24.03.2011 · Glatte Haut liegt im Trend. Frauen und inzwischen auch viele Männer geben eine Menge Geld dafür aus, dass nichts mehr wächst. Gesucht wird die dauerhafte Lösung. - Das Verbraucherthema.
Von Petra KirchhoffUnkomplizierte Menschen greifen morgens unter der Dusche zum Rasierer. Wer etwas länger Ruhe haben möchte, zupft selbst mit einem Epiliergerät oder geht ins Kosmetikstudio. Senzera und Wax in the City sind die beiden führenden Ketten in Deutschland, die sich auf das Entfernen der Haare mit warmem Wachs spezialisiert haben. Drei Mal gibt es Senzera in Frankfurt. Wax in the City hatte im vergangenen Jahr Premiere an der Hochstraße.
Auffällig ist, wie viele Anbieter dauerhafter Haarentfernungsmethoden es inzwischen in Frankfurt gibt. Hairfree, Cleanskin, Dermedis gehören zu den bekannten Adressen. Sie arbeiten mit gepulstem Licht, auch IPL genannt, bei dem Körperhaare mittels Lichtenergie schachmatt gesetzt werden. Die Mitte der neunziger Jahre entwickelte Technik ist einfacher zu handhaben als Laser-Licht und mittlerweile so standardisiert, dass sich auch kleine Kosmetikstudios trauen. Anfangs wurde sie nur von Fachärzten angewandt. Sogar das Sonnenstudio um die Ecke wirbt neuerdings damit und zeigt, wie sehr der Wildwuchs um sich greift. Denn Lichtimpuls auf gebräunter Haut kann zu Pigmentstörungen führen (siehe auch Kasten „Lichter dank Licht“).
Sitzungen im Acht-Wochen-Rhythmus
Grundsätzlich haben Lichtimpuls und Laser laut Roland Kaufmann, Direktor der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Frankfurter Universitätsklinik, ihren festen und berechtigten Platz neben Rasur und Wachs, wenngleich der Professor den Begriff „dauerhaft“ relativiert. „Der dauerhafte Verlust der Haare ist illusorisch. Aber man kann den Haarwuchs mittels Licht deutlich bis sehr gut bremsen.“
Laser oder Licht - beide Methoden seien im Prinzip gleich. Lichtimpuls werde von einigen Menschen als angenehmer empfunden. Laser piekst mehr. Wichtig ist nach Kaufmanns Angaben, dass die zu behandelnde Person ebenso wie der Anwender Risiken bewusst ausschließen. Tabu ist etwa die Einnahme bestimmter Medikamente und, wie gesagt, Sonnenlicht. Für Menschen mit blonden Haaren kommt die Methode gar nicht in Frage, weil ihnen das für den Energietransport im Haar nötige Melanin fehlt.
Wie sorgfältig ein Studio arbeitet, ist auch daran zu erkennen, inwieweit diese Punkte in einem Vorgespräch behandelt werden. Ein Testgespräch bei einem Anbieter in Bockenheim war in diesem Punkt recht zufriedenstellend. Das heißt, die Testperson, die bald in die Sonne fliegen möchte, wurde auch nicht gedrängt, trotzdem anzufangen. Überzeugend war auch der Einwand, die ersten vier von acht nötigen Licht-Sitzungen im Acht-Wochen-Rhythmus und die späteren alle zwölf Wochen stattfinden zu lassen. Denn dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit, nachwachsende Haare zu treffen.
Mancherorts ärztliche Betreuung
In der Praxis kommt es auf die richtige Dosierung des Lichtes an. Die Einstellung „Viel hilft viel“ führe unter Umständen zu dauerhaft weißen Flecken, warnt der Klinik-Direktor. „Eine unsachgerechte Anwendung beim falschen Hauttyp kann zu lebenslangem Unglück führen.“ Die sogenannten Behandlungsparameter sollte nach Kaufmanns Rat immer ein Arzt verantworten, die eigentliche Arbeit - das Gerät wird Stück für Stück über die mit Gel gekühlte Haut geführt - könne auch jemand anders erledigen.
Manche Studios werben mit ärztlicher Betreuung. Im Zweifelsfall hilft auch der Hausarzt weiter, den vorher aufzusuchen manche Fachleute ohnehin empfehlen. Der Patient kann dann damit rechnen, dass ihm Licht und Laser auch dort angeboten werden. Denn mit kosmetischen Behandlungen, sei es die Beseitigung von Altersflecken und Zornesfalten, verdienen auch Hautärzte gern zusätzliches Geld. Die Haarentfernung gehört - mit wenigen Ausnahmen - zu den sogenannten Individuellen Gesundheitsleistungen (Igel) und muss privat bezahlt werden.
280 Euro pro Sitzung
Der Markt ist für Anbieter lukrativ. Das Unternehmen Hairfree etwa - mit 100 Filialen nach eigenen Angaben Marktführer in Europa - hat seinen Umsatz binnen fünf Jahren von 500.000 auf 20 Millionen Euro gesteigert. Zum Vergleich: Die 2005 gegründete Kette Wax in the City mit 13 Studios in Deutschland beziffert ihren Jahresumsatz auf 4,5 Millionen Euro.
Die Preise für dauerhafte Haarentfernung sind üppig: Für die Kombination Beine (komplett) und Bikinizone werden nach unserer Recherche - manche Anbieter zeigen Preise im Internet, andere nicht - 280 Euro pro Sitzung verlangt. Macht bei acht Terminen 2240 Euro. Einige Studios bieten nicht ohne Grund Ratenzahlung an. Teilt man die Summe durch das Geld, das man für dieselbe Fläche im Waxing-Studio zahlt, etwa 40 Euro, sind das 56 Behandlungen. Das heißt, man könnte für die Summe, einen Besuch pro Monat vorausgesetzt, viereinhalb Jahre rupfen lassen.
Sabine M. aus Frankfurt macht diese Rechnung nicht auf. „Ich würde auch das Doppelte und Dreifache zahlen.“ Vor fünf Jahren hat sich die 40 Jahre alte Frau in einer Düsseldorfer Venenklinik die Körperbehaarung weglasern lassen. Und ist, wie sie sagt, noch immer haarfrei und glücklich. Sie habe immer unter ihrer starken Behaarung gelitten. Die Betriebswirtin ist ein sogenannter Schneewittchen-Typ: helle Haut, schwarze Haare. Ein spontaner Freibadbesuch sei nie möglich gewesen. Auf den Rat einer Freundin begann sie mit der Laser-Therapie. Heute sagt sie im Brustton der Überzeugung: „Das war die Befreiung für mein Leben.“
Lichter durch Licht
Die Elektroepilation mit Nadel spielt inzwischen nur noch eine geringe Rolle. Durchgesetzt haben sich zwei Verfahren mit Licht: Laser und Lichtimpuls (IPL). Laser senden Licht einer speziellen Wellenlänge aus, bei der IPL-Methode arbeiten Blitzlampen mit einem Breitbandspektrum an Licht. Lasern dürfen nur Mediziner, bei Blitzlicht gibt es keine Vorschriften. Blitzlichter gibt es inzwischen sogar im Elektrofachmarkt zu kaufen. Die Methode funktioniert in beiden Fällen so: Die Energie des Lichts wird mit Hilfe des Farbpigments Melanin im Haar zu den Haarwurzeln transportiert, weshalb die Epilation mit Licht nur bei dunklen Haaren und nicht bei blonden funktioniert. Die Hitze führt zu einer thermischen Reaktion, die Nährstoffzellen der Haarwurzel werden verödet, dass Haar fällt später aus. Aber nur dann, wenn es in der Wachstumsphase getroffen wurde. Da dies immer nur bei einem bestimmten Prozentteil aller im Körper befindlichen Haare der Fall ist, muss die Behandlung mehrmals in Abständen von sechs bis acht Wochen wiederholt werden. In der Regel sind sechs bis acht Wiederholungen nötig. Während dieser Zeit sollte die Haut nicht in die Sonne, um Pigmentstörungen zu vermeiden. Und die noch vorhandenen Haare dürfen nicht epiliert, sondern nur rasiert werden. (hoff.)