11.08.2010 · Sie stehen fast wie Wahrzeichen in der Region: weithin sichtbare Hochregallager an den Autobahnen. Wella beliefert von Südhessen aus 75.000 Friseursalons in Europa.
Von Mechthild HartingVon Norden kommend, ist es ein markantes Erkennungszeichen, dass man nun mitten im Rhein-Main-Gebiet ist: das weithin sichtbare Milupa-Hochregallager an der Autobahn 5, auch wenn es heute von DHL betrieben wird und sich darin längst mehr Produkte des Danone-Konzerns befinden als nur die des einst in Friedrichsdorf produzierenden Babynahrungsherstellers. An anderen Autobahnzufahrten sind die modernen Wahrzeichen der Region ebenso zu entdecken: Traditionsreiche wie „die Wick“ an der A 67 in Groß-Gerau mit ihrer auffällig blau-türkisen Farbe, von wo aus Hustenbonbons und Blend-a-med-Zahnpasta in die Welt vertrieben werden, oder das neu errichtete Hochregallager des Pharma-Unternehmens Stada in Florstadt an der A 45. Erst in diesem Frühjahr ist das ganz in Holz gehaltene Verteilzentrum des Bio-Händlers Alnatura in Lorsch an der A 67 hinzugekommen.
Wella prangt in riesigen Lettern unübersehbar am Hochregallager in Weiterstadt bei Darmstadt, einen Steinwurf von der Autobahn 5, rund 20 Minuten Fahrzeit vom Frankfurter Flughafen entfernt. Diese zentrale Lage war ausschlaggebend, den Standort auszubauen. „Er liegt perfekt mitten in Deutschland und in einem Ballungsraum, der über alles verfügt, was man an Logistik braucht“, wie es Martin Lorscheider, Leiter des Distribution Center Weiterstadt der Procter & Gamble Manufacturing GmbH, beschreibt. Rund 27 Millionen Euro hat der Weltkonzern investiert und neben den drei Gebäuden des Wella-Warenverteilzentrums ein Hochregallager errichtet: 45 Meter hoch und 100 Meter lang mit rund 24.000 Palettenplätzen, vollautomatisiert mit sechs Krananlagen, die hoch oben ohne Licht angelieferte Paletten einsortieren und Produkte sekundenschnell heraussuchen.
Mehrere tausend Pakete verlassen jeden Tag die Hallen
Im Frühjahr 2009 ist es in Betrieb gegangen. Die Gesamtkapazität am Standort liegt damit heute bei rund 50.000 Palettenplätzen. „Wir versorgen von Weiterstadt aus rund 75.000 Friseurgeschäfte in Westeuropa mit Wella-Produkten und liefern von hier aus in die gesamte Welt alle Parfüms von Procter & Gamble“, sagt Lorscheider, seien es die Düfte von Boss, Escada oder Gucci. Bis dahin wurden diese Paletten vom früheren Ellen-Betrix-Standort an der Max-Planck-Straße in Dreieich-Sprendlingen aus von rund 160 Mitarbeitern versandt. Das Gebäude in Sprendlingen sei gemietet gewesen, und in Weiterstadt habe man expandieren wollen.
„Weiterstadt ist eine Standorterfolgsgeschichte“, sagt Lorscheider. Schließlich habe man 1978 mit zehn bis 20 Leuten angefangen. Heute sind dort rund 450 Menschen beschäftigt. Ihre Aufgabe ist es, aus den rund 10.000 Artikeln, vom Haarband bis zum Parfümpröbchen, den vom Kunden gewünschten umgehend auf den Weg zu bringen. Mehrere tausend Pakete verlassen jeden Tag die Hallen, um die zwei Millionen seien es im Jahr. Dabei muss Lorscheider zwei unterschiedliche Produktlinien in Einklang bringen: das Parfümgeschäft und die Friseurbelieferung. Letztere sind nach seinen Angaben einen sehr hohen Service gewohnt sind. Aufträge, die nachts in Weiterstadt eingingen, verließen bereits am nächsten Tag das Verteilzentrum. Die meisten werden innerhalb Deutschlands und ins westeuropäische Ausland per Lastwagen geliefert. So fährt täglich ein Fahrzeug von Weiterstadt nach Marseille. Schließlich sei in Frankreich der Markt mit dem Hauptkonkurrenten L’Oreal besonders hart umkämpft. Da Friseur-Bestellungen kleinere Stückzahlen umfassen, werden die Pakete per Hand gepackt. Das Parfümgeschäft wird palettenweise oder zumindest in der Einheit eines Kartons erledigt, und diese gehen auch per Luftfracht oder mit dem Schiff auf Reisen in die Welt. Rund 700 Paletten kommen täglich in Weiterstadt an, etwa die gleiche Zahl verlässt die Hallen wieder.
In der Vorweihnachtszeit wird viel onduliert
„Die Herausforderung für uns ist, aus den Erfahrungswerten abzuschätzen, wie viele und in welchem Mengenumfang die Bestellungen an jedem Tag der Woche und im Jahreszyklus bei uns eingehen.“ Weder dürfe es an Produkten im Lager mangeln, noch an Mitarbeitern, die Bestellungen auf den Weg bringen, gleichzeitig dürften nicht zu hohe Kosten verursacht werden. Für Lorscheider und sein Team stehen nach der Sommerpause die arbeitsreichsten Wochen ins Haus: Das Weihnachtsgeschäft, das seinen Höhepunkt in Weiterstadt im Oktober hat und bis Januar allmählich wieder abflaut. In der Vorweihnachtszeit werden nicht nur die Parfümerien bestückt, Friseure ondulieren und färben so viel wie sonst selten im Jahr.
In Weiterstadt werden keine Führungen durch die Welt des Logistikstandorts angeboten. Milupa hingegen öffnet während der Tage der Industriekultur, die bis Sonntag im Rhein-Main-Gebiet stattfinden und sich in diesem Jahr als Schwerpunktthema mit der Automatisierung beschäftigen, die Türen. Die Plätze sind allerdings nahezu vergeben. Anders ist es bei der Office Depot GmbH in Großostheim bei Aschaffenburg. Dort kann am Donnerstag um 15 Uhr das automatisierte Logistikzentrum nebst Hochregallager besichtigt werden: Office Depot liefert rund 13.000 Artikel rund um das Büro an Kunden aus.