17.09.2008 · Die Hanauer Vacuumschmelze kehrt in den Flächentarifvertrag zurück, nachdem das Landesarbeitsgericht nicht gegen den Streik der Belegschaft eingeschritten ist. Um Kosten zu sparen, soll nun Personal abgebaut werden.
Von Manfred KöhlerDie Geschäftsführung der Vacuumschmelze hat gestern wissen lassen, sie werde künftig wieder den Flächentarif als maßgeblich betrachten. Das Einlenken des Hanauer Unternehmens geschah unmittelbar nach der Entscheidung des Landesarbeitsgerichts, nicht gegen den Streik der Belegschaft vorzugehen. Die Geschäftsführung hatte das Frankfurter Gericht angerufen, nachdem am Freitag schon das Arbeitsgericht Hanau einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung gegen den unbefristeten Streik der Belegschaft abgelehnt hatte. Vom Unternehmen hieß es, die Rückkehr in den Flächentarif geschehe, weil der am Donnerstag vergangener Woche begonnene unbefristete Streik existenzgefährdend sei. Er habe bereits zu Produktionsausfällen und einer Schädigung des Geschäfts geführt.
Geschäftsführung: Streiks „zwingen uns zu harten Einschnitten“
Die Vacuumschmelze GmbH & Co. KG, die in Hanau mit 1500 Mitarbeitern Spezialteile für zahlreiche Branchen herstellt, hatte den Flächentarif verlassen, um die abzusehende Tariferhöhung im nächsten Jahr zu vermeiden. Die IG Metall fordert für die nächste Tarifrunde Lohn- und Gehaltserhöhungen von acht Prozent. Das Unternehmen ist im laufenden Jahr in die Verlustzone gerutscht. Wie es hieß, sollen die Kosten jetzt anders gespart werden. Die Geschäftsführung sehe sich nunmehr gezwungen, Arbeitsplätze am Standort Hanau abzubauen. Damit entfalle auch die Beschäftigungsgarantie, die im Gegenzug zu flexiblen Arbeitszeiten für den Fall des Abschlusses eines Haustarifvertrags angeboten worden sei. Weiter werde die Auszahlung von Erfolgsbeteiligungen sowie von freiwilligen Zulagen gestrichen. „Die Streiks am Standort Hanau haben uns jeglichen wirtschaftlichen Spielraum entzogen und zwingen uns zu harten Einschnitten, um die Zukunft der VAC zu sichern“, sagte Geschäftsführer Hartmut Eisele. „Mit den unverantwortlichen Streikmaßnahmen hat die Gewerkschaft einer Beschäftigungsgarantie für die VAC-Mitarbeiter den Boden entzogen.“
Das Unternehmen machte in diesem Zusammenhang auch Details des Haustarifvertrages öffentlich, dessen Abschluss der Belegschaft angeboten worden war. Danach sollte im Gegenzug für die Flexibilisierung der Arbeitszeiten eine dreijährige Beschäftigungsgarantie geboten werden, außerdem 2011 eine Lohnerhöhung von sechs Prozent. Auch dies alles sei nun hinfällig, hieß es.