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Verbraucher Auf den Spuren der Gentechnik

05.02.2009 ·  Das Unbehagen beim Thema Gentechnik ist groß: Verbraucher legen Wert auf naturbelassene Lebensmittel. Doch wer kennt sich wirklich aus? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Von Petra Kirchhoff
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Das Unbehagen beim Thema Gentechnik ist groß: Verbraucher legen Wert auf naturbelassene Lebensmittel. Doch wer kennt sich wirklich aus? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist eigentlich Gentechnik?

Bei der Gentechnik geht es um die Neukombination von Erbmaterial. Mit gentechnischen Methoden ist es möglich, Gene von Menschen auf Tiere oder von Bakterien auf Pflanzen zu übertragen. So wurde etwa Mais-Saatgut mit Genen aus Bakterien gentechnisch so verändert, dass die Pflanzen gegen eine Reihe von Schädlingen resistent sind. In Reis wurden Proteine eingesetzt, die den Reis nahrhafter machen. Dadurch erhofft sich die Forschung Fortschritte im Kampf gegen den Welthunger.

In der Medizin ist Gentechnik weitgehend akzeptiert, warum?

Weil in diesem Fall der Patient profitiert, indem sich seine Lebensqualität verbessert. Nach Angaben des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller sind in Deutschland zurzeit rund 130 Arzneimittel mit 97 gentechnisch herstellten Wirkstoffen zugelassen. Zu den wichtigsten Anwendungsgebieten zählen unter anderem Diabetes, Blutarmut, Krebs und Schutzimpfungen. Auch im Industriepark Höchst in Frankfurt wird Insulin mit Hilfe von Gentechnik hergestellt.

Was sind die Vorbehalte gegen Gentechnik in der Pflanzenzucht?

Bei der sogenannten Grünen Gentechnik werden Erbsubstanzen in einer Weise verändert, die in der Natur so nicht vorkommen. Das beunruhigt Umwelt- und Verbraucherschützer. Sie befürchten, dass die Prozesse, die noch nicht ausreichend erforscht sind, außer Kontrolle geraten – mit unkalkulierbaren Risiken für das Ökosystem und die Gesundheit des Menschen.

Sind Krankheitsfälle durch Gentechnik bekannt?

Aussagekräftige Langzeituntersuchungen hierzu fehlen. Die Verbraucherzeitschrift „Öko-Test“ berichtet von akuten Immunreaktionen infolge eines Soja-Experiments. Dabei war Sojabohnen ein Protein der Paranuss eingeschleust worden und hatte bei Allergikern heftige Überempfindlichkeits-Reaktionen ausgelöst. Durch den Konsum von Gen-Nahrung sind laut „Öko-Test“ auch Resistenzen gegen bestimmte Antibiotika möglich.

Wird in Hessen Genmais angebaut?

In Europa und Deutschland werden bisher kaum gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut. Für Hessen weist die aktuelle Statistik nach Angaben des Hessischen Bauernverbandes nicht einen Quadratmeter aus. Der Verband selbst rät den Landwirten von der Gentechnikzucht ab. Zum einen, weil die Verbraucher es nicht wollten, zum anderen seien die Haftungsrisiken zu groß für den Fall, dass es zu ungewollten Verunreinigungen auf dem Nachbarfeld kommt, sagt ein Sprecher.

Wie kommt es dann zu Gen-Spuren in Lebensmitteln?

Der Anbau von gentechnisch veränderten Sojabohnen und Gen-Mais ist in Amerika weit verbreitet. Diese Produkte werden als Futtermittel nach Europa importiert oder als Zutaten in Lebensmitteln verarbeitet. Daher gibt es Gen-Spuren auch in deutschen Lebensmitteln.

In welchen Lebensmitteln steckt Gentechnik?

Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) können Bestandteile von allen Lebensmitteln sein, die aus gentechnisch veränderten Rohstoffen hergestellt werden – das sind Mais, Raps, Soja. Das Warensortiment, in dem gentechnisch hergestellte Zutaten verarbeitet werden, reicht von Backwaren und Brot über Majonäsen, Salatdressings, Fertigmenüs, Knabberartikel, Süßigkeiten bis hin zu Milchmixgetränken. Belgische Verbraucherschützer fanden nach einer soeben veröffentlichten Studie in jedem fünften Produkt im Supermarkt gentechnisch veränderte Substanzen.

Muss Gentechnik in Lebensmitteln gekennzeichnet werden?

Das ist nach EU-Recht bei zuvor genehmigten gentechnisch veränderten Lebensmitteln immer dann Pflicht, wenn der Anteil der gentechnisch veränderten Organismen über 0,9 Prozent liegt. Auch Zutaten wie Sojaöl, das aus gentechnisch verändertem Soja stammt, muss gekennzeichnet werden, selbst wenn es keine GVO-Reste mehr enthält.

Was ist mit tierischen Lebensmitteln?

Fleisch, Eier und Milchprodukte von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Pflanzen gefüttert wurden, sind ebenso wie bestimmte Zusatzstoffe von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen. Der Verbraucher weiß also nicht, welches Soja-Futter im Schweineschnitzel beim Metzger steckt. Um hier mehr Klarheit zu bieten, wurde im Mai 2008 die Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ eingeführt.

Können sich Verbraucher auf die Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ verlassen?

Nicht hundertprozentig. Denn die neue Regelung ist ein Kompromiss. Das Verbot von Gen-Futter gilt nicht für den gesamten Lebenszeitraum der Tiere. Schweine etwa dürfen noch bis vier Monate vor der Schlachtung mit Gen-Soja gefüttert werden. Zuvor waren die Auflagen deutlich strenger mit der Folge, dass kaum ein konventioneller Betrieb bereit war, seine Produktion umzustellen. Daher befürworten sogar Bio-Verbände die Lockerung. Immerhin verkaufe jetzt der Milchkonzern Campina (Landliebe) Milch „ohne Gentechnik“. Einige hundert Lieferanten mussten die Fütterung umstellen.

Was wollen Verbraucher?

Bei einer Umfrage der Marketinggesellschaft Gutes aus Hessen hatten sich jüngst hessische Verbraucher für eine klarere Kennzeichnung von Lebensmitteln ausgesprochen. Wenn „ohne Gentechnik“ drauf steht, sollte auch bei der Fütterung komplett auf Gentechnik verzichtet werden. Allerdings hatten gut zwei Drittel noch nie etwas von dem Siegel gehört.

Wie viele Lebensmittel mit der Kennzeichnung „ohne Gentechnik“ gibt es?

Bisher machen nur wenige Unternehmen von der Kennzeichnung Gebrauch. Am ehesten wird der Einkäufer noch im Kühlregal bei der Handelskette Tegut fündig. Bei Rewe gibt es Landliebe-Vollmilch und Joghurt „ohne Gentechnik“. Die Verbraucherzentrale Hamburg hat eine Liste mit Produkten „ohne Gentechnik“ ins Internet gestellt (www.vzhh.de.). Diese ist nicht sehr lang.

Sind Gentechnik-Kritiker im Bio-Markt auf der sicheren Seite?

Grundsätzlich ja. Die Anwendung von Gentechnik ist in der biologischen Landwirtschaft verboten. Die Toleranzgrenze liegt ebenfalls bei 0,9 Prozent. Außerdem sind gentechnisch veränderte Zusatzstoffe und Arzneimittel erlaubt, wenn sie nicht anders auf dem Markt erhältlich sind.

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