Zum Beispiel Frankfurt. Wenn in einem Haushalt zwei oder drei Menschen leben, dürfte der jährliche Stromverbrauch bei ungefähr 3500 Kilowattstunden liegen. Die meisten Menschen wissen gar nicht, wie hoch ihr Stromverbrauch ist. Aber es lässt sich auf der letzten Rechnung nachschauen. Für 3500 Kilowattstunden, um bei diesem Beispiel zu bleiben, kann man als Stromkunde in Frankfurt gut 500 Euro zahlen - oder knapp 1000. Die Preisunterschiede sind enorm, die Ersparnis wird umso größer, je höher der Verbrauch ist. Aber auch bei einem Single, der sich mit 1000 Kilowattstunden bescheidet, beträgt die Differenz zwischen dem günstigsten und dem teuersten Angebot in Frankfurt 300 Euro.
Trotzdem ist der Anbieterwechsel beim Strom noch immer nicht populär. Nur ein Fünftel der Kunden hat in den vergangenen Jahren den Lieferanten gewechselt, wie es beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft in Berlin heißt. Weitere zwei Fünftel haben immerhin einen anderen Tarif beim gleichen Anbieter gewählt. Auch so lässt sich in gewissem Umfang sparen.
Wer den Anbieter wechselt, muss keine Angst vor Stromausfall haben
Die Sorge, beim Wechsel könnte es vorübergehend dunkel werden in der eigenen Wohnung, ist unbegründet. Der Anbieterwechsel ist für die Energieversorger zur Routine geworden, gesetzliche Vorgaben verhindern einen solchen Unfall. Etwas verständlicher ist die Befürchtung, ein Wechsel des Stromtarifs sei kompliziert, aber zumindest für Menschen mit einem Computer trifft auch dies nicht wirklich zu. Strom ist ein homogenes Produkt, so dass man sich um die Qualität der Ware nicht kümmern muss und sich mithin allein auf die Preise konzentrieren kann. Verschiedene Unternehmen bieten Preisvergleiche im Internet an, zum Beispiel Verivox aus Heidelberg, aber auch die Seiten von Tarifvergleich.de und Toptarif.de.
Ganz so schnell wie erhofft funktioniert es dann aber doch nicht. Verivox listet allein für Frankfurt 245 unterschiedliche Tarife auf, die allerdings von einem sehr viel kleineren Kreis an Unternehmen stammen. Es kommt mithin auf das Kleingedruckte an, wie auch sonst im Leben. Auf Folgendes ist zu achten.
Tarife mit Vorkasse gleichen einer Wette
-Viele Tarife erscheinen nur deshalb als günstig, weil der Anbieter nach einem Jahr einen einmaligen Bonus zahlt. Im zweiten Jahr wird der Strom dann zwangsläufig teurer. Wer geschickt ist, wechselt dann abermals. Wer schon ahnt, dass er sich dazu nicht aufrafft, sollte den Bonus bei der Suche nach einem Tarif außen vor lassen.
-Bei manchen Tarifen wird eine Vorauszahlung verlangt, zum Teil gleich für ein Jahr. Das ist nicht jedermanns Sache. Zum einen muss man das Geld dafür haben. Zum anderen könnte der Lieferant insolvent werden. Es ist ein bisschen eine Wette. Denn andererseits sind Tarife mit Vorkasse relativ günstig. Eine Variante neueren Datums sind Kautionen.
Preisgarantie ist keine hundertprozentige Zusage
-Mancher Tarif kann sich binnen Monatsfrist ändern, bei anderen gilt eine Preisgarantie für mehrere Monate. Auch das ist eine Wette, denn diese Garantie lässt sich der Lieferant natürlich bezahlen. Neuerdings wird zwischen Preisgarantie und Preisfixierung unterschieden. Hundertprozentig sind beide Zusagen nicht. Aber bei der Garantie darf bloß eine Erhöhung der Mehrwertsteuer weitergegeben werden, bei der Fixierung kann der Lieferant die Erhöhung sämtlicher Steuern und Abgaben weiterreichen - und an solchen Preiskomponenten ist beim Strom kein Mangel.
-Nie richtig durchgesetzt hat sich der Kauf von Strompaketen. Solche Tarife sind vergleichsweise günstig, aber dafür muss die vereinbarte Menge auch auf jeden Fall bezogen werden. Man sollte auch schauen, wie viel für darüber hinaus verbrauchten Strom berechnet wird.
Ökostrom nicht immer teurer
-Für die Umwelt ist es am besten, wenn überhaupt kein Stromverbrauch anfällt. Wer sich für ein Leben im Dunkeln nicht entscheiden kann und der Umwelt trotzdem ein wenig helfen will, kann nach Ökostromtarifen schauen. Sie sind nicht immer teurer als die Tarife, die auf konventionell erzeugtem Strom basieren. Der Strommix eines Tarifs lässt sich im Internet, aber auch auf der eigenen Stromrechnung nachsehen.
-Viele Tarife setzen voraus, dass der Kunde mit dem Energielieferanten nur noch via Internet kommuniziert.
Mainova vergleichsweise teuer
-Schließlich sollte man vielleicht einen Gedanken daran verschwenden, mit wem man gerade einen Vertrag schließt. Kennt man das Unternehmen? Was wird im Internet darüber berichtet?
In Frankfurt, so zeigt sich, ist der Grundversorger Mainova immer noch vergleichsweise teuer. Selbst wer von dem weitverbreiteten Classic-Tarif zum Darmstädter Versorger Entega wechselt, kann bei 3500 Kilowattstunden Jahresverbrauch schon etwa 100 Euro sparen, vor allem dank der einmaligen Bonuszahlung. Im nächsten Jahr kann man ja weitersehen. Wer sich dazu durchringt, hilft indirekt sogar denen, die sich nicht trauen. Denn nur ein lebhafter Wettbewerb sorgt dafür, dass die Preise insgesamt einigermaßen im Rahmen bleiben.
Beim Strom lässt sich kräftig sparen?
Wilfried Heck (wilfried.heck)
- 25.04.2010, 22:48 Uhr

