Da hatte sie es doch gerade in den Duden, 24. Auflage, geschafft, zusammen mit dem Wort „Gender-Mainstreaming“. Doch in Frankfurt ist man der „Brötchentaste“ offenbar nicht wohlgesonnen. Nach einem Versuch an der Schweizer Straße in Sachsenhausen und der Leipziger Straße in Bockenheim soll die Taste an Parkscheinautomaten, mit der man 15 Minuten unentgeltlich parken kann, wieder abgeschafft werden. Das geht aus einem Magistratsbericht hervor.
Das scheint etwas verwunderlich, ist man doch in anderen Städten gerade zu begeistert von der „Brötchentaste“. In Berlin, wo es einen Versuch in Spandau gab, fordert die Industrie- und Handelskammer eine Ausweitung auf das gesamte Stadtgebiet, nachdem 99 Prozent der befragten Unternehmen dafür waren. In Bad Vilbel, wo die Taste 2004 eingeführt wurde, scheint sie ebenfalls gut anzukommen. Dasselbe gilt für Rüdesheim. In Oberrad kam unlängst von Stadtteilpolitikern der Wunsch, man solle die Regelung aus Sachsenhausen und Bockenheim übernehmen.
„Zu wenige Leute kannten das Angebot“
„Wir sind schon etwas verärgert, daß die Stadt Frankfurt die Brötchentaste so sang- und klanglos abschaffen will“, sagt Frank Albrecht, der Präsident des Einzelhandelsverbands. Heute tagt ein Arbeitskreis, in dem Vertreter der Wirtschaft und der Stadt sich abstimmen. „Wir hoffen, daß noch nicht das letzte Wort gesprochen ist“, sagt Albrecht. Wenn man eine Zeitlang (“besser wären 30 Minuten“) unentgeltlich vor Geschäften parken könne, stärke das die Innenstädte gegen die „grüne Wiese“: „Wir müßten nur mehr dafür werben, zu wenig Leute kannten das Angebot.“
Wo die entscheidenden Gegner der „Brötchentaste“ sitzen, ist nicht leicht auszumachen. Das Hauptargument der Stadtverwaltung ist offenbar, daß die Taste nicht genug genutzt werde. Ein Blick in die Untersuchungsunterlagen zeigt: Von 29.613 Parkscheinen im Testzeitraum waren 8651 Tickets im Rahmen der „Brötchentasten“-Regelung, also knapp 30 Prozent. „Das waren mehr als 8000 Menschen, die vielleicht im Einzelhandel etwas eingekauft haben“, meint Albrecht.
„Unnötiger Autoverkehr gefördert“
Schon bei der Diskussion zuvor beim Deutschen Städtetag und beim Städte- und Gemeindebund hatte sich ein Konflikt zwischen Verkehrsplanern und Wirtschaftspolitikern abgezeichnet. Während die Verkehrsplaner meinten, mit der „Brötchentaste“ werde nur unnötiger Autoverkehr gefördert, und außerdem sei die Taste anfällig für Mißbrauch, sehen die Wirtschaftspolitiker darin eine Stärkung des mittelständischen Handels. Die Großstädte waren kritischer als die Kleinstädte. Alle, die mit der Kontrolle zu tun haben, scheinen eher gegen die „Brötchentaste“ zu sein, weil sie zusätzlich Arbeit macht.
Die Kommunen haben außerdem offenbar Angst vor Einnahme-Ausfällen: So mußte man in Bremen zum 1. Juni die allgemeinen Parkgebühren anheben, weil die „Brötchentaste“ so erfolgreich gewesen war, daß dem Senat anschließend Geld fehlte.

