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Verbraucher Verkäufe von Bio-Fleisch steigen

13.09.2006 ·  Wenn sie bei Alnatura auf den Absatz von Bio-Fleischwaren gucken, zeigt sich eine schön aufwärts laufende Kurve. Binnen Jahresfrist sind die Verkäufe um 57 Prozent geklettert. Basic meldet ebenso steigende Umsätze - auch dank des Gammelfleisch-Skandals.

Von Thorsten Winter
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Wenn sie bei Alnatura in Bickenbach bei Darmstadt auf den Absatz von Bio-Fleischwaren gucken, zeigt sich eine schön aufwärts laufende Kurve. Binnen Jahresfrist sind die Verkäufe um 57 Prozent geklettert. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte der Naturkosthändler schon einen Zuwachs um fast die Hälfte verzeichnet. So verwundert es nicht, wenn Alnatura von einem Trend zu höherwertigen Lebensmitteln spricht, der Fleisch und Wurst mit Bio-Siegel einschließt. Ob der Gammelfleisch-Skandal für einen Schub gesorgt hat, ist offen - dazu liegen noch keine Zahlen vor. Doch ist nicht ausgemacht, daß zahlreiche, sonst weniger kritische Verbraucher nun gezielt Bio-Fleischwaren kaufen. Schließlich berichten Mitbewerber von Alnatura nicht von einem Boom in diesen Tagen.

So spürt der Tegut-Markt an der Rheingaustraße in Wiesbaden keine Folgen des Gammelfleisch-Skandals für den Umsatz. Von einem überdurchschnittlichen Zulauf könne keine Rede. Ähnlich äußerte sich auch ein Mitarbeiter des Dottenfelderhofs in Bad Vilbel, der dem Erzeugerverband Demeter angehört und biologisch-dynamische Land- und Viehwirtschaft betreibt. Allerdings könnte der Tegut-Markt durchaus mehr Bio-Fleisch verkaufen, wenn er denn welches bekäme. Nicht in jedem Fall wird aber all das angeliefert, was bestellt worden sei, wie ein Sprecher sagte. Da Bio-Fleischwaren keinen Massenmarkt darstellten, seien eben auch nicht immer alle Wünsche erfüllbar.

Plus von 50 Prozent wäre „unrealistisch“

Dagegen berichtet die Bio-Supermarktkette Basic, die auch zwei Ladenlokale in Frankfurt betreibt, über ein spürbares Umsatzplus. Der Zuwachs beträgt in diesen Tagen nach Angaben von Einkaufsleiter Gerhard Sailer mehr als zehn Prozent. „Diese Nachfrage können wir mit unseren regionalen Lieferanten auch abdecken“, sagte er. Schließlich wüchsen die Umsätze mit Bio-Fleisch und Wurst jährlich um 15 bis 20 Prozent, sodaß die Zulieferer von Basic auf Wachstum eingestellt seien. Bei einer deutlich höheren Nachfrage würde es aber sehr kritisch. Ein Absatzplus von etwa 50 Prozent wäre „unrealistisch“ - weil das Angebot nicht groß genug ist.

Denn Bio-Fleisch läßt sich nicht von heute auf morgen erzeugen. Wenn ein Landwirt etwa seine Schweine- oder Rindermast nach biologisch-dynamischen Vorgaben umstellt, kann er frühestens nach zwei Jahren mit Bio-Siegel liefern, wie Thomas Dosch, Präsident von Bioland Deutschland, sagte. Dazu sei zu berücksichtigen, daß der Bio-Fleischmarkt noch recht jung und die Vermarktung im Vergleich zu Bio-Obst und Gemüse vielfach weiter ziemlich unprofessionell sei, von Ausnahmen wie Alnatura und Basic einmal abgesehen.

Fleisch unter Bio-Fans früher unbeliebt

Der Grund: Viele Bio-Fans waren vegetarisch orientiert und mieden über viele Jahre allgemein Fleisch, wie Dosch sagte. Dazu paßt, daß zwar 350 Bäckereien zu Bioland zählen, aber nur 70 Metzgereien. Auch ist 2005 der Anteil von „Bio“ am Fleischmarkt mit zwei Prozent geringer gewesen als die entsprechende Quote bei Lebensmitteln, die bei 2,5 Prozent lag.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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