http://www.faz.net/-gzg-850ed

Unternehmen berät Winzer : Damit der Traum vom Weingut kein Albtraum wird

  • -Aktualisiert am

Verlockend: Ein eigenes Weingut im Rheintal Bild: Frank Röth

Die romantische Vorstellung vom eigenen Weingut hat wenig mit der Realität zutun. Das Unternehmen „Wein und Rat“ berät Winzer und vermittelt das passende Gut im Rheingau.

          Die Unterschrift ist trocken, es gibt kein Zurück mehr. Christos und Kristina Theodoropoulus haben just beim Notar den Kaufvertrag unterzeichnet. Am 1. Juli übernehmen sie das Weingut Lahnert in Weiler-Boppard über Oberwesel im Rhein-Hunsrück-Kreis. Es ist der ersehnte Schritt in die Selbständigkeit. Der 35 Jahre alte Winzer weiß, worauf er sich gemeinsam mit seiner hochschwangeren Frau einlässt. Er hat eine Ausbildung zum Weinbautechniker in Bad Kreuznach hinter sich, hat als Kellermeister gearbeitet und schon eigenen Wein produziert. „Ich wollte immer gezielt in die Produktion“, sagt der angehende Vater, weshalb für ihn eine Karriere als Weinbauberater, Sommelier oder Angestellter eines Weinguts nicht in Frage kommt.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Theodoropoulus will seine eigenen Entscheidungen treffen und den Wein so erzeugen, „wie ich es will“. Diese Chance hat er jetzt, aber der Weg dahin war nicht leicht.

          Den „Traum vom eigenen Weingut“ wollen viele verwirklichen, wie Erhard Heitlinger und Natascha Popp wissen. Sie haben im vergangenen Jahr im Rheingau das Unternehmen „Wein & Rat“ gegründet, das auf Verkauf und Unternehmensnachfolge von deutschen Weingütern spezialisiert ist. Weingüter sind zwar bisweilen auch im Angebot großer Immobilienmakler, doch ein Weingut im Rheingau, in Rheinhessen oder im Mittelrheintal ist etwas anderes als eine Eigentumswohnung in Wiesbaden oder Mainz.

          „Das sind Spezialimmobilien“, sagt Popp, und es dauere manchmal Jahre, um Käufer und Verkäufer zueinander zu bringen. Vor allem ist ein Weingut immer ein Paket, das aus Weinbergen und Weinkeller, Wohnhaus und Büro, Kellereitechnik und Maschinenpark, Warenlager und Kundenkartei besteht. Das alles will gerecht bewertet werden.

          Weingüter mit Gebäude schwer zu verkaufen

          Geht es nur um Weinberge in renommierten Anbaugebieten wie dem Rheingau, muss erst gar kein Makler eingeschaltet werden. Denn Weinberge sind rar und unter Winzern begehrt. Sie werden in besseren Lagen inzwischen 20 und 30 Euro je Quadratmeter gehandelt. Selbst in rheinhessischen Flachlagen werden laut Popp inzwischen zwischen fünf und zwölf Euro gezahlt.

          Ein Weingut samt Immobilie hingegen ist schwer zu veräußern. Am Weingut Schloss Reinhartshausen klebte jahrelang ein Verkaufsschild, ehe die Pfälzer Winzerfamilie Lergenmüller das Erbacher Gut samt Mariannenaue erwarb. Um das Hattenheimer Weingut Georg-Müller-Stiftung der Stadt Eltville hatte es hingegen einen öffentlichen Bieterwettkampf gegeben.

          Es werden aber nicht nur bestehende Weingüter übernommen, sondern auch immer wieder neue gegründet. Die beiden Güter Chat Sauvage in Johannisberg und Bibo & Runge in Hallgarten sind dafür nur zwei einer Reihe von Beispielen.

          Große Weingüter brauchen Investoren

          Das Kaufinteresse an etablierten Betrieben hängt entscheidend von der Größe des Weinguts und damit dem Kapital- und Finanzierungsbedarf zusammen. Kleinere Betriebe wie Lahnert im Mittelrheintal sind ideal für Existenzgründer wie die Familie Theodoropoulus. Größere Weingüter, für deren Betrieb zusätzliches Personal notwendig ist, setzten dagegen finanzkräftigere Investoren voraus.

          Heitlinger hat im Rheingau auch den Verkauf des acht Hektar großen Lorcher Weinguts Ottes an den Frankfurter Manager Robert Wurm und des 20 Hektar großen Weinguts Hans Lang an den Schweizer Käserei-Eigentümer Urban Kaufmann und seine Lebensgefährtin Eva Raps eingefädelt. Beides Quereinsteiger, die sich mit großem Engagement in die Materie eingearbeitet und zusätzlich Fachleute als Kellermeister engagiert haben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Boston Globe“ : Bombendrohungen nach Trump-Kampagne

          Mehr als dreihundert Zeitungen in Amerika haben gegen die Medienpolitik von Präsident Trump Stellung bezogen. Der griff auf Twitter den Initiator der Kampagne an. Bombendrohungen waren die Folge.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.