30.09.2005 · "Sehr schön" findet Christian Raupach, der Geschäftsführer des Hessischen Waldbesitzerverbands, die Entwicklung. Seit die Preise für Öl und Gas in schwindelerregende Höhen klettern, wird das Brennholz als Heizmaterial zunehmend wiederentdeckt.
"Sehr schön" findet Christian Raupach, der Geschäftsführer des Hessischen Waldbesitzerverbands, die Entwicklung. Seit die Preise für Öl und Gas in schwindelerregende Höhen klettern, wird das Brennholz als Heizmaterial zunehmend wiederentdeckt. Die Nachfrage nach Buche und Eiche sei deutlich gestiegen, für Kamine etwa in der Frankfurter Innenstadt auch die nach Birke. Der Preis für einen Festmeter Buche soll mittlerweile bei bis zu 40 Euro liegen. Die rund 60 000 Waldeigentümer in Hessen, die der Verband vertritt, profitieren davon. Viele Häuslebauer der vergangenen Jahre hätten wieder einen Kachelofen eingebaut, der das Haus mit einer Grundwärme versorge, sagt Raupach. Auch die Zahl der Heizungen, die mit sogenannten Pellets aus gepreßtem Holz und Spänen arbeiten, habe zugenommen.
Die Heizungsbaufirmen haben sich auf die neue Situation eingestellt. Viessmann und Buderus etwa bieten Sonderprogramme für Holzheizungen an. Die Anlagen sollen in der Anschaffung etwa 30 Prozent teurer sein als Öl- oder Gasöfen, dafür sollen die Holzschnitzel die Energiekosten langfristig deutlich senken. Viele öffentliche Gebäude in Hessen, etwa Schulen, haben bereits eine Holzheizung, oft allerdings ergänzt durch eine Ölheizung. Aber auch für Privathaushalte vom Bungalow bis zum Mehrfamilienhaus werden solche Anlagen angeboten, für die es auch Fördermittel gibt. Die Zahl der Holzheizungen ist seit 1999 bundesweit von einer Handvoll auf etwa 28 000 gestiegen. Bei den Waldbesitzerverbänden frohlockt man bereits, der Holzscheit könnte künftig zum Symbol alternativer Energiegewinnung werden - statt des oftmals die Landschaft verstellenden Windrads.
Gerade auf dem Land wachsen zur Zeit die Brennholzstapel neben den Häusern - auch wenn der "Einschlag" zum Herbst und die eigentliche Brennholzzeit erst noch kommen, wie Hans Ludwig Körner von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände sagt. Eine Vorreiterrolle bei der professionellen Nutzung von Holz als Brennstoff spielt seit 1997 in Hessen das Forstamt Bad Schwalbach. Mit rund 12 000 Hektar Fläche ist es das größte seiner Art im Bundesland. Der Leiter, Martin Küthe, wirbt seit längerem für eine stärkere Verwendung von Holz als Brennstoff - auch unter regionalwirtschaftlichen Gesichtspunkten. Anders als etwa beim Öl oder Gas kann schließlich beim Holz der gesamte Wirtschaftskreislauf vom Anpflanzen bis zum Verfeuern in der Region abgebildet werden - das Geld bleibt gleichsam im Lande.
Für die Fortwirtschaft ist das Brennholz häufig Abfallprodukt. Während der Stamm beispielsweise für die Möbelproduktion verwendet wird und die Krone etwa als Kaminholz, ist das Übergangsstück zwischen Krone und Stamm traditionell "Industrieholz". Früher wurde es vor allem zur Herstellung von Papier, Pappe oder Spanplatten verwendet. Dieses schwer vermarktbare Holzsegment soll jetzt durch sogenannte Holzschnitzel-Verfeuerungsanlagen wirtschaftlich genutzt werden. Vier solcher Anlagen gibt es im Rheingau-Taunus-Kreis, weitere etwa in Bad Homburg und Frankfurt.
Das Deutsche Bank Research hat in einer Studie festgestellt, daß schon vor dem jüngsten Ölpreis-Schub durch die beiden Hurrikans "Katrina" und "Rita" die Holzpellets als Heizmaterial günstiger waren als Heizöl. Die Verfasser der Studie rechnen damit, daß die Zahl der Pelletsheizungen in Deutschland bis Ende 2005 von 28 000 auf rund 34 000 steigen dürfte. Mittelfristig könnten weitere 35 000 Anlagen hinzukommen. Bezogen auf die rund 40 Millionen Wohnungen in Deutschland wären dies allerdings immer noch weniger als 0,2 Prozent. Impulse gebe die Expansion nicht nur den Heizungsanlagenbauern. Auch die etwa 20 Pelletsproduzenten müßten ihre Kapazitäten zur Befriedigung der dynamisch steigenden Nachfrage erweitern. Im Jahr 2001 lag der Absatz der Holzpellets erst bei 10 000 Tonnen, im vorigen Jahr waren es immerhin 150 000 Tonnen. Auch die rund 330 Pelletshändler, darunter viele Baumärkte, haben der Studie zufolge von der "Renaissance des Brennstoffs Holz" profitiert.
Auch unter ökologischen Gesichtspunkten sollten nachwachsende Rohstoffe wie Holz künftig stärker für die Energiegewinnung genutzt werden, forderte der Bundesverband Bioenergie in der vergangenen Woche auf dem internationalen Fachkongreß für Holzenergie "IHE 2005". Auch Dirk Alster, Vorstandsvorsitzender der Vertriebsorganisation Holzabsatzfonds argumentiert, Heizen mit Holz sei nicht nur preiswerter als mit Öl oder Gas, sondern auch umweltfreundlicher. Die Holzpellets würden "CO2-neutral" verbrannt, es werde nur so viel klimaschädliches Kohlendioxid freigesetzt, wie die Bäume während ihres Wachstums gebunden hätten. Die freigesetzte Menge wiederum werde von wachsenden Bäumen aufgenommen und gespeichert. Damit belaste der Brennstoff Holz das Klima nicht zusätzlich, wie es fossile Brennstoffe täten. Für dieses Jahr rechnet der Fonds mit einem Wachstum des Pellets-Marktes um 30 Prozent. Zu den Kosten heißt es beim Fonds, nach den Preissteiggerungen beim Öl und Gas sei Holz als Brennstoff jetzt rund 40 Prozent billiger als Öl und sogar 50 Prozent preiswerter als Erdgas. Hinzu komme die schwer kalkulierbare langfristige Dynamik: Von 1999 bis 2004 habe sich der Ölpreis von rund zehn Dollar auf mehr als 50 Dollar je Barrel mehr als verfünffacht. Entsprechend hätten auch die Preise für Heizöl in Deutschland angezogen. Während 3000 Liter Heizöl 1998 noch weniger als 750 Euro gekostet hätten, seien es 2004 bereits mehr als 1250 Euro, in diesem Jahr sogar mehr als 1625 Euro gewesen. Der Preis für eine vergleichbare Menge Holzpellets liege dagegen unter 1250 Euro. christian siedenbiedel