerbesteuer

Rotfabriker: Pigmentproduktion bei Clariant in Frankfurt-Höchst Bild: Wolfgang Eilmes

Im vergangenen Jahr konnten sich die Banken in der Rolle der wichtigsten Branche für die Gewerbesteuer in Frankfurt sonnen. Doch damit es wieder vorbei. Spannend ist aber vor allem der Block „Sonstige“.

          Sichtbarkeit und Größe sind nicht alles. Manchmal gewinnen jene, die abseits der Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit ein Randdasein fristen. Das gilt nicht nur im DFB-Pokal, wenn ein wenig beachteter Verein einem namhaften Club ein Bein stellt – auch im Wirtschaftsleben geht es nicht immer den weithin bekannten Betrieben am besten. Das zeigen die neuesten Zahlen zur Gewerbesteuer in Frankfurt. Im Gegensatz zum vergangenen Sommer haben nicht abermals die Banken die Nase vorn. Auf Platz eins steht als Einzelbranche nach einer kurzen Pause die wieder Industrie. Es gilt mithin wieder der Satz, den Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) schon vor ein paar Jahren vor Vertretern des verarbeitenden Gewerbes am Main sagte: „Die mit den höchsten Türmen in Frankfurt sind nicht die mit den höchsten Gewerbesteuerzahlen.“

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nach dem in dieser Woche ermittelten Zahlen entfallen derzeit 23,5 Prozent der Gewerbesteuern aus den Einzelbranchen auf die Industrie. Auf dem zweiten Platz liegen die Banken mit von 22,7 Prozent (siehe Grafik). Zum Vergleich: Vor einem halben Jahr vereinigten die in- und ausländischen Kreditinstitute gemeinsam einen Anteil von 26Prozent auf sich und damit einen Punkt mehr als die Industriebetriebe. Die Zahlen aus der Kämmerei, die dieser Zeitung vorliegen, beziehen sich auf die Steuervorauszahlungen der 100 größten Unternehmen und Banken in der Stadt. Alle andere Betriebe berücksichtigt diese Statistik nicht.

          Industrie zahlt überproportional

          Besonders zu beachten ist in diesem Zusammenhang das Größenverhältnis. Die Banken machen 27 Prozent der 100 Großbetriebe aus, das verarbeitende und produzierende Gewerbe, wie die Industrie auch genannt wird, nur auf neun Prozent. Dieses Verhältnis hat sich zwar leicht zugunsten der Industrie verbessert, weil die Banken vor einem halben Jahr noch auf 30 Prozent kamen. Gleichwohl zahlen die verarbeitenden und produzierenden Betriebe weit überproportional Steuern.

          In Euro ausgedrückt heißt das: Aus der Industrie sind zuletzt fast 222 Millionen Euro gekommen, aus der Bankenwelt gut 214 Millionen Euro. Das wiederum sind 16 Millionen Euro weniger, als noch im Sommer vom Finanzplatz in die Kasse der Stadt flossen. Demgegenüber haben die Industrieunternehmen insgesamt eine halbe Million Euro mehr überwiesen.

          Der Wechsel an der Spitze der Tabelle weist also weniger auf eine neue Stärke des verarbeitenden und produzierenden Gewerbes hin als auf eine Schwäche der Banken. Dass die Industrie nicht richtig vom Fleck wegkommt, hat mit Sanofi zu tun. Die im Industriepark Höchst ansässige Deutschland-Tochter des gleichnamigen Pariser Konzerns zahlt sehr viel Gewerbesteuer, leidet aber seit geraumer Zeit unter dem Patentablauf seines Verkaufsschlagers, eines Langzeitinsulins. Infolge dessen verkaufen Mitbewerber nun Nachahmerpräparate. Sanofi spürt das besonders in Nordamerika, dem größten Pharmamarkt der Welt. Geringere Verkäufe schlagen auf den Gewinn durch, an dem sich die Gewerbesteuer bemisst.

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          Als drittgrößte Einzelbranche fallen die sonstigen Geld- und Kreditinstitute ins Auge. Zu ihnen gehören etwa die Fondsgesellschaften. Die haben zuletzt allgemein gute Geschäfte gemacht. Denn angesichts der dauerhaft niedrigen Zinsen stecken mehr Bürger ihr Geld in Investmentfonds, statt Kaufkraftverluste auf Tagesgeldkonten und Sparbüchern hinzunehmen. Der meist von niedrigen Gewinnspannen geplagte Handel spielt für die Gewerbesteuer nach wie vor keine wesentliche Rolle.

          „Rechenzentren gute Gewerbesteuerzahler“

          Für die seit Jahren sehr stark wachsende Riege der Rechenzentrums-Betreiber gilt das Gegenteil. Zwar sagt es die Stadt mit Verweis auf das Steuergeheimnis nicht laut. Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass dieser noch recht junge Wirtschaftszweig mit dem Geschäftsmodell namens Co-Location, bei dem Kunden ihre Hochleistungsrechner in den Datacentern unterbringen, für das Wachstum des Blocks „Sonstige“ verantwortlich ist. Und erst im Oktober hat IT-Stadtrat Jan Schneider (CDU) die Rechenzentrums-Betreiber als „gute Gewerbesteuerzahler“ gelobt.

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